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Südkreis Straßenbehörde weist Vorwürfe zurück
Landkreis Südkreis Straßenbehörde weist Vorwürfe zurück
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09:01 23.04.2018
Über 30 000 Fahrzeuge fahren bei Fronhausen an jedem Tag über die Bundesstraße 3. Quelle: Tobias Hirsch
Bellnhausen

Wurden Anfang der 1990er Fehler gemacht, als die neue Bundesstraße 3 zwischen Marburg und Gießen geplant und gebaut wurde? Sind die Kurven zu eng, um auf der Strecke ohne Geschwindigkeitsbegrenzung zu fahren? Und ist die neue Asphaltdecke bei Fronhausen zu laut?

Das sind Vermutungen, die der Bellnhäuser Wolfgang Schneider gegen die Straßenbaubehörde vorgebracht hat (die OP berichtete). Schneider hat mit seinen Vorwürfen Folgendes im Sinn: Sind die Kurven zu eng, muss das Tempo gedrosselt werden. Fließt der Verkehr langsamer, wird es wieder ruhiger an der Straße.

Behörde sagt: Die B 3 ist sicher

Jetzt hat Hessen Mobil reagiert und eine Stellungnahme abgegeben. Quintessenz: Fehler wurden nicht gemacht, die Straße ist sicher und die Lautstärke im erlaubten Rahmen. So teilt Pressesprecherin Sonja Lecher mit, dass im Streckenabschnitt zwischen Fronhausen und Staufenberg die von den „damaligen Richtlinien für die Anlage von Straßen“ geforderten Mindestradien eingehalten worden seien.

Diese Richtlinien wurden im Laufe der Jahre mehrmals überarbeitet. Die B 3 entspreche auch den aktuellen Anforderungen, teilt die Behörde auf OP-Nachfrage mit. Die Mindestradien der Kurven würden sogar deutlich überschritten.

Richtig sei, dass bei der Planung damals eine Entwurfsgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern zugrunde gelegt wurde, heißt es in der Stellungnahme. Diese Entwurfsgeschwindigkeit sei aber nicht gleichbedeutend mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit.

Eine Begrenzung der Geschwindigkeit lehnt die Behörde ab. Ein Tempolimit dürfe nur angeordnet werden, wenn Gefahr besteht, die ein allgemeines Risiko übersteigt. Das liegt vor, wenn häufig Unfälle passieren oder der Lärm die Gesundheit für Anwohner bedroht.

Nach Ansicht von Hessen Mobil trifft beides nicht zu. Die Strecke sei „unfallunauffällig“. Allerdings sei die Statistik nur „bedingt repräsentativ“, schränkt Pressesprecherin Sonja Lecher ein, weil dort in den vergangenen Jahren häufig Baustellen eingerichtet waren. „Vor diesem Hintergrund wird Hessen Mobil das Unfallgeschehen auf der B 3 zwischen Lollar und Fronhausen zukünftig besonders im Blick behalten“, schreibt sie.

Was den gestiegenen Lärm angeht, den die Anwohner einiger Fronhäuser Ortsteile beklagen, seitdem die Fahrbahn in Südrichtung eine neue Decke bekommen hat, sieht die Behörde keinen Handlungsbedarf. Eine „lärmtechnische Untersuchung“ habe ergeben, dass die Pegel die Bundesrichtwerte der Lärmschutz-Richtlinien „deutlich unterschreiten“. Die eingebaute Asphaltdeckschicht entspreche der vorgesehenen Regelbauweise.

Lärmentwicklung wird „kritisch wahrgenommen“

Bei bestimmten Gussasphalt-Sorten werde in den ersten Monaten nach der Freigabe „die Lärmentwicklung vonseiten der Bevölkerung teilweise kritisch wahrgenommen“. Das liege daran, so Lecher, dass das aufgetragene Abstreumaterial erst durch den fahrenden Verkehr seine endgültige Lage in der Oberfläche einnimmt.

Das könne zwar vom menschlichen Gehör als störend wahrgenommen werden. Der Lärmpegel sei hierdurch allerdings nicht zwangsläufig erhöht. „Im Laufe der Nutzung gehen diese Effekte zurück, und durch die Einregelung des Abstreumaterials stellt sich eine Textur ein, die bei diesen Gussasphalten zu einer Reduzierung des Lärmpegels führt“, so Sonja Lecher.

Wie schnell sich dieser Zustand einstellt, sagt die Behörde nicht. Das hängt vom Verkehr ab. Laut einer Statistik aus dem Jahr 2015 fahren zwischen Fronhausen und Staufenberg jeden Tag 35 200 Fahrzeuge.

von Dominic Heitz