Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -2 ° wolkig

Navigation:
Düstere Prognosen für Windenergie

Windpark Ebsdorfergrund Düstere Prognosen für Windenergie

Der geplante Windpark 
in Ebsdorfergund erregt Aufmerksamkeit – das wurde bei einem Infor­mationsabend der Bürgerinitiative „Wald ohne Windkraft“ deutlich.

Voriger Artikel
Neuer Wagen für eine starke Truppe
Nächster Artikel
Raumstation vor dem Mond "erwischt"

Viele Zuhörer folgten der Einladung des Vereins „Wald ohne Windkraft“ rund um den Vorsitzenden Klaus Neebe (vorne rechts) in das Bürgerzentrum Dreihausen.

Quelle: Ina Tannert

Dreihausen. Zum Infoabend eingeladen hatte am vergangenen Mittwoch „Wald ohne Windkraft“, mittlerweile ein eingetragener Verein, der dem Thema Windpark in Ebsdorfergrund vor großem Publikum neuen Schwung verleihen will.

Vorsitzender Klaus Neebe erinnerte an die vergangenen Monate und den Widerstand der Bürgerinitiative (BI) gegen das Windparkprojekt auf dem Höhenzug zwischen Wermertshausen und dem Leidenhöfer Kopf.

Dagegen rege sich Widerstand in der Kommune, Neebe spricht von „heftigen Auseinandersetzungen“ mit politischen Vertretern und Planern. Das Projekt nennt er eine schädliche „Riesengeldvernichtungsmaschine“.

Daran knüpft auch der Gastredner des Abends, Referent Andreas Knoll vom Vorstand des Landesverbands „Vernunftkraft“ und Techniker in der Automobilbranche, an. Knapp zwei Stunden argumentiert er ausgiebig gegen den geplanten Windpark, wettert gegen die Windkraft generell. Die hält er für sinnlos, für unzuverlässig, schädlich für die Umwelt, für Mensch und Tier, für die Grundstückswerte.

Refernt zeichnet ein düsteres Zukunftsbild

Knoll legt eine ganze Reihe an Zahlen und Diagrammen vor, hat Video- und Audio-Aufzeichnungen von Windrädern dabei, die er einer aufmerksamen Zuhörerschaft präsentiert. Darin zu sehen und zu hören sind Mitschnitte von Schlagschatten und Rauschen eines Windrades, auch wenn das in der Präsentation nicht zu sehen ist. Das erzeugt protestierendes Gemurmel im Saal, Kopfschütteln hier und da. Auch mehrere Fotos von toten Fledermäusen und Raubvögeln zeigen Wirkung und erzeugen ebenso Schrecken im Publikum.

Der Referent zeichnet ein düsteres Zukunftsbild der Windenergie, verhöhnt Prognosen von Forschern und Politik, stellt verbreitete Stromeinspeisungen, Renditen und Messergebnisse infrage. Er selber prophezeit einen Niedergang der Wohnqualität, die Überschreitung der gesetzlichen Lärm-Grenzwerte, künftige Beschwerden durch Infraschall, „durch Lärm, den man fühlt“, betont Knoll.

Mit Behörden und Projektierern geht er hart ins Gericht, vermutet Bauernfängerei, spricht von Lug und Trug der Planer, einer gezielten Manipulation von Informationen, Gutachten oder Fotomontagen. Da gebe es „viele Tricks“, an den wahren Fakten werde von Verantwortlichen herumgedoktert, sagt er. Zahlen werden „getürkt“, Gutachten verschönt. „Recht und Gesetz schützt sie nicht“, mahnt er an.

Seinen kritischen Vortrag würzt er mit ironischen Einwürfen, höhnt über zuletzt geplatzte Windkraft-Projekte oder zitiert Grünen-Politiker, an deren Namen er sich nicht mehr erinnert. Das sorgt für manch zustimmenden Lacher im Raum, er scheint die vorherrschende Stimmung zu treffen.

Andreas Knoll spricht von „Energie-Absurdistan“

Nach einer ganzen Reihe an düsteren Prognosen kommt Knoll zum Klimawandel. Dem sei laut seiner Kosten-Nutzen-Rechnung nicht durch Windkraft zu begegnen, im Gegenteil. In der seiner Meinung nach verschwindend geringen Energieerzeugung des „unnützen Zappelstroms“ sieht er einen herben finanziellen Verlust und die Gefahr von „Energiearmut“.

Das untermauert er mit aktuellen Börsen- und Verbrauchsstatistiken. Laut diesem „Energie-Absurdistan“ ließen sich viele Millionen Euro einsparen, wenn denn sämtliche Windkraftanlagen in Hessen sofort abgeschaltet würden, so Knoll.

Die Energiewende hält er generell für viel zu teuer. Durch Windkraft könnten sich die CO2-Werte auch gar nicht senken lassen, meint er und führt an: die Verbreitung von Windrädern trüge sogar zu einem vermehrten CO2-Ausstoß bei.

In der Windenergie sieht er keinen Ausweg für den Klimawandel. Auch nicht so recht in der Solarenergie, zumindest nicht im großen Stil. Sei überhaupt ein Ausstieg aus dem schmutzigen Kohlestrom denkbar? Mittelfristig eher nicht – er prophezeit: „Die Kohlekraftwerke können wir nicht ausschalten“, so Knoll.

Er fordert: Die staatliche Förderung für die Windkraft komplett einzustellen, das Geld mit einem dicken Bonus lieber in die Forschung zu stecken, „um Ideen zu entwickeln, die auch funktionieren“.

Knoll warnt vor Windparks und ruft zum Protest auf

Alternativ könne man schon auf Sonnenkraftwerke setzen, jedoch nur dort, wo auch die Sonne scheint, etwa in Südeuropa oder Afrika. Er warnt vor weiteren Windparks, ruft zum Protest auf, „wehret den Anfängen“, gibt er seinen Zuhörern mit auf den Weg.

Auch Gastgeber Klaus Neebe ruft dazu auf, die aktuelle Windparkplanung in der Gemeinde zu hinterfragen. Die vorherrschende Meinung im Saal und des Referenten hinterfragt indes niemand – die im Anschluss geplante Diskussionsrunde erhält kaum Resonanz.

Eine Handvoll Zuhörer äußern noch ihre Zustimmung über das Gehörte. Die Stille überraschte selbst Neebe, „alle scheinen wohl schon voll überzeugt“, schätzt er. Ihre künftige Arbeit sieht die BI darin, das aktuelle Planungsgebiet im Auge zu behalten, so der Vorsitzende.

Man wolle demnächst selbst nach dort beheimateten Tieren suchen oder eigene Gutachten erstellen. Das Ziel: eine „spürbare Änderung an den Plänen der Windkraftanlagen“.

Die Gemeinde plant indes, ein Windkraftforum aufzubauen und alle Beteiligten zum Dialog an einen Tisch zu bringen: Behörden, Vertreter der Landes- und Kommunalpolitik, Energieexperten, Projektierer, BI, Waldinteressenten und Bürger. Ein Treffen soll im März stattfinden.

von Ina Tannert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr