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Landwirt muss seine Rinder abgeben

Urteil Landwirt muss seine Rinder abgeben

Ein 57-Jähriger wurde im Amtsgericht wegen Tierquälerei zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Marburg. Zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe, für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, verurteilte Richter Dr. Johann Lessing einen 57-Jährigen aus einem Dorf im Süden des Landkreises.

Der Landwirt darf zudem in den nächsten drei Jahren keine Rinder mehr halten. Der Strafrichter sah es als erwiesen an, dass der Mann aufgrund mangelnder Versorgung den Tod eines seiner 15 Rinder sowie Leiden bei weiteren Kühen und Bullen verursacht hat.

Ein Amtstierarzt belastete den Landwirt während der Verhandlung im Marburger Amtsgericht schwer. Bei einer Kontrolle auf dem Hof des Mannes seien mehrere Tiere mit Abmagerungserscheinungen vorgefunden worden. Eine Kuh habe auf dem blanken Betonboden gelegen und nicht mehr aufstehen können, dabei habe sie keinerlei Zugang zu Futter oder Wasser gehabt.

Trotz intensiver tierärztlicher Behandlung seien die Symptome des Tiers nicht mehr therapierbar gewesen, es sei deshalb eingeschläfert worden. Bei einer späteren Untersuchung seien Verletzungen festgestellt worden, anhand derer eindeutig erkennbar sei, dass die Kuh bereits mehrere Tage gelegen haben muss.

Bereits im Herbst 2008 wurde der Landwirt im Amtsgericht wegen Tierquälerei zu einer Geldstrafe in Höhe von 900 Euro verurteilt. Der damalige Richter Jürgen-Peter Taszis, so erklärte Lessing, habe seinerzeit in das Urteil aufgenommen, dass bei weiteren Verstößen gegen das Tierschutzgesetz ein Halteverbot ausgesprochen werden solle.

„Da kommen wir nun nicht mehr herum“, sagte Lessing später in seiner Urteilsbegründung. „Ich bin sogar der Meinung“, ergänzte der Richter mit der Überzeugung, dass sich an den Umständen auf dem Hof des 57-Jährigen nichts ändern würde, „dass ich Sie mit dem Urteil sogar davor schütze, schon bald wieder hier zu sitzen.“

von Stefan Weisbrod

Mehr lesen Sie am Montag in der Printausgabe der OP.

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