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Südkreis Nach Revision: Haftstrafe zur Bewährung
Landkreis Südkreis Nach Revision: Haftstrafe zur Bewährung
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17:02 27.12.2017
Ein Mann aus dem Südkreis hatte seinen Nachbarn am Hals verletzt. Jetzt wurde erneut ein Urteil gesprochen. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Die erstinstanzliche Verurteilung des Amtsgerichts aus dem Jahr 2016 hatte die Verteidigung angefochten. Dem Urteil zufolge hätte der Straftäter eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verbüßen müssen. Die Verteidigung ging daraufhin in Revision. Nun gelangte man vor dem Landgericht zu einem Urteil, mit dem besonders der Angeklagte zufrieden sein kann.

Wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt muss der Mann jetzt nicht ins Gefängnis, sondern bekommt die bereits erstinstanzlich festgelegten 15 Monate für vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Gängig sind Bewährungsstrafen, die auf zwei, höchstens drei Jahre ausgesetzt werden. Es gibt aber auch in seltenen Fällen eine Frist von vier Jahren, die hier zur Anwendung kam.

Drei der Monate sieht das Gericht als schon verbüßt an: Grund dafür ist eine rechtsstaatswidrige Verzögerung des Verfahrens. Dieses ging nun nach drei Jahren und acht Monaten zu Ende. Dass der Angeklagte in dieser langen Zeit nicht erneut straffällig geworden ist trug wohl maßgeblich dazu bei, dass das Urteil milder ausfiel beziehungsweise in eine Bewährungsstrafe umgewandelt wurde.

Nebenklage: Stich hätte tödlich enden können

Ebenfalls ein wichtiger Teil der Beweisführung war der Alkoholismus des Täters: Die Tat soll er mit mindestens 1,5 Promille Blutalkohol begangen haben. Tatsächlich fanden fast alle bisherigen Straftaten des mehrfach wegen verschiedener Delikte Vorbestraften unter Alkoholeinfluss statt. Im Rausch zündete er bereits Häuser an, stahl Gummibärchen aus einem Kindergarten und versprühte den Inhalt eines Feuerlöschers in mehreren Gebäuden seines Heimatorts.

Das Verfahren bekam gegen Ende noch einen Spannungsschub, als der Anwalt des Nebenklägers nach dem nachsichtigen Plädoyer der Staatsanwaltschaft zu einer beeindruckenden Rede ansetzte. Er beleuchtete den Sachverhalt noch einmal von einer ganz anderen Seite, als es bisher der Fall war: Seiner Auffassung nach handelte es sich bei der Tat keineswegs nur um die Verfehlung eines Betrunkenen, der sich zu ­einer Dummheit hinreißen ließ. Der Schnitt in den Hals des Geschädigten hätte, wenn dieser nicht zurückgewichen wäre, durchaus tödlich enden können, so stellte es der Rechtsanwalt dar. So betrachtet hätte der Fall durchaus auch vor dem Schwurgericht verhandelt werden können und – so der Hinweis der Nebenklage – das Urteil hätte auch auf versuchten Totschlag lauten können.

Dennoch entschieden sich die Schöffen und der Vorsitzende schließlich für eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung. Der Verurteilte soll nun daran arbeiten, seine Alkoholsucht in den Griff zu bekommen.

von Melchior Bonacker