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Südkreis Suche nach Baugebiet geht weiter
Landkreis Südkreis Suche nach Baugebiet geht weiter
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00:20 12.08.2018
Fronhausen liegt nicht nur in der Nähe der B3, der Ort verfügt auch über einen Bahnanschluss, was ihn auch für Berufspendler attraktiv macht. Allein es fehlt ein Baugebiet. Quelle: Thorsten Richter
Fronhausen

Standpunkt

Nachfrage muss bedient werden

von Götz Schaub

Raumordnung ist Länder­sache. Und was hört man allenthalben aus Wiesbaden? Den Willen, den ländlichen Raum zu stärken. Nicht zuletzt aufgrund großer Arbeitgeber im Marburger Umland sowie den Universitäten in Gießen und Marburg können sich Kommunen rund um Marburg wahrlich nicht darüber beschweren, demografisch auszubluten.

Sterzhausen  im Norden und Niederweimar im Süden sind zwei sehr nachgefragte Wohnorte, die immer noch zulegen. Fronhausen würde auch zulegen, wenn es denn dort ein Baugebiet gäbe. Sicher darf die Siedlungspolitik nicht überall alles zulassen.

Aber wo eine Nachfrage herrscht, sollte sie auch bedient werden, denn irgendwo müssen die Menschen ja auch hin. Menschen, die auch gebraucht werden, die Infrastruktur des ländlichen Raums zu sichern. Und dabei sollte man auch andere Orte nicht vergessen, insbesondere die, die über ­eine für junge Familien ­attraktive Infrastruktur wie Kindergarten und oder Grundschule verfügen. 

Aufgrund seiner topografischen Lage sind die Expansionsmöglichkeiten für Fronhausen sehr übersichtlich. Das favorisierte Baugebiet „Auf‘m Lärchenscheid“ ist für mindestens drei Jahre aus den Planungen raus, weil sich beim Bürgerentscheid im Herbst vergangenen Jahres eine Mehrheit dagegen aussprach.

Die Gemeinde hat sich seither bemüht, Alternativen zu finden, doch gibt es noch keine Erfolgsmeldung, sagt Bürgermeisterin Claudia Schnabel. Sie weiß, dass das Interesse von Menschen in Fronhausen zu bauen nicht abgeebbt ist, doch der Frust unter den Bauwilligen wachse.

Einige haben sich bereits schweren Herzens für andere Kommunen entschieden, um privat weiterzukommen. Denn: auch in den übrigen Ortsteilen der Großgemeinde ist nichts zu bekommen.

„Und nach den Maßgaben des in der Fortschreibung befindlichen Regionalplans sollen ja nur noch die Hauptorte einer Gemeinde Baugebiete erhalte“, sagt die Bürgermeisterin. Sie kann diese Planungen nicht unterstützen. Schnabel weiter: „Für die ländliche Entwicklung ist das unvorteilhaft. Eine Zentralisierung im ländlichen Raum ist für die Gesamtentwicklung einer Gemeinde nicht gesund.

Bürgermeisterin hält Zentralisierung für falsch

Wir brauchen auch in den anderen Orten eine gute Durchmischung von jungen und älteren Menschen. Bellnhausen beispielsweise verfüge über einen Kindergarten, der gerade erweitert wurde, und liege verkehrstechnisch mit der Anbindung an die Bundesstraße 3 sehr günstig.

„Wir können natürlich immer Abweichungsanträge zum Regionalplan stellen, doch werden diese bei ihrer Vorprüfung wohl negativ bewertet, weil sich das Regierungspräsidium natürlich an die Zielvorgaben des Regionalplans halten soll. Und wenn dann in der Regionalversammlung diese Anträge mit der negativen Stellungnahme des RP nicht mehr genauer hinterfragt werden, kann es gut sein, dass sie abgelehnt werden“, sagt die Bürgermeisterin.

Natürlich habe die Gemeinde aber auch ein großes Interesse, den Kernort Fronhausen weiter zu entwickeln. Ein erster Runder Tisch mit Personen, die den Bürgerentscheid initiiert haben, brachte keine greifbaren Ergebnisse. Ein zweiter Runder Tisch zielte auf alle Personen ab, die rund um Fronhausen Land besitzen, das potenziell als Bauland dienen könnte.

„Wir sind jetzt dazu übergegangen mit den betreffenden Personen Einzelgespräche zu führen, um herauszufinden, was überhaupt möglich sein könnte“, informiert Schnabel.
Sie spricht von sieben Bereichen rund um den Ort. Wobei sicher nicht alle wirtschaftlich abbildbar seien, schränkt sie ein. Andere könnten auch schon aufgrund diverser Vorgaben etwa des Naturschutzes und des Hochwasserschutzes nicht infrage kommen.

Trotzdem hofft die Bürgermeisterin auf möglichst viele Möglichkeiten, die man dann weiterverfolgen werde, um für die nächsten zehn Jahre etwas anbieten zu können. Parallel dazu soll die Verdichtung im Ort selbst vorangetrieben werden, wenigstes da, wo das TÜV-Gutachten nicht gilt und gebaut werden darf. „Das sind aber dann wirklich nur kleinere Bereiche, wenn es gut läuft auch mal bis zu zehn Häuser.

Das TÜV-Gutachten zur Geruchsbelastung in Fronhausen hatte noch unter Bürgermeister Reinhold Weber dazu geführt, dass in großen Teilen der Alt-Ortslage nichts mehr zusätzlich gebaut werden darf, es sei denn ein neues Gutachten kommt zu anderen Werten. Davon könne aber derzeit nicht ausgegangen werden, weil sich seither nichts Entsprechendes geändert hat.

von Götz Schaub