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Markt-Zukunft auf Messers Schneide

Bürgermeister fordert Solidarität Markt-Zukunft auf Messers Schneide

Es steht schlecht um den Markt in Wittelsberg. Aus eigener Kraft trägt er sich schon länger nicht mehr. Doch es gibt einen Hoffnungsschimmer: Eine renommierte Handelskette hat Interesse bekundet.

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Der Frischemarkt Wilhelm in Wittelsberg steht vor einer ungewissen Zukunft. Dies war eines der Themen der Arbeitskreissitzung mit 70 Teilnehmern.

Quelle: Thorsten Richter

Wittelsberg. „Es ist jetzt nicht mehr die Zeit, alles schönreden zu wollen, heute sagen wir wie es ist. Und ich muss sagen, dass es schlecht um den Frischmarkt steht“, begrüßte Ebsdorfergrunds Bürgermeister Andreas Schulz die 70 Teilnehmer der Arbeitskreissitzung Dorferneuerung Wittelsberg am Dienstagabend. In Absprache mit der Familie Wilhelm, die den Markt betreibt, sei er legitimiert, dies zu sagen, um Gerüchten im Dorf vorzubeugen. Die Familie selbst war auch anwesend.

„Damit der Markt und damit auch die Grundvoraussetzung für unsere MarktplatzIdee erhalten bleibt, müssen jetzt dringend Veränderungen stattfinden“, informierte Schulz in seiner Eigenschaft als Sprecher des Arbeitskreises weiter. Es gibt einen Interessenten, der sich vorstellen könnte mit in den Markt einzusteigen. „Die Gespräche stehen aber noch ganz am Anfang“, so Schulz. Jetzt komme es auf alle Wittelsberger an, deutlich zu zeigen, dass sie eine Nahversorgung im Ort langfristig wünschen und auch nutzen.Er forderte von den Bürgern Solidarität mit „ihrem“ Dorfladen ein. Ebenso setzt er darauf, dass auch Bürger aus umliegenden Dörfern, die keinen eigenen Laden mehr haben, auch den Markt in Wittelsberg berücksichtigen.

Schließlich handele es sich nicht einfach um einen normalen Markt, sondern um einen Markt mit regionalem guten Ruf, nicht zuletzt aufgrund der besonderen Wein- und Käse-Angebote. Mit dem potenziellen neuen Partner könnte ein Shop-in-Shop-Angebot entstehen, dass zum einen den Charakter des Frischemarktes erhält, zum anderen die Attraktivität steigert.

„Das Ganze rechnet sich natürlich nur, wenn auch entsprechend viele Kunden kommen“, sagte Schulz. Er setzte hinzu, dass der mögliche Partner sich schon einige Kunden-Parkplätze wünscht und kam damit auf die Zukunft des nicht mehr gewollten Backhauses zu sprechen. Von der Denkmalpflege habe er die Auskunft erhalten, dass unter Denkmalschutz stehende Gebäude, die der Gemeinde gehören, zunächst einmal nicht abgerissen werden können.

Andres verhalte es sich mit Gebäuden, die sich in Privathand befinden. Wenn deutlich nachgewiesen werden könne, dass eine Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben ist und auch nicht erzielt werden kann, könne durchaus auch ein Abriss in Frage kommen. Nun müsse man aber noch wissen, dass im Ortskern von Wittelsberg sehr viele Höfe unter Denkmalschutz stehen und zusammengenommen auch noch ein Ensemble bilden. Der mit der Dorferneuerung beauftragte Planer Hartmut Kind hat mit den Bürgern, die im Dorfkern wohnen bereits Hintergrundgespräche geführt über mögliche private Vorhaben.

Schulz sieht derzeit keine andere Möglichkeit, als erst einmal abzuwarten, was aus den Gesprächen zum Erhalt des Frischemarktes wird. „Erst dann können wir die Marktplatz-Idee weiter verfolgen.“

Er schlug dem Arbeitskreis vor, andere Projekt vorzuziehen. „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, sobald wir eine Entscheidung haben, können wir uns auch wieder dem Marktplatzprojekt widmen“, so Schulz. Mit Martina Berckhemer vom Landkreis und dem neuen Ansprechpartner für die Dorferneuerung Burkhard Kuhl sei vereinbart, dass dann alles getan werde, um gegebenenfalls zwei oder drei Projekte parallel zu finanzieren. Derweil gibt es aber auch ganz andere Entwicklungen im Dorf. Horst Noll beispielsweise möchte in das Haus neben dem Backhaus einziehen. Das Haus gehört seiner Tochter und er hat schon erste Umbauarbeiten vorgenommen. Er sucht überdies Interessierte für eine Backhausgemeinschaft, die auch bereit sind, ehrenamtliche Arbeit am und im Backhaus vorzunehmen.

BGH-Schwerpunkt „Seniorengarten“

Schulz konfrontierte die Versammlung am Dienstag auch mit einer neuen Nutzung des Bürgerhauses. „Die Auslastung liegt derzeit bei 9 Prozent“, informierte er. Eine Sanierung und Modernisierung reiche alleine nicht aus, die Auslastung deutlich anzuheben. Deshalb sei die Gemeinde Ebsdorfergrund dazu übergegangen, jedem Bürgerhaus einen Schwerpunkt zuzuordnen. So sei das Bürgerhaus in Beltershausen auch als Tagungszentrum für auswärtige Gruppen eingerichtet worden. Das Bürgerhaus in Wittelsberg soll aufgrund seiner zentralen Lage und Barrierefreiheit für die Seniorenarbeit genutzt werden. Das Konzept sieht unter anderem vor, dass dort ältere Menschen zusammenfinden, die sonst tagsüber allein zu Hause wären, weil jüngere Angehörige an der Arbeit sind. Deshalb trägt das Projekt den Namen „Seniorengarten“.

Erste Bürger signalisierten bereits am Dienstagabend mit ihrer Unterschrift ihre Bereitschaft, bei den Projekten Kirchberg, Bürgerhaus-Umfeld oder Seniorengarten mitwirken zu wollen.

von Götz Schaub

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