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Noch sind Container "kein Thema"

Asylbewerber im Landkreis Noch sind Container "kein Thema"

Die Flüchtlingsheime sind voll. Mit Hochdruck sucht der Landkreis nach zusätzlichen Möglichkeiten zur Unterbringung, denn jede Woche erreichen 20 neue Asylbewerber den Kreis.

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480 Flüchtlinge wohnen im Moment im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Es fehlt an zusätzlichen Plätzen, denn jede Woche kommen derzeit 20 weitere Asylbewerber hinzu.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. „Wir haben im Moment keine Kapazitäten mehr und sind auf der Suche nach geeigneten Gebäuden“, sagte Kreis-Pressesprecher Dr. Markus Morr. Zudem hat der Landkreis eine Anfrage an die Stadt Marburg gestellt, die derzeit 20 Flüchtlinge untergebracht hat. „Wir haben derzeit keinen Mangel an Plätzen, sind aber auf der Suche nach zusätzlichen Möglichkeiten“, sagte Ralf Laumer, Marburgs Pressesprecher.

Dass es jetzt zu einer Knappheit von Plätzen kommt, ist für Timmo Scherenberg, Geschäftsführer des Hessischen Flüchtlingsrats, nicht überraschend. „In ganz Deutschland stöhnen die Behörden im Moment über die hohen Flüchtlingszahlen, die sich in den vergangenen fünf Jahren fast verdreifacht hat.“ Dabei werde aber vergessen, dass sich die Zahl nach den Höchstständen in den 90er Jahren ab der Jahrtausendwende drastisch reduziert habe. Zum Vergleich: 1996 stellten 490000 Menschen in Deutschland einen Asylantrag. 2008 waren es 28.000. „Die Landkreise und Kommunen haben Kapazitäten abgebaut, um Kosten zu sparen und jetzt das Problem, wieder auf Kapazitäten zugreifen zu können“, sagte Scherenberg. Auch im Landkreis Marburg-Biedenkopf konnten in den 90er Jahren deutlich mehr - nämlich 2500 bis 3000 - Asylbewerber untergebracht werden.

Integration statt Aufbewahrung

Darüber hinaus kritisierte der Geschäftsführer des Hessischen Flüchtlingsrats, dass in der Phase, wo weniger Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, die zuständigen Behörden zu wenig Anstrengungen für eine grundsätzliche Verbesserung der Situation von Asylbewerbern unternommen hätten. „Wir hatten gehofft, dass die Landkreise und Kommunen dies als Möglichkeit nutzen, sich Gedanken über eine gute Unterbringung zu machen - mit einer Integration vom ersten Moment an statt bloßer Aufbewahrung, wie es in vielen Orten in Hessen der Fall ist.“

Dennoch erkennt Scherenberg an, dass die öffentliche Hand derzeit alles unternehme, um Engpässe bei der Unterbringung zu beseitigen. „Die Probleme sind hausgemacht, aber im Moment wird mit Hochdruck an einer Veränderung gearbeitet und auch eine bessere Arbeit in Hessen als in anderen Bundesländern geleistet.“

Der Druck steige, beurteilte Julia Störmer von der Flüchtlingsberatung des Diakonischen Werks in Marburg die Situation im Landkreis. „Es ist kein neues Problem, dass wir hier im Kreis mehr Kapazitäten brauchen“, sagte Störmer. Etwa 20 zusätzliche Flüchtlinge müssen im Moment wöchentlich im Landkreis untergebracht werden und die Behörden rechnen mit noch stärker steigenden Asylbewerberzahlen. „Dass Handlungsbedarf besteht, ist mehr als deutlich. Denn Notzelte sind keine Lösung“, sagte Störmer.

Mehrere „interessante Angebote“ liegen dem Landkreis derzeit vor und sind in der Prüfung, wie Pressesprecher Morr sagte. Bezugsfertig seien sie jedoch noch nicht sofort, da zunächst Umbauten vorgenommen werden müssten. Bereits vor einigen Wochen hatte die Behörde begonnen, mit Anzeigen passende Gebäude zu finden. „Notunterkünfte in Containern oder Zelten sind derzeit kein Thema für uns“, so Landrat Robert Fischbach (CDU).

von Andreas Arlt

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