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Südkreis Polizist soll Frau niedergestreckt haben
Landkreis Südkreis Polizist soll Frau niedergestreckt haben
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18:00 09.02.2019
Während eines Verfahrens gegen einen 20-Jährigen, berichten Polizeibeamte von übertriebener Härte eines Kollegen gegen die Schwester des Angeklagten. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Am Montag wurde am Amtsgericht das Verfahren gegen einen 20-Jährigen eröffnet, dem unter anderem Drogenbesitz, versuchte Körperverletzung und Beleidigung vorgeworfen wird. Der junge Mann aus Marburg soll im Mai 2018 auf einem Oldie-Abend in Leidenhofen einen Polizeibeamten angegriffen und sich der Festnahme widersetzt haben.

Dabei habe er den Polizisten beschimpft und versucht, diesen zu schlagen, heißt es in der Anklageschrift. Nachdem die Festnahme mit Pfefferspray doch noch erfolgte, wurden bei dem 20-Jährigen Amphetamine, Ecstasy, Cannabis und Kokain sichergestellt.

Letzteres bestreitet der Angeklagte jedoch: Er habe gar nicht das Geld für die beschriebene Menge Kokain. Auch die versuchte Körperverletzung und die Beleidigung leugnete er. Er habe lediglich zu seiner Schwester eilen wollen, die bewusstlos am Boden gelegen ­habe.

Dies bestätigen auch die Aussagen der vernommenen Polizeibeamten: Nachdem die 19-Jährige einen Polizisten ­geschlagen hatte, habe dieser ihr einen Faustschlag ins Gesicht verpasst, der sie zu Boden streckte.

Kollege: "Ich hätte es nicht gemacht"

Was danach genau passierte,­ bleibt zunächst unklar. Einer der Polizeibeamten sagte am Montag aus, der Angeklagte sei losgestürmt, um zu seiner Schwester zu gelangen, woran er ihn jedoch gehindert und zu Boden gebracht habe. Er habe nicht genau sehen können, was dann passiert sei.

Der Kollege, der zuvor schon die Schwester niedergeschlagen hatte, ­habe dann Pfefferspray gegen den 20-Jährigen eingesetzt. ­Eine überzogene Reaktion, wie sein Kollege findet: „Ich hätte es nicht gemacht“, räumte­ der 48-Jährige ein, nachdem er zuvor schon Schläge des Angeklagten für „unwahrscheinlich“ erklärt hatte.

Richter Dirk-Uwe Schauß ­äußerte sich verblüfft über die Aussagen des Polizeibeamten. Sein Kollege, der das Pfefferspray eingesetzt hatte, fehlte am Montag im Gerichtssaal – er hatte sich am Freitag krankgemeldet. Er soll nun an einem Fortsetzungstermin gehört werden. Dieser findet am 19. Februar um 13 Uhr in Saal 159 des Amtsgerichts statt.

von Melchior Bonacker