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Schmuck bleibt verschwunden, Diebstahl vorerst ungesühnt

Amtsgericht Marburg Schmuck bleibt verschwunden, Diebstahl vorerst ungesühnt

Weil am Ende des Verhandlungstages noch Zweifel blieben, ob die Angeklagte einen goldenen Armreif und zwei Ringe gestohlen hat sprach Richter Dirk-Uwe Schauß sie frei.

Marburg. Vor dem Marburger Amtsgericht musste sich eine examinierte Krankenschwester wegen des Diebstahls zweier goldener Ringe und eines goldenen Armbandes verantworten. Dieser Schmuck verschwand im Juli des vergangenen Jahres aus dem Zimmer einer Bewohnerin eines Altenheimes im Südkreis, in dem die angeklagte Frau zu diesem Zeitpunkt noch angestellt war.

Während der Verhandlung konnte der Angeklagten nach Überzeugung des Gerichts die Tat jedoch nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Daher schloss sich Richter Dirk-Uwe Schauß mit dem Freispruch den Forderungen von Verteidigung und Staatsanwaltschaft an.

Sechs Zeugen waren zum Verhandlungstag geladen. Sie sollten Licht in den vorgebrachten Tatablauf bringen, denn die Angeklagte wies alle Vorwürfe von Beginn an entschieden von sich. Als gesichert galt am Ende jedoch nur, dass der fragliche Schmuck noch immer nicht wieder aufgetaucht ist.

Zeugenaussagenwidersprechen sich

Auf die 56-jährige Frau fiel der Verdacht, weil zwei Kolleginnen angeblich ein grünes Etui in ihrer Tasche fanden, welches die gesuchten Schmuckstücke enthalten haben soll. Bis zu dem Zeitpunkt, als die beiden Frauen ihren Chef auf den Fund aufmerksam gemacht und mit ihm gemeinsam nachgesehen hatten, war dieses Etui jedoch aus der Tasche der Angeklagten verschwunden.

Die Aussagen der Zeugen bei der Polizei und ihre Aussagen vor Gericht stimmten zwar überein, Schauß konnte jedoch schnell aufdecken, dass es sich hierbei um Falschaussagen handelte.

Aufmerksam wurde er auf die Unstimmigkeit durch die Aussage des Vorgesetzten der drei Frauen. Er versicherte, auch unter Eid wiederholen zu wollen, dass nicht er die Anweisung gab, in der Tasche der Angeklagten nach dem vermissten Schmuck zu suchen, sondern die beiden Zeuginnen seien schon mit der Aussage zu ihm gekommen, dass sie die Ringe und den Armreif in eben dieser Tasche gefunden hätten.

Ob dem wirklich so war, ob der Schmuck sich in der Tasche befand, wer ihn rechtzeitig wieder entfernte, wo er sich mittlerweile befindet oder ob er vielleicht von einer ganz anderen Person gestohlen wurde, oder ob der Goldschmuck vielleicht auf einem ganz anderen Weg verschwand – all diese Fragen konnten während der Verhandlung nicht zweifelsfrei geklärt werden. Daher urteilte Richter Dirk-Uwe Schauß folgerichtig „im Zweifel für die Angeklagte“.

von Sonja Achenbach

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