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Südkreis Lustiger Einblick in alte Zeiten
Landkreis Südkreis Lustiger Einblick in alte Zeiten
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19:06 01.05.2017
Mit Volkstanz, Gesang und witzigen Texten auf Plattdeutsch begeisterte die Tanzgruppe der Hessischen Volkskunstgilde das Publikum im Bauerhofcafé Storchennest. Quelle: Ina Tannert
Rauischholzhausen

Wie verlief eigentlich ein Waschtag auf dem Dorf vor rund 80 Jahren? Wie lief es mit der Arbeitsteilung und was passiert, wenn Frau den Mann beim Herumlungern in der Gaststätte erwischt? Diese und weitere Fragen beantwortete die Hessische Volkskunstgilde bei Tanz und Theater anschaulich auf der Bühne - natürlich uff Platt.

In kurzen Sketchen gaben die allesamt in traditioneller Tracht gewandeten Gildenmitglieder Einblicke in ausgewählte Szenerien des Alltags vergangener Jahrzehnte. Sie spielten mit diesem oder jenem Klischee aus dem traditionellen Dorfleben. Allen voran dem Ehekrach am Waschtag. Den Bock und schweren Waschzuber schleppen die maulenden Herren der Schöpfung herbei, beklagen sich ausgiebig über die nörgelnden Ehefrauen, die ihnen im Nacken sitzen und Kommandos erteilen. „Hole mol, bringe mol, mache mol - immer dasselbe“, motzen die Gatten. Kaum stehen Eimer, Waschbrett und Schmutzwäsche an Ort und Stelle, trollen sich die Herren eiligst aus der Szene. Auftritt der „Waschweiber“, die von Dorfmatrone „Bettche“ lauthals herbeizitiert werden und sich frisch ans Werk machen. Ohne ausgiebiges Geschwätz, Gestreite und diverse Lästereien kann so ein Waschtag natürlich nicht vonstatten gehen. Währenddessen haben sich die Ehegatten in die Dorfkneipe geschlichen, genießen den Tag bei Bier und Pfeifenkraut, was sie nicht davon abhält, sich weiter über ihr schweres Los zu beschweren. „Wo ich geh und steh, tun mir die Knochen weh - doch wenn ich do sitz und sauf, hör’n die Schmerzen auf“, freut sich Wortführer Bernhard Herrmann. Zumindest solange, bis die Gattin in die feucht-fröhliche Runde platzt und den faulenzenden Mann durch das Gasthaus jagt. Milde gestimmt werden die Damen zum Glück mit zackigen Volkstänzen, wie dem Tanz in den Mai, bei dem die farbenfrohen Trachtenröcke nur so wirbeln. Mit donnerndem Applaus honorierte das Publikum den gelungenen Auftritt der Tanzgruppe vor der historischen Fachwerkbau-Kulisse des „Bauernhofcafés Storchennest“. Am Rande des Festes stellte die Gilde traditionelle Handarbeit vor, zeigte die Arbeit an der Spindel, Schnitzarbeiten oder die oberhessische Wachsmaltechnik.

Der Tanz in den Mai fand zum ersten Mal auf dem Hof der Familie Peucker statt. Die Idee entstand aus einem früheren Auftritt der Gilde. „Ein toller Anlass, auf vielfachen Wunsch sind wir gerne wieder gekommen“, sagte der zweite Vereinsvorsitzende Eckhard Hofmann.

von Ina Tannert

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