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Mutmaßlicher Dealer kommt nicht zur Urteilsverkündung

Aus dem Gericht Mutmaßlicher Dealer kommt nicht zur Urteilsverkündung

Ein mutmaßlicher Drogenhändler aus dem Südkreis wartete den Ausgang seines Verfahrens vor dem Landgericht nicht ab. Er blieb dem letzten Verhandlungstag fern.

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Marburg. Ein 49-jähriger Mann aus dem Ebsdorfer Grund musste sich vor dem Marburger Landgericht verantworten. Der gelernte Maurer war in 70 Fällen wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz angeklagt. Zwischen Mitte 2009 und dem Jahr 2011 soll er mit Cannabis, Marihuana und Kokain gehandelt haben.

Bei seiner Festnahme im September 2011 hatte er außerdem ohne entsprechende Berechtigung 0,8 Gramm Kokain mit sich geführt. Anschließend saß er einen Monat in Untersuchungshaft. Zum Zeitpunkt seiner Gerichtsverhandlung war er jedoch auf freiem Fuß. Bereits zweimal war er auf Grund der Einfuhr von Kokain in Tateinheit mit Handel verurteilt worden und hatte mehr als zwei Jahre im Gefängnis verbracht. Die zweite Strafe war im Jahr 2009 auf Bewährung ausgesetzt worden.

Die Verhandlung erstreckte sich über zwei Verhandlungstage. Zum zweiten Termin war der Angeklagte nicht mehr erschienen. Weder sein Anwalt, noch Familienangehörige, die als Zeugen geladen waren, konnten Auskunft über seinen Verbleib erteilen. Die Kammer mit dem Vorsitzenden Richter Dr. Carsten Paul ging auf Grund der Sachlage davon aus, dass sich der Angeklagte dem Prozessausgang entzogen hatte und geflüchtet war. Der Haftbefehl wurde erneut in Vollzug gesetzt.

Die Anklage baute sich auf der Aussage eines, ebenfalls auf Grund von Handel mit Betäubungsmitteln, festgenommenen Mannes, einem Zwischenhändler, auf. Dieser trat in der Verhandlung als Hauptbelastungszeuge auf.

Nachdem jener Zwischenhändler im Dezember 2010 festgenommen und inhaftiert worden war, gab er als seine Bezugsquelle für die Betäubungsmittel, die er weiter verkaufte, zunächst eine Person an, von der er später behauptete, sie sei frei erfunden gewesen.

Erst Monate später machte er in Anwesenheit seines Anwalts bei der Polizei eine Aussage, in der er den 49-jährigen Angeklagten belastete. Verärgert über unsaubere Geschäftspraktiken seines Partners und selbst „das Wasser bis zum Hals“ stehend, hatte er seine Meinung geändert. Rachegedanken und die Aussicht auf Strafmilderung hatten offenbar bei dieser Entscheidung eine Rolle gespielt.

Vor Gericht wiederholte der Mann seine Angaben. Die beiden Händler hatten sich regelmäßig an verschiedenen Orten getroffen, der Angeklagte dem „Zeugen“ größere Menge Stoff übergeben, der ihn dann an Endkonsumenten weiterverkaufte. Der im Prozess Angeklagte habe immer einen finanziellen Vorschuss verlangt und dann häufig zu wenig geliefert. Im Großen und Ganzen ging es um 1000 Euro, die der Zwischenhändler von dem Angeklagten verlangt und nie erhalten hatte. Wutentbrannt und detailreich berichtete der Belastungszeuge von diesen Praktiken, während der Angeklagte still und ab und zu lächelnd zuhörte.

Anschließend berichteten zwei Polizeibeamte dem Gericht aus dem Ermittlungsverfahren. Sie hatten die Aussage des Zwischenhändlers in der Polizeiwache aufgenommen und den Angeklagten daraufhin mehrere Monate observiert. Sie konnten seine Telefongespräche mit Kunden abhören und mehrere Beschaffungsfahrten in den Raum Frankfurt beobachten. Nach einer dieser Fahrten wurde er am Bahnhof Fronhausen festgenommen, in seiner Tasche fand man die 0,8 Gramm Kokain, eine verhältnismäßig geringe Menge.

Zum zweiten Verhandlungstag erschienen ein Konsument, der von dem Angeklagten und dem Zwischenhändler Marihuana und Cannabis gekauft hatte, sowie die Ehefrau und die Tochter des Angeklagten. Vom Angeklagten selbst fehlte jedoch jede Spur. Da der Angeklagte jedoch zu den Vorwürfen bereits vernommen worden war - ohne dazu Stellung zu nehmen - und weil der wichtigste Zeuge bereits ausgesagt hatte, wurde die Verhandlung in Abwesenheit des Angeklagten fortgesetzt.

Nach mehreren Stunden weiterer Vernehmungen, die keine neuen richtungweisenden Erkenntnisse brachten, wurde der Angeklagte zu drei Jahren Haft und 9160 Euro Bußgeld verurteilt. Der Verteidiger hatte die Glaubwürdigkeit des Belastungszeugen in Frage gestellt und plädiert, dass hier Aussage gegen Aussage stehe. Richter Dr. Carsten Paul bekannte ebenfalls, die Aussagen seien vorsichtig zu würdigen, doch sie seien auch in die Vorgeschichte des Angeklagten einzubetten und insgesamt glaubwürdig. Mit dem Urteil folgte man der Empfehlung der Staatsanwaltschaft. Nach dem Angeklagten wird seither gefahndet.

von Kristina Gerstenmaier

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