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Südkreis „Tischlein deck dich“ für Wespenbussarde
Landkreis Südkreis „Tischlein deck dich“ für Wespenbussarde
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19:48 19.02.2012
Ein Wespenbussard im Flug. Quelle: Thomas Junker

Roßberg. Mit seiner Naturschutzleitlinie zum Arten- und Biotopschutz im hessischen Wald setzt der Landesbetrieb Hessen-Forst unter anderem auf konkrete Projekte zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Flora und Fauna in den heimischen Staatswäldern. Das Forstamt Kirchhain übernahm in diesem Rahmen zwei sogenannte Artenpatenschaften für in Deutschland gefährdete Tierarten: die „Moosjungfer“, eine Libelle, und den Wespenbussard, der im Forstamtsbezirk als Brutvogel vorkommt.

Beide Arten – aber längst nicht nur diese – können nun von einem im Herbst ausgehobenen Flachwasserteich am Mooracker im Roßberger Wald profitieren. Er hat sich inzwischen mit Wasser gefüllt und entwässert zugleich eine dort am Waldrand gelegene Streuobstwiese. Ein ideales Jagdgebiet für den Wespenbussard, finden Vogelexperte Ralph-Günther Lösekrug und Bereichsleiter Andreas Sommer vom Forstamt Kirchhain sowie der zuständige Förster im Ebsdorfer Grund, Peter Becker.

Denn der Wespenbussard gräbt zwar gern gezielt nach Erdwespen und anderen im Boden versteckten Insekten und Würmern. Auf seinem Speisezettel stehen aber auch kleine Reptilien und Amphibien. Diese Beutetiere finden am Mooracker natürlich gleichermaßen gute Lebensbedingungen. Und auch die Chance, den Schwarzstorch wieder häufiger anzulocken, steige mit dem neuen Biotop, glauben die Förster.

Der etwa 250 Quadratmeter große Teich bietet neben den Flachwasserbereichen auch einen etwas tieferen Sektor, der laut des ausführenden Bauunternehmers Manfred Müller auch in strengen Wintern nie ganz durchfrieren wird und den Tieren somit gute Chancen zum Überwintern bietet.

Im Rahmen der Artenpatenschaft werden die Revierförster zudem die Horste des Greifvogels erfassen, um den Bestand an Brutvögeln im Forstamt ermitteln und diesen langfristig schützen zu können. Derzeit schätzen die Förster, dass auf etwa 20 Mäusebussarde nur ein Wespenbussard kommt. Der scheue Greifvogel ist auch ungleich schwerer zu beobachten. „Hier im Ebsdorfer Grund findet er ideale Lebensbedingungen“, weiß jedoch Peter Becker, der in unmittelbarer Nähe des neuen Teiches vergangenen Sommer ausgegrabene Wespennester gefunden hat. „Wildschweine oder Dachse scheiden als Verursacher aus. Dies war mit hoher Wahrscheinlichkeit der Wespenbussard.“ Mal sehen, ob diese Spuren im Roßberger Wald künftig häufiger zu finden sein werden.

von Michael Agricola