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Südkreis Neues Bauland in Bellnhausen genehmigt
Landkreis Südkreis Neues Bauland in Bellnhausen genehmigt
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00:18 03.09.2018
„Nordöstlich am Hasenpfad“: Innerhalb der gelben Umrandung soll das Baugebiet in Bellnhausen entstehen. Es böte Platz für elf Grundstücke. Quelle: Tobias Hirsch
Fronhausen

„Nordöstlich am Hasenpfad“ heißt das einen Hektar große Baugebiet für den Ortsteil Bellnhausen, das die Gemeinde Fronhausen nun ganz offiziell entwickeln darf. Der Haupt- und Planungsausschuss der Regionalversammlung Mittelhessen, dessen Beschlüsse abschließend sind, gab am Montag grünes Licht für den Antrag der Gemeinde Fronhausen zur Abweichung vom Regionalplan Mittelhessen 2010.

Werner Waßmuth, im Landkreis unter anderem als Fraktionsvorsitzender der CDU im Kreistag bekannt, ist auch Vorsitzender des Haupt- und Planungsausschusses der Regionalversammlung Mittelhessen.
Er sagt: „Der Antrag aus Fronhausen war hinreichend begründet, die Notwendigkeit, dort Bauland über den 2010 festgelegten maximalen Wohnsiedlungsflächenbedarf hinaus zu schaffen, absolut nachzuvollziehen.“
Daher habe es im Ausschuss keine weitere Diskussion darüber gegeben, die Mitglieder entschieden einstimmig positiv.

Elf Bauplätze können dort entstehen. Pro Wohngebäude sollen ein bis zwei Wohneinheiten ermöglicht werden, sagt Fronhausens Bürgermeisterin Claudia Schnabel. Der Gemeinde liegen bereits für alle Baugrundstücke der Antragsfläche geprüfte Bewerbungen vor. Von den 120 Grundstückssuchenden für die Gesamtgemeinde Fronhausen liegen 37 konkrete Anfragen für Bellnhausen vor. 13 von ihnen haben ihren Wohnort bereits in der Gemeinde, elf davon kommen aus Bellnhausen selbst. Es geht also auch darum, Menschen, die bereits in Fronhausen leben, sich dort aber räumlich verändern wollen oder müssen, diesen Raum auch zur Verfügung zu stellen, da sie sonst gezwungen sein werden, für adäquaten Wohnraum ihren Heimatort verlassen zu müssen.

„Das ist zunächst einmal eine gute Nachricht, dass der Haupt- und Planungsausschuss in unserem Sinne entschieden hat“, freut sich Schnabel. Bellnhausen ist schließlich nicht der „zentrale Ort“ der Gemeinde, eigentlich soll ja nur der Kernort Fronhausen über Baugebiete wachsen. Doch dort gibt es derzeit bekanntermaßen kein verfügbares Bauland. Für Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich ein wichtiger Aspekt, dem Abweichungsverfahren zuzustimmen: „Die Kommune begründet die geplante Bereitstellung von elf Bauplätzen am nicht-zentralen Ortsteil Bellnhausen vollständig mit der Eigenentwicklung der ortsansässigen Bevölkerung. Wer eines der Baugrundstücke erwerben wird, steht hingegen noch in den Sternen.

Gemeinde will Vergaberichtlinie aufstellen

„Der Gemeindevorstand wird im September eine Vergaberichtlinie in das Parlament einbringen, die das regeln soll. Sie wird sicher diskutiert werden. Ohne der Diskussion vorgreifen zu wollen, muss aber schon gesagt werden, dass es nach EU-Gesetzgebung nicht so ohne Weiteres möglich ist, die Baugebiete nur an Einheimische zu vergeben“, sagt Schnabel.

So oder so, der Bedarf ist da, es wird ausreichend Abnehmer geben. Die Flächen hat sich die Gemeinde bereits gesichert, die entsprechenden Verträge werden mit Inkraftsetzung des Bebauungsplanes wirksam. Schnabel geht davon aus, dass der Satzungsbeschluss für das Baugebiet in den nächsten Monaten gefasst wird.

Bevölkerung in Fronhausen nimmt deutlich zu statt ab

 „Dann könnten die Erschließungsarbeiten Anfang nächsten Jahres starten, sofern sich entsprechende Fachfirmen für diese Zeit finden lassen“, sagt die Bürgermeisterin. Im Zuge des demografischen Wandels ging das Regierungspräsidium Gießen 2010 von einem massiven Bevölkerungsrückgang in Fronhausen aus. 2020 sollten in Fronhausen inklusive seiner Ortsteile nur noch 3.800 Menschen leben. 2014 waren es aber schon 4.214 und 2017 waren 4.403 Menschen mit Erstwohnsitz in Fronhausen gemeldet.

Das nun umzusetzende Wohngebiet in Bellnhausen wird nicht maßgeblich näher an die Bundesstraße 3 heranrücken als die bereits bestehenden Wohnbaugrundstücke in diesem Bereich. Für diese wurde bereits im Zuge der Planfeststellung zur B 3 der Lärmschutz entsprechend berücksichtigt, heißt es von Seiten des Regierungspräsidiums in Gießen.

von Götz Schaub