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Schonendes Produzieren soll sich lohnen

Öko-Landwirtschaft Schonendes Produzieren soll sich lohnen

Wie sieht die Agrarförderung nach 2014 aus? Auf Einladung der Vereinigung Ökologischer Landbau in Hessen (VÖL) diskutierten mehr als hundert Biolandwirte aus Hessen in der Ochsenburgihre Position dazu.

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Mehr als hundert hessische Biolandwirte kamen nach Argenstein, um sich über die EU-Agrarreform und die Auswirkungen auf ihre Betriebe zu informieren.

Quelle: Kristina Gerstenmaier

Argenstein. Die VÖL hatte zu einer Informationsveranstaltung unter dem Thema „Die gemeinsame Agrarpolitik ab 2014 - Aktueller Stand und zukünftige Rahmenbedingungen“ und unter der Fragestellung „Kann der Ökolandbau im Wettbewerb bestehen?“ eingeladen. Die VÖL vertritt die agrarpolitischen Interessen der knapp 600 hessischen Landwirte, die sich in den Ökoanbauverbänden Bioland, Naturland, Demeter, Biokreis und GÄA organisieren. Insgesamt sind in Hessen 1564 Landwirte im Ökoanbau tätig.

Hans-Jürgen Müller, Sprecher der VÖL und selbst Ökolandwirt im nordhessischen Witzenhausen, gab einen Überblick über den Stand der EU-Agrarpolitik, den Kern der für 2014 geplanten Reform.

Er ging auch auf die finanziellen Auswirkungen auf die Einkommen der hessischen Ökobauern und die damit im Zusammenhang stehenden Forderungen der VÖL und des bundesweit agierenden Bundes Ökologische Landwirtschaft (BÖLW) ein.

Die Reform sieht im Kern eine Kürzung des Agrarhaushaltes insgesamt vor. Nachhaltige Landwirtschaft und Gemeingüter, wie Biodiversität, sauberes Wasser und der Erhalt natürlicher Grünflachen soll in allen landwirtschaftlichen Unternehmen aber verstärkt gefördert werden. Die bestehende Co-Finanzierung durch die Mitgliedsstaaten und Bundesländer soll ausgeweitet werden.

Die Verbände fordern nun, keinerlei Kürzungen des Agrarhaushaltes vorzunehmen. Fördergelder für eine nachhaltige Landwirtschaft sollen ausschließlich der Förderung des ländlichen Raums und des Ökolandbaus zugute kommen.

Verbände fordern Stärkung nachhaltiger Landwirtschaft

Umwelt- und tiergerechte Produktion soll höher subventioniert werden. Außerdem fordert man verschärfte Bedingungen für alle Landwirte, was den schonenden Umgang mit den Böden und den Erhalt von Grünflächen angeht.

Das Land Hessen als Partner an den Direktzahlungen, zahle zur Zeit 170 Euro/Hektar Land für die Umstellung vom konventionellen auf ökologischen Landbau, so Müller.

Damit liege es um 280 Euro unter dem von der EU vorgegebenen Rahmen. „Diese Summe stellt keinen Anreiz für die Umstellung dar“, so Müller. Der wachsende Bedarf an ökologischen Lebensmitteln müsse daher auch aus anderen Bundesländern gedeckt werden.

Die VÖL fordert daher, dass nach der Agrarreform ein größerer Anteil der Förderung aus Brüsseler Kassen gezahlt werde, da man dann weniger abhängig von der Kassenlage der Landesregierung wäre.

„Die Ansätze von VÖL und BÖLW sind für mich die Mindestanforderungen, die hinterher herauskommen müssen“, so Christian Weber, Biolandwirt in Niddatal. „Ich halte sie für gut und nachhaltig, denn die Gelder müssen sinnvoll eingesetzt werden.“ Dem stimmten die Umstehenden einstimmig zu.

Im Anschluss stellte Dr. Felix Prinz zu Löwenstein sein Buch „Food Crash - Wir werden uns ökologisch ernähren oder gar nicht mehr“ vor.

HINTERGRUND

Agrarunternehmen werden EU-weit durch Direktzahlungen subventioniert. Diese laufen über ein Zwei-Säulen-Modell. Über die erste Säule werden 73,6 Prozent der Gelder als Fördergeld an alle landwirtschaftlichen Betriebe verteilt. Über die zweite Säule laufen 26,4 Prozent der Gelder. Sie fließen in Agrarumweltmaßnahmen, die Entwicklung des ländlichen Raums und des Ökolandbaus. Die Mittel werden seitens der EU aber nur gezahlt, wenn sich Bund und Länder zu 50 Prozent an den Kosten beteiligen. Die Agrarpolitik unterliegt seit 1962 den Entscheidungen des EU-Parlaments. 2013 endet die aktuelle Förderperiode, die seit 2005 läuft.

von Kristina Gerstenmaier

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