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Südkreis Roßberg stand auf Napoleons Seite
Landkreis Südkreis Roßberg stand auf Napoleons Seite
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18:22 23.10.2013
Tom Engel (links) referierte in der Roßberger Kirche über deutsche Geschichte und die Friedenseiche. Als solche wird sie jetzt auch mit einem Schild gewürdigt, das Ortsvorsteher Werner Böckler zeigte. Quelle: Martina Becker
Roßberg

Am 100-jährigen Gedenktag der Völkerschlacht bei Leipzig pflanzten Lehrer Valentin Sußmann und seine 47 Schüler auf dem oberhalb der Schule gelegenen Spielplatz eine Eiche. So steht es in der Roßberger Schulchronik des Jahres 1913. Diesen Eintrag nahm der Roßberger Tom Engel zum Anlass, um in die Kirche zu einem geschichtlichen Exkurs einzuladen, der einiges an Roßberger und deutscher Geschichte offenbarte.

„Wahrscheinlich wurde die sogenannte Friedenseiche am 18. Oktober gepflanzt, einem Samstag, schließlich war das damals auch ein Schultag, außerdem wurde an dem Tag im fernen Leipzig das Völkerschlachtdenkmal eingeweiht“, berichtete Engel. Wie kam es überhaupt zum Bau des Völkerschlachtdenkmals? Dieser Frage ging Engel im Detail nach. Es war das Jahr 1812: Napoleon kam von seinem Russlandfeldzug mit einer dezimierten Armee zurück.

In Frankreich rüstete er sich erneut für eine Invasion im Osten und zog Richtung Preußen. Der russische Zar und der preußische König wollten Napoleons Schwäche nutzen und seine Herrschaft beenden. Die ersten Kämpfe mit den Russen und Preußen gewann Napoleon 1813. Die Schlacht um Leipzig begann am 16. Oktober 1813. Insgesamt standen einander dort mehr als eine halbe Million Soldaten aus etlichen Völkern gegenüber. Rund hunderttausend Männer starben in vier Tagen Krieg. Es soll fast ein Jahr gedauert haben, um die Verwundeten zu versorgen, die Toten zu beerdigen und die gröbsten Spuren der Kämpfe zu beseitigen.

Es war das bis dahin größte Gemetzel der Welt, das die politische Landschaft Europas veränderte. Napoleon gelang mit einem Bruchteil seiner Soldaten gerade noch die Flucht Richtung Westen.

Dass auch Roßberger in Leipzig gekämpft hatten, sei nicht unwahrscheinlich, erzählte Engel. Wenn überhaupt, hätten sie auf der Seite Napoleons gestanden, denn Roßberg lag damals im Departement Werra des Königreichs Westphalen, das von Kassel aus durch Jerome Bonaparte, Napoleons Bruder, regiert wurde. Napoleon verlangte aus allen Gebieten, die ihm, seiner Familie oder Frankreich unterstanden oder vertraglich verbunden waren Soldaten. „Die meisten hessischen Soldaten waren wohl ein Jahr zuvor in Russland gefallen, denn von 8000 Männern kamen nur 700 zurück“, so Engel.

Ein Mahnmal für Trauer, Wachsamkeit und Einigkeit

Die Friedenseiche wurde in Deutschland tausendfach aus Anlass des 100. Jahrestages der Völkerschlacht bei Leipzig gepflanzt. Sie sollte zum Erhalt des Friedens mahnen. So wie das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig.

Für dieses gekämpft, hatten begüterte Bürger, die ein Denkmal schaffen wollten, das den Opfern, sprich dem Volk gewidmet war. „Es sollte Trauer, Wachsamkeit und Einigkeit ausdrücken und ein nationalistisches Denkmal werden, nicht für Untertanen des Kaisers, sondern für deutsche Bürger“, erklärte Engel. Weil das dem Kaiser am Hofe in Berlin missfiel, wurde der Bau privat organisiert und finanziert.

Nach nationalen Spendenaktionen und anderen Aufrufen gab es Unterstützung im ganzen Land. Die ersten Sportvereine spielten hier eine enorm wichtige Rolle.

Unterstützer waren zudem Teile des Militärs, Veteranen, Politiker in Städten und Gemeinden, sowie nationalistische politische Vereine. „Es ist denkbar, dass Lehrer Valentin Sußmann in Roßberg persönlich Mitglied war in einem der vielen Vereine zur Errichtung des Völkerschlachtdenkmals und deswegen in Roßberg auf seine Weise mit der Schule mitmachte“, vermutete Engel.

Die Pflanzung war damals nichts Offizielles und Pompöses, wie in vielen anderen Städte oder Dörfern. „Jedenfalls steht fest, dass der Lehrer, Valentin Sußmann ein überzeugter Deutschnationaler war, der es ein Jahr später nicht abwarten konnte, in den Krieg gegen Frankreich zu ziehen“, so Engel. So gesehen sei der Name Friedenseiche vielleicht damals noch nicht ganz angebracht gewesen.

Aber heute, 100 Jahre danach, herrsche wenigstens mit Frankreich wohl endgültig ein denkwürdiger Frieden, sagte der Referent.

von Martina Becker

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