Volltextsuche über das Angebot:

27 ° / 8 ° heiter

Navigation:
Tentakel wachsen im heimischen Wald

Tintenfischpilz im Landkreis entdeckt Tentakel wachsen im heimischen Wald

Sie schlüpfen aus einem Ei und haben rote, tentakelartige Arme: Tintenfischpilze wachsen derzeit häufig in den heimischen Wäldern und Wiesen. ­Giftig sind sie zwar nicht, aber auch nicht essbar – und sie riechen schlecht.

Voriger Artikel
Fronhäuser beplanen Festplatz selbst
Nächster Artikel
Gemeinde bedankt sich mit einem Frühstück

Rote Tentakel zwischen Laub und Ästen: Birgit Trinkaus hat die Entwicklung eines ­Tintenfischpilzes in Niederweimar festgehalten.

Quelle: Birgit Trinkaus

Niederweimar. Dieser Pilz schlüpft quasi in den heimischen Wäldern: Zunächst ist er hell und rund, irgendwann platzt die äußere Schicht auf und rote Tentakel entfalten sich. Der Tintenfischpilz bietet einen ungewöhnlichen Anblick – in diesem Jahr tritt er im Landkreis Marburg-Biedenkopf besonders häufig auf. Die Redaktion der Oberhessischen Presse erreichen daher immer wieder Fotos und neue Fundorte zu diesem Pilz, der seinen Ursprung nicht in Deutschland hat.

Pflanzenart kommt aus Australien und Neuseeland

OP-Leserin Birgit Trinkaus aus Niederweimar hat den Tintenfischpilz über Tage hinweg in verschiedenen Stadien beobachtet und fotografiert. Die Fotos zeigen, wie er aus seinem Ei schlüpft. Auch am Waldrand am Köppel in Cappel, in Bad Endbach, bei Dilschhausen oder mitten auf einer Rasenfläche in Stadtallendorf haben Leser mehrere Exemplare entdeckt.

Laut Oliver Keßler, Pressesprecher des Regierungspräsidiums Gießen (RP), stammt der Tintenfischpilz ursprünglich aus Australien und Neuseeland. „Er wurde bereits in der Mitte des letzten Jahrhunderts nach Europa eingeschleppt und hat sich in ganz Europa verbreitet“, teilt er mit. Funde gebe es in Hessen schon seit Jahren. Aber: „Aktuell scheint er sich in unserer Region stark zu verbreiten. Das mag auch an dem relativ feuchten Wetter liegen.“

 
Erst sieht der Tintenfischpilz aus wie ein Ei, dann platzt die äußere Hülle auf und rote Tentakel kommen zum Vorschein. Foto: Birgit Trinkaus

Im RP ist der Pilz laut Keßler nicht unbekannt. Bedenken gebe es derzeit keine. Der Tintenfischpilz hat bislang keine Invasivitätsbewertung durch das Bundesamt für Naturschutz und ist auch nicht auf der sogenannten Unionsliste der EU als invasive Art aufgelistet.

Der Pilz ist nicht giftig, könnte also theoretisch gegessen werden – allerdings ist er ungenießbar. Er schmeckt muffig und verströmt einen unangenehmen aasartigen Geruch. Er wächst zuerst als sogenanntes Hexenei und fühlt sich von Frühsommer bis Spätherbst in Wäldern und auf Wiesen und Weiden wohl.

Der Pilz wurde vermutlich mittels seiner Sporen über Wolllieferungen oder militärische Lieferungen aus Australien und Neuseeland eingeschleppt. In Deutschland wurde er erstmals Mitte der 1930er-Jahre bei Karlsruhe entdeckt und breitet sich seither in der Bundesrepublik aus.

von Patricia Grähling

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr