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Über Hollywood nach Wittelsberg

Police Car Über Hollywood nach Wittelsberg

Ans Police Car gelehnt, lächeln und posen - das kann Alexander Baumeister wie auf Knopfdruck. „Wenn man mit einem solchen Auto unterwegs ist, muss man sich daran gewöhnen, dass man ständig fotografiert wird.“

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Das Police Car von Alexander Baumeister war in Riverside Kalifornien im Das Police Car von Alexander Baumeister war in Riverside Kalifornien im Einsatz, bis es vor 15 Jahren ausgemustert wurde. Die Beschriftung wechselte zwischenzeitlich. Der 45-Jährige hat sie ­originalgetreu erneuern lassen.

Quelle: Nadine Weigel

Wittelsberg. Der 45-Jährige ist seit drei Jahren Besitzer eines original „Police Car of America“. Von Frühjahr bis Herbst ist Baumeister damit unterwegs, „dann geht der Wagen ins Winterquartier, um ihn zu schonen“. Auch für die tägliche Fahrt zur Emil-von-Behring-Schule in Marburg, an der der Lehrer Erdkunde, Mathematik und Arbeitslehre unterrichtet, nutzt der frühere Krefelder sein Police Car (Foto: Nadine Weigel). „Die Schüler finden das natürlich cool“, sagt Alexander Baumeister und grinst.

Bis 2002 im Polizeieinsatz

Sein Ford Crown Victoria lief bis 2002 in einem Departement der kalifornischen Polizei in der 300000-Einwohner-Stadt River­side nahe Los Angeles. Dann wurde der Wagen aus der Polizei-Flotte ausgemustert - mit 103000 Meilen auf dem Tacho. Das entspricht knapp 165000 Kilometern.

Eine Stuntfirma aus Hollywood kaufte den Wagen für ihre Filmaufnahmen. Alexander Baumeister hat sich über die Geschichte seines Police Car genau informiert. Bei ehemals in den USA gemeldeten Fahrzeugen sei dies kein Problem - übers Internet könne man kostenpflichtig alle Daten beziehen. „Der Wagen hat eine Feststellbremse - man kann ihn so richtig schleudern lassen“, erklärt der Wittelsberger die Eignung des Fahrzeugs für actiongeladene Filmaufnahmen. Zugleich ist er froh, dass sein Crown Victoria diese Zeit schadlos überstanden hat.

Erst 300 Modelle, dann kommt das Police Car in Groß

Filme waren es auch, die Baumeisters Leidenschaft für die amerikanischen Polizei-Autos weckten: Klassiker wie „Blues Brothers“ oder „Auf dem Highway ist die Hölle los“. „Die habe ich als Jugendlicher geliebt - nur dass dort immer so viele der schönen Police Cars zerstört wurden, das mochte ich nicht.“ In dieser Zeit beginnt Alexander Baumeister mit dem Sammeln. Und zwar im Kleinen. Er setzt dutzende von Modellen zusammen, Police Cars und nochmals Police Cars füllen die Vitrinen, irgendwann sind es rund 300 Stück.

Im Jahr 2014 passt es dann endlich. Baumeister lebt inzwischen mit seiner Partnerin und ihren zwei Kindern in Wittelsberg, arbeitet an der Schule und kauft sich sein erstes Police Car in Groß.

Ein Auto für Hochzeiten und Musikvideos

„Es ist ein schönes Gefühl, damit unterwegs zu sein, mit seinem Vier-Gang-Automatik-Getriebe ist es so ein richtiges Auto zum Cruisen“, sagt er über die Limousine mit ihrem Hubraum von 4,6 Litern und V8-Motor. Das Police Car hat 215 PS - doch mit seinem Gewicht von zwei Tonnen ist es kein Auto zum Rasen. „200 Stundenkilometer würde der Wagen schaffen. Auf der Autobahn fahre ich schon mal Tempo 120 - schneller aber nicht.“ Der V8-Motor ist durstig, schluckt etwa 13,5 Liter Benzin auf 100 Kilometer. „Spaß kostet“, sagt Alexander Baumeister und lächelt ganz entspannt.

Der 45-Jährige wird samt Auto auch schon mal als Chauffeur für Hochzeiten gebucht - oder etwa für Filmaufnahmen. Er braust mit seinem Police Car durchs Musikvideo „Time to roll“ der heimischen Rockabilly-Band „Rhythm Torpedoes“, springt in amerikanischer Polizei-Uniform aus dem Wagen und legt Handschellen an - zu sehen auf www.youtube.de .

Ein bisschen Show, das gehört für den 45-Jährigen dazu. Bei Messen, Paraden oder Oldtimer-Treffen beispielsweise. Dann darf er seinem Police Car auch die beeindruckende Signal-Anlage aufs Dach setzen. „Im normalen Straßenverkehr ist sie nicht erlaubt“, erklärt Baumeister und wuchtet die Anlage aus dem riesigen Kofferraum des Crown Victoria, verschraubt sie auf dem Dach. Sie verfügt über sieben Pods, darunter drei routierende Signallampen und Arbeitsscheinwerfer, „die brauchte die Polizei, wenn sie nachts etwas absuchen musste“.

Technisches Geschick gehört dazu

Der Ford Crown Victoria sei ein beliebtes Police Car gewesen, „er ist robust, hat diesen großen Kofferraum, da kriegt man alles rein“. Ein solches Fahrzeug zu kaufen sei kein Problem, „es gibt sehr viele davon - und man bekommt sie für einen Preis von etwa 8000 bis 12000 Euro“. Allein in der Region gebe es noch zwei weitere Sammler besonderer Autos, die mit einem Police Car unterwegs seien, berichtet Baumeister, der dem Verein „Police Car Owners of America“ angehört und öfters mal über die Gründung eines Marburger Chapters nachdenkt.

Der Kauf eines Police Car mag ohne großen Aufwand über die Bühne gehen. Das Fahrzeug zu erhalten ist allerdings eine Aufgabe. „Man sollte über technisches Geschick verfügen und auch Lust haben, selbst an dem Auto zu basteln“, rät der 45-Jährige, der selbst schon manches Wochenende „durchs Auto krabbelnd“ verbracht hat.

Die letzte amerikanische Full-Size-Limousine

„Die Heizung zu reparieren, das war schlimm, da musste das ganze Armaturenbrett runter.“ Ersatzteile könne man leicht und vergleichsweise günstig beschaffen, selbst dann, wenn sie aus den USA importiert werden müssten. Dort wurde der Ford Crown Victoria von 1992 bis 2011 produziert. „Es war die letzte amerikanische Full-Size-Limousine, die gebaut wurde. Inzwischen setzt man dort eher auf SUVs, auch bei der Polizei.“ In Deutschland gebe es etwa 250 Ford Crown Victoria, „aber nicht ­alle sind Police Cars“.

von Carina Becker-Werner

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