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Südkreis Nach 435 Jahren endet gemeinsamer Weg
Landkreis Südkreis Nach 435 Jahren endet gemeinsamer Weg
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17:59 13.04.2012
Schauen mit lachendem und weinendem Auge in die Zukunft: Wermertshausens Ortsvorsteher Friedhelm Maikranz (links) mit Mitgliedern des Kirchenvorstands aus dem bisherigen gemeinsamen Kirchspiel mit Nordeck und Winnen, der Winnener Pfarrerin Judith Asmus (3
Wermertshausen

Seit dem 1. Januar gehört die Kirchengemeinde des Ebsdorfergrund-Dorfes Wermertshausen nicht mehr zum gemeinsamen Kirchspiel mit Nordeck und Winnen im Nachbarkreis Gießen. Die drei Wermertshäuser Konfirmanden sind an diesem Sonntag (vorerst) die letzten, die gemeinsam mit Jugendlichen aus Nordeck und Winnen den Eintritt ins kirchliche Erwachsenenleben feiern können.

Künftig gehört Wermertshausen zur evangelischen Kirchengemeinde Dreihausen-Heskem, zu der außerdem Mölln und Roßberg zählen. Das hat Vor- und Nachteile für alle Beteiligten. Das Kirchspiel Nordeck und Winnen schrumpft um gut 300 Mitglieder auf etwa 770 und verliert damit auch Geld und eine Viertel-Pfarrstelle. Ob das kleinere Kirchspiel auf Dauer eigenständig bleibt, ist offen.

Die Dreihäuser Gemeinde mit ihren etwa 1600 Gemeindegliedern wurde zum Jahreswechsel zugleich entsprechend größer. Sie erhält dadurch höhere Zuweisungen, musste aber auch Verbindlichkeiten übernehmen, die noch aus der Kirchensanierung in Wermertshausen in den Büchern stehen. Diese wollten Nordeck und Winnen logischerweise nicht weiter zahlen.

In der neuen Ausrichtung nach Dreihausen müssen alle Seiten Kompromisse machen. Denn in den fünf Orten gibt es vier Predigtstellen, die bedient werden wollen. Nur Mölln verfügt nicht über eine eigene Kirche. Für Wermertshausen bedeutet das, dass Gottesdienste nicht mehr alle zwei Wochen, sondern zweimal im Monat stattfinden. Das klingt zwar ähnlich, ist aber eine leichte „Verschlechterung“. Auch die Terminplanung an sich muss sich zwischen den Partnern erst noch einspielen. So will der Kirchenchor weiterhin gemeinsam mit Winnen auftreten. In den ersten Monaten gab das schon mal Verdruss, weil sich Termine überschnitten.

Man wurde nicht gefragt, schaut jetzt aber nach vorn

Trotzdem: Nachkarten will in Wermertshausen und auch in Winnen und Nordeck niemand - auch wenn es im Kirchspiel nie den Wunsch zu wechseln gegeben habe. „Da wurden wir nicht gefragt“, sagt Ortsvorsteher Friedhelm Maikranz. Die Entscheidung sei an anderer Stelle getroffen worden, betont auch Winnens Pfarrerin Judith Asmus. Ein Protestbrief war letztlich auch vergeblich.

Doch das ist Vergangenheit. Man verliere sich deshalb nicht aus den Augen, versprechen sich Wermertshäuser und ihre langjährigen Partner aus dem Nachbarkreis, dazu gibt es zu viele Bindungen. Und für die Jüngeren oder die Eltern der Konfirmanden, bietet die Ausrichtung gen Dreihausen durchaus Vorteile, sagt Maikranz. Die Busverbindung sei besser, die Wege kürzer. Die Kinder kennen sich zudem schon aus den Schulen.

Aber gerade das ist etwas, was Maikranz zugleich auch etwas bedauert. Bisher hätten sich die jungen Wermertshäuser gerade durch ihre Konfirmandenzeit auch einen Bekanntenkreis außerhalb des Klassenraums aufgebaut. Wie stark diese Bindungen sind, zeigt sich bis heute. Und diese, so ist man sich einig, enden auch nicht mit dem letzten „gemeinsamen Akt“, der Konfirmation am Sonntag.

Hintergrund

Wermertshausen gehörte bis ins 16. Jahrhundert kirchlich zu Ebsdorf. 1577 wurde es in das lutherische Kirchspiel Winnen eingepfarrt, das bis zum jüngsten Jahreswechsel Bestand hatte. Vor dem Bau der Kirche im Jahr 1755 mussten die Kirchgänger den Fußweg nach Winnen antreten. Auch ihre Toten bestatteten die Wermertshäuser noch bis 1779 im Nachbarort. Politisch gehörten die Gemeinden früher ebenfalls enger zusammen. Nordeck und Winnen gehörten bis zur Gebietsreform 1974 wie Wermertshausen zum Kreis Marburg.

von Michael Agricola

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