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Rund 900 Hektar Land neu geordnet

Flurbereinigung entlang Neubaustrecke Rund 900 Hektar Land neu geordnet

Burkhard Frös hat sein halbes Arbeitsleben damit verbracht, die Wunde zu schließen, die der Bau der Bundesstraße der Landschaft zugefügt hat. Jetzt ist er damit fertig.

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Um die Landschaft aufzuwerten, wurden rund um die Fronhäuser Ortsteile auch Streuobstwiesen angelegt.

Quelle: Privatfoto

Sichertshausen. Im Dezember 1994 wurde die Bundesstraße 3 zwischen Marburg und Gießen für den Verkehr freigegeben. Der Bau der Straße hat eine breite Schneise in die Landschaft geschlagen. Die Agrarstruktur wurde zerstört. Fast ein Vierteljahrhundert lang waren Anwohner und Ämter damit beschäftigt, das Land neu zu gestalten.

In den betroffenen Fronhäuser Ortsteilen ist das Projekt jetzt abgeschlossen. Knapp 900 Hektar Land waren von den Arbeiten betroffen. Um die Wunde zu kurieren, die der Straßenbau in die Landschaft schlug, hatten Bürger in Sichertshausen und Bellnhausen Teilnehmergemeinschaften gegründet.

Diese Gemeinschaften haben in jahrelanger Arbeit gemeinsam mit dem Amt für Bodenmanagement (AfB) die Region neu geplant. Ziel bei diesem sogenannten Flurbereinigungsverfahren war es, den durch den Straßenbau entstandenen Landverlust „sozialverträglich auf viele Schultern zu verteilen“, sagte Burkhard Frös vom AfB, der das Projekt lange Jahre leitete. Diejenigen Landeigner, die ein Stück für die Straße hergeben mussten, bekamen es anderswo zurück.

Frös musste auch mit den Anwohnern und vielen anderen Helfern das Wege- und Gewässernetz neu konzipieren, weil es durch die Bundesstraße zerschnitten worden war. Grundstücke und Äcker mussten neu geformt, Straßen und Wege ausgebaut werden, damit moderne Maschinen sie nutzen können und Landbewirtschaftung nach heutigen Maßstäben rentabel betrieben werden kann. Auch die Eingriffe des Straßenbaus in den Naturhaushalt sollten mit dem Flurbereinigungsprogramm ausgeglichen werden.

Auch die Gemeinde gestaltete eifrig mit

Und weil man schon einmal dabei war, die ganze Landschaft neu zu formen, hat auch die Gemeinde Fronhausen einige Vorhaben zur Gestaltung der Land- und Ortschaften umgesetzt. Da wäre zum Beispiel der Dorfmittelpunkt in Sichertshausen, wo der Kastanienplatz bernsteinfarben gepflastert wurde.

Zudem wurde die Hauptstraße zwischen Backhaus und Sirenenplatz erneuert; die Gehwege wurden gepflastert, die Fahrbahn auf 4,5 Meter Breite ausgebaut und rund 30 Zentimeter tiefer gelegt. Das soll verhindern, dass die Keller der Anlieger bei starkem Regen überflutet werden.

Die Teilnehmergemeinschaft Bellnhausen hat in Zusammenarbeit mit den drei Jagdgenossenschaften von Fronhausen, Bellnhausen und Hassenhausen drei asphaltierte Wirtschaftswege von Grund auf erneuert: einen in Fronhausen zwischen Bahnlinie und Lahn, einen in Bellnhausen in der Feldlage „Auf dem Kies“ und schließlich Teile des Bachwiesentalwegs in Hassenhausen.

Insgesamt sind in Bellnhausen und Hassenhausen rund drei Kilometer ­Asphaltwege entstanden, dazu­ noch 3,3 Kilometer wassergebundene und drei Kilometer unbefestigte Wirtschaftswege. Im Wegenetz von Sichertshausen wurden rund 1,3 Kilometer Asphaltwege erneuert und zirka 2,8 Kilometer wassergebundene Wege auf alter Trasse neu gebaut oder instand gesetzt.

Besonders stolz sind die ­Sichertshäuser darauf, dass ihre Lahnbrücke auf Vordermann gebracht worden ist. Diese Brücke ist fast 100 Jahre alt und steht unter Denkmalschutz. Sie ist die wichtigste landwirtschaftliche Verbindung zwischen Fronhausen und den östlich der Lahn gelegenen Ortsteilen. Gleichzeitig ist sie auch Teil des überregionalen Lahntalradweges.

Dieser Schatz wurde saniert und modernisiert. Die Fahrbahn wurde auf 3,8 Meter Breite erweitert und ein Fußgängerbereich eingerichtet. Zudem wurde ihre Tragkraft erhöht – bis zu 30 Tonnen schwere Fahrzeuge dürfen die Brücke nun passieren. Kostenpunkt der Modernisierung: 800 000 Euro.

Auch der Natur musste er Gutes tun

In Bellnhausen wurde bei zwei kleineren Brücken über die Zwester Ohm ebenfalls die Fahrbahn verbreitert und die Tragkraft erhöht: Die Köbergsbrücke und die Rackebachbrücke erschließen gemeinsam den gesamten Feld- und Waldbereich nördlich der Zwester Ohm.

Über die Köbergsbrücke führt zudem die Hauptzufahrtsstraße zum Sportplatz der Spielgemeinschaft Bellnhausen-Hassenhausen und zu den Wohnhäusern, die an der Straße „Zum Köberg“ stehen.

Projektleiter Burkhard Frös hatte aber nicht nur an die Belange der Menschen rund um die B 3 zu denken. Auch der Natur musste er Gutes tun. So wurden kilometerlang neue Uferstreifen an Lahn, Zwester Ohm, Mühlgraben der Zwester Ohm, Tiefenbach und Goldbach ausgewiesen. Das soll einerseits dem Gewässerschutz dienen, andererseits der Entwicklung der Gewässer sowie ihrer Ufer- und Auenbereiche.

Es wurden Biotope angelegt, in denen nun Streuobsthaine, Hecken, Feldgehölze, Gras- und Krautstreifen wachsen. Sie stellen laut Amt für Bodenmanagement „wichtige Bausteine im Biotopenverbund dar, bilden und vernetzen Lebensräume für Flora und Fauna und werten für den Menschen das Natur- und Landschaftserleben auf“.

Projekt feierlich
 abgeschlossen

Die Vorstandsmitglieder der Teilnehmergemeinschaften trafen sich nun in Sichertshausen mit den Beteiligten vom AfB und Fronhausens Bürgermeisterin Claudia Schnabel, um noch einmal über die Jahre der Arbeit zu sprechen und das Projekt feierlich zu beenden.

Für Burkhard Frös „schließt sich ein Kreis“, wie er sagt. Er habe sein halbes Arbeitsleben daran gearbeitet. Die Leiterin des hessischen Amts für Bodenmanagement in Marburg, Stefanie Flecke, dankte dem Vorstand der Teilnehmergemeinschaften für ihre Arbeit.

Es seien viele gute Dinge entstanden. „Das funktioniert nur, wenn alle gut zusammenarbeiten.“ Ernst Breitstadt ist Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft Bellnhausen und Landwirt. Er sei damals skeptisch gewesen, sagt er.

Er habe bezweifelt, dass ein so großes Gebiet so umfassend neu geplant werden könne. Schließlich sollte die Flurbereinigung viele unterschiedliche Interessen übereinander bringen. „Aber wir haben es auf harmonische Weise gut hinbekommen“, so sein Fazit.

von Dominic Heitz

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