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Südkreis Neues Zuhause für die „Wasserpolizei“
Landkreis Südkreis Neues Zuhause für die „Wasserpolizei“
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16:01 23.08.2012
Keine Angst, der beißt nicht – die Kinder der Regenbogenschule untersuchen einen großen Edelkrebs, der etwa fünf Jahre alt ist. Züchter Werner Jung zeigt den Schülern, wie man den Flusskrebs auf die Hand nimmt, ohne ihn zu verletzen.Fotos: Michael Agrico
Roßberg

„Astacus astacus“ - so lautet der lateinische Name der heimischen Edelkrebse, die bis vor 150 Jahren als Delikatesse in ganz Mitteleuropa beliebt waren. Im Jahr 1860 jedoch fielen diese Flusskrebse der so genannten „Krebspest“ (dem Fadenpilz „Aphanomyces astaci“) zum Opfer und ihre Zahl verkleinerte sich rapide. Auch heute ist diese Krankheit die größte Gefahr für die heimischen Krebse, während die Überträger, aus Amerika stammende Krebsarten, gegen den Pilz weitgehend unempfindlich sind.

Den Edelkrebsen im „Grund“ wieder eine Chance geben - das war das Ziel des Gewässer-Pächters Dr. Uwe Koop, der die Idee für das Wiederansiedelungsprojekt hatte. Nach der Rekultivierung eines an die Zwester Ohm angeschlossenen Teiches beim Jugendwaldheim Roßberg soll das Gewässer nun eine neue Heimat für mehr als hundert der bedrohten Edelkrebse werden. Hier, auf dem Pachtgelände, wurde am Mittwoch mit der Besiedlung des Teiches begonnen. Koop zufolge ist das Gelände ideal - die Zwester Ohm trocknet ganzjährig nicht aus. Das Bachbett bietet perfekte Voraussetzungen für die Flusskrebse, die dort ihre Wohnröhren anlegen können.

Bei dem Wiederansiedlungsprojekt kommen mehrere geplante Aktionen zusammen. Dr. Uwe Koop hatte seit längerem Pläne zur Entschlammung und Nutzung des Teiches. Das Ausbaggern des Teiches sowie einer Umleitungsrinne für die Zwester Ohm, die zuvor direkt durch den Teich floss, ist eine Ausgleichsmaßnahme für Neubau des Dreihäuser Rewe-Marktes, die Rewe-Betreiber Bruno Naumann gerne unterstützte.

Beide Projekte sind zudem ein Schritt zu einer hindernisfreien Zwester Ohm, in der die Wanderung von Fischen nicht beeinträchtigt wird. Diese Durchlässigkeit von Wasserläufen fordert eine EU-Richtlinie von den Kommunen. Dank der Umleitung der Zwester Ohm ist der Teich nun ein „Nebenschluss“, der Wasseraustausch mit dem Bach regelbar.

Pächter Dr. Koop erhofft sich von der Aktion insbesondere biologisch nachhaltige Ergebnisse. Dass sich dadurch auch noch ein gutes Ansiedlungsgebiet ergibt, ist ein Glücksfall für die gefährdeten Flusskrebse.

Die jetzt ausgesetzten Krebse stammen aus der Lumda. Züchter Werner Jung, der die Tiere zur Verfügung stellte, beschäftigt sich bereits seit 1990 mit den Edelkrebsen. Sie können bis zu 20 Jahre alt und 20 Zentimeter groß werden.

Neu und spannend: Natur zum Anfassen und Erleben

Jung nennt seine Krebse die „Wasserpolizei“, den „Saubermacher“ des Teiches, da sie sich unter anderem von Pflanzen und totem organischem Material ernähren. So halten sie das Gewässer sauber. Trotz allem fehlt es „Astacus astacus“ nicht an Feinden - einer davon ist der amerikanische Flusskrebs. Selbst gegen die Krebspest immun, kann die eingeschleppte Krebsart den Pilz aber auf heimische Bestände übertragen. Die amerikanischen Krebse sterben nicht daran - ihre in Deutschland heimischen Verwandten jedoch schon.

Tatkräftige Unterstützung erhielten Koop und Jung von den Kindern der Klasse 1/2 der Regenbogenschule Ebsdorf-Leidenhofen. Die Grundschüler durften die Flusskrebse untersuchen und auf die Hand nehmen, bevor die Tiere von Werner Jung und Uwe Koop fachkundig in ihre neue Heimat entlassen wurden. Sabine Oestreich, Pädagogische Mitarbeiterin am Jugendwaldheim, freute sich über die Gelegenheit, den Kindern die Natur anhand eines außergewöhnlichen Beispiels näher bringen zu können. Die Projektwoche zum Thema „Wasser“ sei für viele eine neue Erfahrung, weil Kinder heute höchstens in einem Verein aktiv sind, meist aber viel Zeit vor dem Fernseher oder Computer verbringen, anstatt im Freien zu spielen. Die Flusskrebsaktion sei dagegen neu und spannend. Sabine Oestreich nennt das „Natur zum Anfassen und Erleben“.

Werner Jung stellte für die erste Ansiedlung 110 Edelkrebse zur Verfügung. Jetzt wollen die Organisatoren des Projektes erst einmal beobachten, wie sich die Krebspopulation in Teich und Bach entwickelt. Spätestens in einem Jahr geht es weiter - dann sollen, laut Sabine Oestreich, die Kinder zurückkommen, um zu sehen, was aus „ihren“ Krebsen geworden ist.

von Lennart Reuschling

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