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Lederhosen, Macheten und Karneval

Brasilianischer Abend Lederhosen, Macheten und Karneval

Gauchotänze, Sambarhythmen und ausge­lassene Stimmung: Die brasilianischen Freunde der Tanz- und Trachtengruppe Hassenhausen brachten den Karneval mitten im Juni in den Landkreis.

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Links: Ohne Samba, hier eine Samba de Gafieira, wäre ein brasilianischer Nachmittag nicht vollständig. Rechts: Zu den Gaucho-Tänzen gehört ein schnelle Reflexe und Geschicklichkeit erfordernder Fecht-Tanz, der Dança dos Facões, bei dem jeder zwei Macheten

Quelle: Manfred Schubert

Niederwalgern. Die etwa 150 Zuschauer waren begeistert und beeindruckt von dem, was die brasilianischen Tänzerinnen und Tänzer und Musiker auf der Bühne des Musik- und Kulturhauses in zahlreichen prächtigen Kostümen zeigten. Die „Grupos de Danças Folclóricas Alemãs Estrela“ präsentierten in einer mitreißenden und temperamentvollen Show einen Querschnitt der Vielfalt an Musik und Tänzen ihrer Heimat.

Entgegen ihrer Bezeichnung pflegt die aus zwölf Formationen mit 420 Mitgliedern bestehende Gruppe aus der 30000-Einwohner-Stadt Estrela, die im südlichsten Bundesstaat Brasiliens liegt, in Rio Grande do Sul, nicht nur das Brauchtum ihrer häufig hessischen Vorfahren.

Wie Marcos Bechert, Pater der evangelischen Gemeinde, in welcher die Tanzgruppe 1964 gegründet wurde, berichtete, während er auf Deutsch mit Hunsrücker Zungenschlag durch das Programm führte, stammen 70 Prozent der Bevölkerung Estrelas von ab Mitte des 19. Jahrhunderts eingewanderten Deutschen ab. In den Tänzen der Gauchos beispielsweise fänden sich portugiesische, spanische, italienische und deutsche Schritte. Einige muteten recht kriegerisch an und deuten auf die Zeit, da sie die Grenze zu Argentinien und Uruguay verteidigen mussten.

Beim Chula tanzen zwei Männer in einer Art Wettkampf in immer schwierigeren Steppschritten über eine auf dem Boden liegende lange Lanze. Auch der Dança dos Facões, bei dem zwei Männer mit einer Machete in jeder Hand im Rhythmus der Musik gegeneinander fechten, erfordert schnelle Reflexe und Geschicklichkeit.

Ein Blick ins Nachbarland Argentinien gewährte ein Ehepaar, das einen mitreißenden Tango zeigte. Auch drei Tänze, darunter die Kreuzpolka, aus ihrem deutschen Repertoire führten die Brasilianer in bayerischen Dirndln und Lederhosen vor. Dazu jodelte der Trommler der hervorragend spielenden Musiker.

Auf einen flotten modernen Paartanz, den im Nordosten des Landes entstandenen und mittlerweile überall populären Forró, folgte schließlich das, was die meisten hierzulande wohl unter brasilianischem Tanz verstehen: Samba. Zunächst eine Samba de Gafieira und dann im Finale als Samba Batucada.

Mit einer lautstarken Trommelgruppe und temperamentvollen, leichtbekleideten Tänzerinnen kehrte der Karneval im Juni noch einmal nach Niederwalgern zurück. Bei einer Polonaise durch den Saal waren alle Gäste zum Mitmachen aufgefordert.

von Manfred Schubert

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