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Sind Kurven zu eng für hohes Tempo?

Ingenieur vermutet Planungsfehler Sind Kurven zu eng für hohes Tempo?

In Bellnhausen formiert sich Widerstand gegen den Lärm der B 3. Der Ortsbeirat diskutiert Tempolimit und Lärmschutz. Ingenieur Wolfgang Schneider behauptet: Beim Bau der Straße wurden Fehler gemacht.

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Zwischen Marburg und Gießen schlängelt sich die Straße mit engen Kurven durch die Landschaft. Ein Bellnhäuser Bürger glaubt: Die Kurven benötigen ein Tempolimit.

Quelle: Foto: Tobias Hirsch

Bellnhausen. Mittlerweile­ ist der Bellnhäuser Wolfgang Schneider im Ruhestand. Früher hat er als Bauingenieur für eine Firma Straßen gebaut. Am Donnerstagabend meldete er sich im Ortsbeirat zu Wort. Die Streckenführung der Bundesstraße 3 zwischen Marburg und Gießen sei ungeeignet, um hier den Verkehr ohne Geschwindigkeitsbegrenzung fließen zu lassen, sagte er.

Als die Straße gebaut wurde, sei die Trassenführung überarbeitet worden. Die Grünen hätten damals einen Antrag ­gestellt, woraufhin die Strecke leicht angepasst werden musste, sagte Wolfgang Schneider.

Dabei sei auch der Radius einzelner Kurven verändert worden – allerdings ohne anschließend nochmal zu überprüfen, ob die Kurven sich noch für Verkehr eignen, der ohne Geschwindigkeitsbegrenzung fließt.

„Ich bin davon überzeugt, dass dort nicht so schnell gefahren werden darf“, sagt Schneider auf OP-Nachfrage. Er habe schon bei Hessen Mobil in der Sache vorgesprochen und versuche derzeit in die Planungsunterlagen von damals Einblick zu gewinnen, um seine These zu bekräftigen. Hessen Mobil hat eine Stellungnahmen für die nächste Woche angekündigt.

Anlieger klagen über Anstieg des Verkehrslärms

Sollte Schneider mit seiner Annahme Recht haben und das auch belegen, könnte das für die Einwohner Bellnhausens die Lösung eines drängenden Problems bedeuten und dem Land Hessen ein neues aufbürden. Seitdem Hessen Mobil die Fahrbahn der B 3 bei Bellnhausen erneuert hat, klagen die Anwohner über eine dramatisch angestiegene Lärmbelastung.

Wie dieser Lärm vermindert werden könnte, darüber tauschten sich die Mitglieder des Ortsbeirates, Fronhausens Bürgermeisterin Claudia Schnabel und einige Bürger im Dorfgemeinschaftshaus aus. Ein Ansatz sei eine Geschwindigkeitsbegrenzung.

Fließt der Verkehr langsamer, fließe er auch ruhiger, so der Tenor. Weiterer Aspekt an der Sache: Wenn Hessen Mobil die Geschwindigkeit auf der Straße ­reduzieren müsste, könnte das unter Umständen auch bedeuten, dass die Bundesstraße nicht in eine Autobahn umgewandelt werden kann, sagte Wolfgang Schneider. Denn auf eine solche Autobahn haben viele Bellnhäuser keine Lust.

„Blaue Schilder wären das Schlimmste“, sagte Schneider. Bürgermeisterin Schnabel berichtete diesbezüglich von einem Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten Sören Bartol (SPD).

Bartol habe ihr gegenüber angeregt, dass die Gemeinde Fronhausen der Umwandlung der Bundesstraße in eine Autobahn zustimmen könnte, dafür aber im Gegenzug die Installation von Lärmschutzeinrichtungen fordern solle. Die Mitglieder des Bellnhäuser Ortsbeirates äußerten sich hierzu allerdings skeptisch.

Bürger sollen sich
direkt an das Land wenden

Schnabel ermutigte Ortsvorsteher Dr. Lothar Mann sowie die anderen Mitglieder des Ortsbeirates, sich wegen der Lärmbelästigung direkt an Hessen Mobil zu wenden. Bis zum 31. Januar können Bürger beim Lärmaktionsplan des Landes Eingaben machen. „Je mehr sich beteiligen, umso besser“, sagte Schnabel. Auch die Gemeinde werde eine Stellungnahme zum Lärm rund um die Bundesstraße 3 beim Land abgeben.

Der Ortsbeirat einigte sich schließlich darauf, die Gemeinde Fronhausen anzuhalten, verschiedene Maßnahmen beim Land zur Diskussion zu stellen. So soll – unabhängig von den Recherchen Wolfgang Schneiders – überprüft werden, ob im Bereich Fronhausen ein Tempolimit eingerichtet werden kann. Auch der Lärmschutz und die Nachbearbeitung der Fahrbahnoberfläche sollen in Wiesbaden zum Thema gemacht werden.

Straßenlärm soll
gemessen werden

Wolfgang Schneider regte­ zudem die Gründung einer ­Bürgerinitiative an. Mit einer ­Unterschriftenliste sollten die Bellnhäuser auf ihre Situation aufmerksam machen. Zudem möchte Schneider in den nächsten Tagen den Lärm an der Straße messen, um belastbare Daten in die Diskussion einzubringen und so Druck auf die ­Behörden aufzubauen.

Ein weiteres Thema der Sitzung war der geplante Feuerwehrstützpunkt in Bellnhausen. Der Ortsbeirat stimmt den Bebauungsplänen „Im Feldchen“ zwar „grundsätzlich zu“, hat aber Bedenken wegen der Zufahrt zu dem Gelände. Der Stützpunkt soll an der Landesstraße 3048 errichtet werden. Ausrückende Einsatzfahrzeuge­ dürfen dann direkt auf diese Straße fahren.

Die Zufahrt allerdings soll über die Hassenhäuser Straße durch ein Wohngebiet führen. Ortsvorsteher Dr. Mann und die Mitglieder des Ortsbeirates befürchten, dass dieser Verkehr die Sicherheit der Anwohner gefährden könnte.

Auffahrt auf Landesstraße ist bereits Zugeständnis

Claudia Schnabel verwies auf die Richtlinien des Landes, die vorgeben, wie viele Ein- und Ausfahrten auf einer Landesstraße zulässig sind. Sie verstehe die Sorgen der Bellnhäuser, sagte sie. Sie könne zwar eine Eingabe bei Hessen Mobil machen, um prüfen zu lassen, ob auch die Zufahrt zum Stützpunkt von der L 3048 aus möglich ist.

„Ich habe aber wenig Hoffnung, dass das geht“, so Schnabel. Dass die Feuerwehr im Falle eines Einsatzes direkt auf die Landesstraße ausrücken darf, sei bereits ein Zugeständnis, das die Landesbehörde gemacht habe.

Schnabel geht davon aus, dass eine Zufahrt über die Landesstraße lediglich von den Wehrleuten aus Hassenhausen genutzt würde. Die anderen würden vermutlich den schnellsten Weg zum Einsatz wählen – über die Hassenhäuser Straße.

von Dominic Heitz

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