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Südkreis Paleshof-Besitzer erneut vor Gericht
Landkreis Südkreis Paleshof-Besitzer erneut vor Gericht
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12:02 31.05.2018
Der ehemalige Besitzer des Paleshofes in Oberweimar steht in Fulda vor Gericht. „Meine Feinde sind zahlreich und mächtig“, sagte der mittlerweile 71-Jährige. Quelle: Sebastian Kircher
Fulda

„Meine Feinde sind zahlreich und mächtig“, sagte der Landwirt in Fulda. Er führt eine „Liste von Abgängern“, mehr als 200 Personen, an denen er sich mutmaßlich rächen will. Dies berichtet die Fuldaer Zeitung.

Der 71-Jährige macht sie dafür verantwortlich, sein Lebenswerk zerstört zu haben. Das Landgericht Fulda muss entscheiden, ob er dauerhaft in eine Psychiatrie eingewiesen werden muss.

Sein Lebenswerk, das war bis vor wenigen Jahren der Paleshof in Oberweimar. Der Mann hatte schon früh die elterliche Landwirtschaft übernommen, und das durchaus mit Erfolg: Den Grundbesitz hatte er von 12 auf fast 350 Hektar ausgebaut.

„Ich war der größte Privatbauer in Hessen. Mein Ackerland reichte vom Vogelsberg im Osten bis Herborn im Westen“, erklärte­ der 71-Jährige vor dem Fuldaer Landgericht. Anfang der 90er-Jahre stieg er zudem ins Baugeschäft ein, errichtete insgesamt 74 Sozialwohnungen.

Landwirt wollte Anwesen sprengen

Ab 2003 blieben die Mieteinnahmen jedoch aus. Der Landwirt konnte seine Darlehen nicht mehr bedienen, geriet in finanzielle Schwierigkeiten. Nach und nach mussten seine Besitztümer zwangsversteigert werden.

In dieser Zeit sei es auch das erste Mal gewesen, dass die Polizei auf den Oberweimarer aufmerksam geworden sei, sagte Richter Dr. Jörg Weddig: Der Mann habe Sparkassenvorstände und Aufsichtsratsmitglieder in deren Büros und privat aufgesucht und bedroht.

Als im März 2011 der Bauernhof versteigert werden sollte, fasste der Landwirt den Plan, das Anwesen in die Luft zu sprengen. Dazu bohrte er ein Loch in die Gasleitung.

Der Gasgeruch fiel auf, bevor etwas passieren konnte, aber Feuerwehr und Sondereinsatzkommandos waren stundenlang in Oberweimar beschäftigt. Das Dorf musste zum Teil evakuiert werden. Das Landgericht Marburg hatte den Mann im September 2011 wegen versuchten Mordes zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt.

Mann lebt in eigener Realität

Die Strafe saß er auch ab, zuletzt in der Justizvollzugsanstalt Hünfeld im Landkreis Fulda. In einer Stellungnahme des Gefängnisses heißt es, dass der 71- Jährige in der Haft „seine eigene Realität“ und „Verschwörungstheorien“ entwickelt habe.­

Er sei keiner Arbeit nachgegangen, habe sich nicht mit Mithäftlingen ausgetauscht und keine Besuche empfangen. „Er hat das Urteil nie angenommen, fühlt sich zu Unrecht verurteilt. Ständig hat er vom ‚Marburger Komplott‘ gesprochen.

Eine Zusammenarbeit mit ihm war nicht möglich“, erläuterte ein Mitarbeiter der JVA, der als Zeuge­ aussagte. Die Behörden befürchteten, dass er nach seiner Entlassung auf einen Rachefeldzug gehen könnte. Mit einer elektronischen Fußfessel sollte­ deshalb verhindert werden, dass der 71-Jährige ins Marburger Land reist.

Bei seiner Entlassung im September 2016 weigerte er sich jedoch dagegen – und wurde prompt erneut verhaftet. Die Strafe von acht Monaten saß er in der JVA Fulda ab. Auch von dort berichtete ein Mitarbeiter, dass der Oberweimarer sehr zurückgezogen gelebt und alles abgelehnt habe, was man ihm angeboten habe.

„Die Sache Paleshof war für ihn nicht abgeschlossen“, sagte der JVA-Angestellte. Als im Mai 2017 die Freiheitsstrafe endete und die Fußfessel angelegt werden sollte, weigerte er sich erneut. Wieder folgte eine Festnahme.

In der Haft niemanden bedroht

Seit Oktober 2017 ist der 71-Jährige in der psychiatrischen Klinik in Haina untergebracht. Dort soll er nach Ansicht von Staatsanwalt Andreas Hellmich auch dauerhaft bleiben. Hellmich erklärte, der Landwirt leide an einer „wahnhaften Störung“, durch die seine Einsichts- und Schuldfähigkeit beeinträchtigt sei.

Sollte der Mann freikommen, „sind weitere Straftaten zu erwarten. Er ist gefährlich für die Allgemeinheit“, so der Staatsanwalt. Der Oberweimarer selbst sagt, er wolle nach seiner Freilassung Deutschland den Rücken kehren, um neue Projekte zu verfolgen – etwa den Bau einer Biogasanlage auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks Tschernobyl.

Unklar ist, wie gefährlich der Angeklagte ist. Zeugen, wie die JVA-Mitarbeiter und ein Bewährungshelfer, sagten zwar, dass der Oberweimarer durchaus aufbrausend und laut werden könne. Bedroht habe er in seiner Haftzeit jedoch nie jemanden, auch sei er nie handgreiflich geworden.

Der Psychiater­ Dr. Rainer Hoffmann (Fulda) ­bescheinigte in seinem Gutachten zudem, von dem 71-Jährigen gehe nur geringe Gefahr aus. Er leide zwar an einer ­„paranoiden Persönlichkeitsstörung“, eine „wahnhafte Störung“ liege aber nicht vor.

Allerdings sollen heute zwei weitere psychologische Gutachten vorgestellt werden. Zudem sollen die Plädoyers gehalten werden. Ein Urteil könnte dann nächste Woche gefällt werden.

von Sebastian Kircher