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Mit 78 junger Anfänger im Worldwideweb

Schüler als Lehrer Mit 78 junger Anfänger im Worldwideweb

Besser als jeder Computerkurs für Anfänger ist die Eins-zu-eins-Betreuung mit kompetenten „Usern“, auch Schüler oder Jugendliche genannt. Das finden jedenfalls die Teilnehmer eines Projekts an der GSE.

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Die Arbeitsatmosphäre in diesem speziellen Computerkurs wird von allen Teilnehmern als sehr gut bezeichnet, sehr zur Freude von Lehrer Jörg Jeuthner (hinten links) und Heike Schick von der Gemeinde (Fünfte von rechts hinten ).

Quelle: Götz Schaub

Heskem. Ein Klassenzimmer an der GSE. Mitten zwischen Jugendlichen sitzen Menschen im Rentenalter und schauen erwartungsfroh in die Runde. Wenn ältere Menschen in Schulen kommen, fungieren sie meist als Zeitzeugen, berichten Schülern aus Zeiten vor der Wiedervereinigung. Hier sind die älteren Menschen gekommen, um sich von den Schülern etwas erklären zu lassen und zwar über den Umgang mit dem PC. Die Gesamtschule hat in Kooperation mit der Gemeinde Ebsdorfergrund in diesem Schuljahr ein neuartiges Informatikangebot im Wahlpflichtbereich eingeführt. Dabei „übernehmen“ ein bis zwei Schüler jeweils einen älteren Mitbürger und gehen dann auf dessen ganz persönlichen PC-Lernwünsche ein. Dabei achten sie darauf, dass ihr Schützling auch wirklich versteht, was sie erklären, indem sie ihn sofort alles selbst machen lassen. Dabei zeigen sie auch gleich, wie man sich leicht selbst helfen kann, wenn man beispielsweise droht, im Worldwideweb verloren zu gehen. Die älteren Menschen kommen mit konkreten Zielen zur Schule. „Ich möchte gern über Google-earth meine Urlaubsorte ansehen“, sagt Werner Eißner aus Roßberg. „Ich bin noch junger Anfänger“, sagt der 78-Jährige und lacht. Zu seiner PC-Betreuung Jacqueline Wenz hat er schon einen freundschaftlichen Kontakt aufgebaut. Man kommt auch so ganz nebenbei ins Gespräch, schafft sich eine absolut tolle Lernatmosphäre. Darüber freuen sich Kursleiter Jörg Jeuthner, Schulleiter Lothar Potthoff und Heike Schick von der Gemeinde. Ihnen geht es darum, dass junge wie ältere Menschen gleichermaßen etwas davon haben. „Ziel ist, dass junge Menschen Verantwortung für ältere Menschen übernehmen und die für Senioren oftmals unvertraute Welt der Medien etwas vertrauter zu machen“, sagt Heike Schick.

„Wir duzen uns“

Wie von selbst wächst dabei der Respekt und das gegenseitige Verständnis. „Wir duzen uns, das ist doch selbstverständlich“, sagt Elisabeth Schneider aus Beltershausen und lacht ihre Schüler-Lehrerin, die 15-jährige Juleen Marie, an. Dann sagt sie: „Das ist einfach fantastisch, was man mit dem Computer alles machen kann“, als sie die aktuellen Apothekennotdienste von Marburg auf dem Bildschirm sieht. Für sie war das Internet noch ein Buch mit sieben Siegeln. Jetzt ist sie dabei diese Siegel aufzubrechen. Rudolf Schroth aus Ebsdorf hat schon einmal einen Computer-Kurs für Anfänger besucht. „Das hat aber gar nichts gebracht“, sagt der 61-Jährige. „Das ging alles viel zu schnell und die Kursleitung hat sich an die drangehängt, die schon ein bisschen Erfahrung hatten.“ Und so gab er wieder auf. „Hier ist das ganz was anderes. Dabei wächst auch mein Verständnis dafür, was Kinder am Computer so alles machen.“ Für viele ist der Kontakt zur Familie der Antrieb. Wenn die Kinder in anderen Städten oder gar Ländern leben, ist es toll, E-Mail schreiben zu können oder gar zu skypen. Zu skypen? - Ja, da kann man sich sogar auf dem Bildschirm sehen“, sagt Elisabeth Schneider.

n Wer jetzt Lust bekommen hat, sich auch von Schülern sachgerecht unterweisen zu lassen, der kann sich ab sofort bei Heike Schick melden. Ab 22. November gibt es neue Plätze. Darüber hinaus ist ein Kurs für Februar geplant. Infos gibt es unter 06424/30416.

von Götz Schaub

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