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Störche willkommen

Weißstörche Störche willkommen

Fast 40 Jahre waren sie verschwunden, nun nisten sie wieder im Landkreis: Weißstörche.

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Im Jahr 2007 zog ein Weißstorchen-Pärchen in Rauischholzhausen seine Brut auf.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Der ehemalige Molkereischornstein in Rauischholzhausen und die Radenhäuser Lache – dort hat sich im vergangenen Jahr jeweils ein Storchenpaar zum Brüten niedergelassen. Sechsfachen Nachwuchs gab es insgesamt für die Vogeleltern, doch alle Jungstörche kamen im Sommer ums Leben. In Rauischholzhausen war ein Sturm schuld daran, bei der Storchenfamilie der Radenhäuser Lache ist die Ursache nicht bekannt, wie Dr. Rainer Lorenz, Sprecher der Landesarbeitsgruppe Weißstorchschutz des hessischen NABU (Naturschutzbund Deutschland) erklärt.

„Das ist zwar traurig, aber natürlich und auch insgesamt nicht dramatisch“, sagt Lorenz. In Hessen sei man auf einem guten Weg – wenn auch noch immer weit von den Zahlen aus Zeiten vor dem Krieg entfernt. 1934, bei der ersten internationalen Zählung, gab es rund 9.000 Storchenpaare im Gebiet der jetzigen Bundesrepublik, 2009 waren es noch gut 4.000. In Hessen lässt sich über die letzte Dekade aber ein zum Rest der Republik gegenläufiger Trend beobachten: Die Zahl der Störche nimmt stetig zu. Bei den Schwarzstörchen, die früher als so selten galten, dass man sie kaum einmal zu Gesicht bekommen habe, wie Rainer Lorenz erzählt, ist Hessen außerdem das Bundesland mit den meisten Brutpaaren überhaupt.

Die Weißstörche sind seit zwölf Jahren sozusagen wieder im Aufwind. Im Landkreis brütet seit drei Jahren ein Paar in Rauischholzhausen. Wenn ein Nistplatz erst einmal besetzt worden ist, sei es wahrscheinlich, dass auch wieder „Nachmieter“ folgen. Häufig steuert sogar dasselbe Storchenpaar das Nest des Vorjahres wieder an, erläutert Lorenz – wenn die Vögel die lange Reise in den Süden und zurück überleben.

Dass bei den Störchen Treue auf Lebenszeit herrscht, ist inzwischen widerlegt. Lorenz weiß von einem Paar zu berichten, bei dem sich der „Mann“ wieder auf dem bekannten Nest niedergelassen hat (die männlichen Tiere sind meist eher am Brutplatz) und seine „Frau“ bei ihrer Ankunft eine Konkurrentin vorfand. Die habe sie in einem Jahr sogar erfolgreich verjagen können, im darauffolgenden musste sie sich allerdings geschlagen geben.

Störche brüten immer im Frühjahr, erklärt Biologe Lorenz. Im März oder April beginnen sie, Eier zu legen. Dann folgen 33 Tage Brutzeit. Etwa sechs bis acht Wochen verstreichen mit der Aufzucht der Jungen. Die verlassen dann im Spätsommer oder Frühherbst vor ihren Eltern das Nest Richtung Süden. Als Nistangebot sind runde Plattformen geeignet, auf denen idealerweise ein Weidenkorb mit einem 15 Zentimeter hohen Rand steht. Jedes Nest in Hessen bekommt, vor allem über den NABU, einen eigenen Betreuer. Der registriert alles Wichtige auf einem Meldebogen. Auch für eine mögliche Beringung der Jungstörche ist der Betreuer mitverantwortlich. In Rauischholzhausen habe es einen Beringungs-Versuch gegeben, berichtet Rainer Lorenz, allerdings erwies sich der Schornstein mit 33,5 Metern als deutlich höher als zunächst gedacht und als zu hoch selbst für die längste Marburger Feuerwehrleiter.

Dass die Weißstörche zwischenzeitlich komplett von der Bildfläche verschwunden waren und sich die Population in anderen Bundesländern rückläufig entwickelt, liegt unter anderem am zunehmenden Anbau von Energiepflanzen wie Raps und Mais. „Auf diesen Flächen finden Störche kaum Futter“, so Dr. Lorenz.

Wer Lust bekommen hat, sich Weißstörche einmal genauer anzusehen, hat dazu beispielsweise an der Radenhäuser Lache die Gelegenheit: Dort gibt es eine Blockhütte, von der aus sich die Vögel beobachten lassen.

Dass der Storch die Kinder bringt, ist natürlich ein Ammenmärchen. Tatsächlich ist sogar die Zahl der Geburten in dem Zeitraum, in dem sich wieder Störche im Landkreis niedergelassen haben, zurückgegangen: Im Jahr 2000 wurden nach Angaben des Kreises 2.375 Kinder geboren, im Jahr 2009 nur 1.894.

von Nadja Schwarzwäller

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