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„Stolpersteine“ gegen das Vergessen

Roth „Stolpersteine“ gegen das Vergessen

Walter und Anna Koch leben in Roth in dem Haus, das einst der jüdischen Familie Stern gehörte. Daran erinnern nun so genannte Stolpersteine, die europaweit bekannt sind als „Steine gegen das Vergessen“.

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Zur Erinnerung an die einstigen Bewohner der Straße „Unter der Linde 1“ in Roth.

Quelle: Götz Schaub

Roth. Die Seite an Mannes Sterns Grab aus dem Jahr 1933 auf dem jüdischen Friedhof in Roth ist unberührt. Dort sollte eigentlich einmal seine Frau Bertha ihre letzte Ruhe finden, doch wurde diese 1942 zusammen mit ihren beiden Söhnen Louis und Hugo von den Nazis nach Theresienstadt deportiert. Eine Fahrt ohne Wiederkehr – alle drei Rother fanden wenige Monate später in Auschwitz den Tod, ermordet von den Nazis. Dieses Schicksal blieb allein Toni Stern erspart. Die Tochter Bertha Sterns emigrierte 1938 mit ihrem Ehemann Markus Roth in die USA. Ihr war ein langes Leben beschieden, sie starb erst 1998 im Alter von 100 Jahren.

Am Montag kam der Kölner Künstler Gunter Demnig auf Einladung des Arbeitskreises Landsynagoge Roth nach Roth, um dort vier seiner mittlerweile europaweit bekannten Stolpersteine zu verlegen. Diese Steine sind jeweils mit Messingtafeln ausgestattet, auf denen die Daten jener Menschen stehen, die Opfer des verbrecherischen Nazi-Regimes wurden. Sie werden dort in den Boden eingelassen, wo die Menschen, deren Namen sie tragen, einst gewohnt und gelebt haben. In Marburg kann man solche Steine bereits seit einiger Zeit sehen, in Roth nun seit Montag.

Mit dem Einverständnis der heutigen Besitzer des Hauses „Unter der Linde 1“, Walter und Anna Koch, erinnern nun vier Stolpersteine an Bertha, Louis und Hugo Stern sowie an die einzige damalige Überlebende der Familie, Toni Stern. Zur Gedenkstunde während der Bauarbeiten lasen Schüler der Jahrgangsstufe 8 der Gesamtschule Niederwalgern vor 30 Gästen Auszüge aus Briefen vor, die Bertha Stern an ihre Tochter nach Amerika geschrieben hatte. Amnon Orbach, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Marburg, würdigte die ehemaligen Rother Mitbürger mit einem Gebet. Weimars Bürgermeister Volker Muth begrüßte die Verwirklichung der Stolpersteine-Verlegung und verlieh der Hoffnung Ausdruck, dass gerne noch weitere folgen können.

von Götz Schaub

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