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Südkreis Bau ist genehmigt, Ausbau ausgeschlossen
Landkreis Südkreis Bau ist genehmigt, Ausbau ausgeschlossen
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18:01 26.05.2018
Bange Blicke: Die Zuhörer im Sitzungssaal der Gemeindeverwaltung in Niederweimar warten darauf, dass der Parlaments­vorsitzende die kurzfristig einberufene Sitzung der Gemeinde­vertretung eröffnet. Quelle: Dominic Heitz
Niederweimar

Es roch nach Schweiß, vielleicht Angstschweiß. Die Spannung war greifbar vor der kurzfristig einberufenen Sitzung der Gemeindevertreter. Oft bleiben die Parlamentarier in öffentlichen Zusammenkünften ja unter sich. Diesmal aber war der Sitzungssaal schon lange vor Beginn gefüllt.

Als dann Kurt Barth als Vorsitzender zum Mikrofon griff, verstummten augenblicklich ­alle. Barth rückte das Gerät etwas beiseite und widmete sich wieder seinen Unterlagen. Falscher Alarm.

Wie vor Gericht

Bürgermeister Peter Eidam, die Gemeindevertreter, die Zuschauer – in den Augenblicken vor Beginn mag sich so mancher gefühlt haben wie ein Angeklagter vor Gericht kurz vor der Urteilsverkündung. Als es dann endlich losging, pünktlich um 20 Uhr, mahnte Kurt Barth die rund 100 Zuschauer, sich mit Unmutsbekundungen, Zwischenrufen und Plakaten zurückzuhalten.

In der jüngeren Vergangenheit hatten Eidam und andere Politiker so einiges zu hören bekommen. Und das war ihnen nahe gegangen.

Die Parlamentarier dankten den Bürgern für die vielfältigen Meinungsbekundungen. Allerdings nicht ohne durchklingen zu lassen, dass in den vergangenen Wochen nicht immer alles im Rahmen allgemeiner Nettigkeit verlaufen ist.

Bald mehr Lkws

Am vergangenen Wochenende hatten die Fraktionsvorsitzenden die Köpfe zusammengesteckt, um zu beratschlagen, was in der Sache Logistikzentrum noch getan werden kann. Klar war zu diesem Zeitpunkt, dass die Firma Depro-Kautetzky eine Genehmigung für den Bau einer Halle vom Landkreis bekommen hatte (die OP berichtete).

Sollten die Verantwortlichen der Firma es sich nicht noch einmal anders überlegen, wird das Logistikzentrum wie geplant gebaut. Das bedeutet auch, dass die Einwohner Niederwalgerns und Wenkbachs sich an den Gedanken gewöhnen müssen, dass bald Lkw durch ihre Dörfer rollen. Bis zu 60 am Tag und bis zu acht in der Nacht.

Mit drei Anträgen veränderten die Gemeindevertreter die Rahmenbedingungen in besagtem Gewerbegebiet. Mit Änderungen in den Bebauungs- und Flächennutzungsplänen sowie einer sogenannten Veränderungssperre will das Parlament verhindern, dass das Unternehmen über das bereits genehmigte Maß hinaus weiter ausbaut.

Damit soll auch das Szenario abgewendet werden, dass irgendwann einmal mehr als 60 Lkw am Tag durch die Orte fahren. Unter den Einwohnern war schon von 120 oder mehr die Rede.

Zwei Jahre Zeit

Alle 16 anwesenden Gemeindevertreter stimmten dafür. Die Gemeinde hat nun zwei Jahre Zeit, die Nutzung der Flächen so umzuwidmen, dass die Wenkbacher und Niederwälger damit leben können. Für Florian Gediga aus Wenkbach ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Er ist einer der Köpfe hinter der Bürgerbewegung „Kein Schwerverkehr auf der L 3093“. Mit den Ergebnissen der Sitzung sei er zufrieden, sagte er. Die Beschlüsse bedeuteten „nur 60 Lkw und keinen Drei-Schicht-Betrieb“.
Aber das sei noch längst nicht alles. Denn auch mit der genehmigten Halle will sich Gediga nicht abfinden. Es seien noch nicht alle Rechtsmittel ausgeschöpft.

Mit der jüngsten Parlamentssitzung „haben wir Zeit gewonnen“, sagte er. Die Bürgerbewegung sei keinesfalls ­gegen Gewerbe in dem Gebiet, betonte Gediga. „Aber es muss geeignetes Gewerbe sein.“

von Dominic Heitz