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Landwirt : "Ohne meinen Planer komme ich nicht"

Hähnchenmastanlage Landwirt : "Ohne meinen Planer komme ich nicht"

Nun soll sie endlich stattfinden, die Bürger-Info-Veranstaltung zur Hähnchenmastanlage. Die Einladung ist raus, doch es steht zu befürchten, dass sie nicht das halten kann, was sie verspricht: umfassende Informationen.

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Das war im vergangenen Jahr: Günter Jung steht vor dem Feld, auf dem die Hähnchenmastanlage mit Biogasanlage entstehen soll.

Quelle: Götz Schaub

Fronhausen. Das hatte sich Landwirt Günter Jung schon etwas anders vorgestellt. Als möglicher Investor eines Hähnchenmastbetriebes in Bellnhausen wollte er natürlich die Gelegenheit nutzen, der Bevölkerung seine Sicht der Dinge darzustellen. Dies jedoch nur im Zusammenspiel mit seinem Planer Michael Herdt aus Büdingen. Nun erhielt Jung am 1. März die schriftliche Einladung des Bürgermeisters zu einer Bürger-Informationsveranstaltung am 14. März, mit dem Hinweis, dass er dort sein Bauvorhaben erläutern solle.

"Wir würden uns freuen, wenn Sie an der Info-Veranstaltung gegebenenfalls auch mit Ihrem Fachplaner teilnehmen könnten, um somit zu mehr Transparenz für die Öffentlichkeit beizutragen", heißt es in der Einladung. Zeit zur Rückmeldung hat Jung bis zum 9. März. Das ist heute.

Doch schon gestern durften die Fronhäuser Bürger aus dem "Fronhäuser Wochenblatt" erfahren, dass die Veranstaltung am Mittwoch, 14. März ab 19 Uhr im Bürgerhaus Fronhausen stattfinden wird. Neben dem Bauherrn Jung sollen dort auch Vertreter des Regierungspräsidiums, der Bürgerinitiative gegen Massentierhaltung verschiedene Fachreferenten und Bürgermeister Reinhold Weber zum aktuellen Sachstand zu Wort kommen. Am 5. März schrieb Jung an Bürgermeister Weber, dass er irritiert sei, als Hauptbetroffener bei der Terminabstimmung außen vor geblieben zu sein. In der Einladung vom 1. März habe er lediglich zur Kenntnis bekommen, dass neben einem Vertreter der Bürgerinitiative und einem Vertreter des RP Gießen "Experten aus verschiedenen Bereichen" geladen sind und "die Veranstaltung von einem externen Moderator geleitet" werde.

Diese Menschen müssen seiner Ansicht nach doch alle schon im Vorfeld der Einladung auf das Datum 14. März fixiert worden sein. "Ich weiß nicht, welche Experten da kommen, und auch nicht, wer moderiert", sagt Jung gegenüber der OP. Transparenz sieht für ihn anders aus. Darüber hinaus sagt er, dass sein Planer an diesem Tag unmöglich in Fronhausen sein könne, weil er an diesem Tag schoneinem "langfristig festgelegten Termin in Bayern" habe.

Dies habe sein Planer auch umgehend - am 2. März - der Gemeinde Fronhausen mitgeteilt "Ich bin Landwirt und kein Experte für Immissionsschutz", sagt Jung. Und dann: "Ohne die fachliche Kompetenz von Herrn Herdt nehme ich an keiner Veranstaltung teil."

Da seiner Meinung nach offenbar darauf geachtet wurde, dass alle anderen Beteiligten zum 14. März jemanden schicken können, er jedoch nicht im Vorfeld gefragt wurde, ob der Termin überhaupt machbar sei, zieht Jung den Schluss: "Durch Ihre Vorgehensweise kann ich mich des Eindrucks nicht entziehen, dass Sie [...] an einer sachlich fundierten und fairen Diskussion, bei der beide Parteien Ihren Standpunkt darlegen können, nicht interessiert sind." Solle er damit falsch liegen, setze er darauf, dass ein neuer Termin anberaumt wird, der auch ihm und seinem Planer genehm ist.

Indessen reagierte Reinhold Weber am 7. März auf die Absage Jungs.

Er bedauert die Absage, sieht aber "bedingt durch das vorgegebene, enge Zeitfenster für die Abarbeitung des laufenden Genehmigungsverfahrens durch das Regierungspräsidium Gießen jedoch keine Möglichkeit, den Termin erneut zu verschieben".

Gegenüber der OP erläutert Bürgermeister Reinhold Weber: " Wir haben im vergangenen Jahr nach einigen Terminen gesucht, die nicht zustande kamen. Dann wurde der Antrag zurückgezogen, es gab eine Zeit lang keine Notwendigkeit über etwas zu sprechen, was nicht als Antrag beim RP vorlag. Jetzt gibt es wieder einen Antrag, der uns in zeitliche Schwierigkeiten bringt. Die gemeinde müsse jetzt unter anderem auch Stellung zu einem möglichen vorzeitigen Baubeginn nehmen. "Es nutzt doch nichts, wenn wir jetzt noch über Termine verhandeln und die Sache ist schon rum", sagt Weber. Deshalb eine knappe Einladung. Gegenüber der OP sagt Weber auch, dass die weiteren Teilnehmer nicht anders eingeladen wurden wie Günter Jung.

"Entweder sie haben es möglich gemacht zu kommen oder für entsprechenden Ersatz gesorgt." Weber weiter: " An diesem Abend geht es um reine Sachinformationen. Niemand soll vorgeführt werden, es soll ein rein sachlicher Dialog geführt werden. Alle Positionen sollen wertneutral ihre Sicht der Dinge darstellen dürfen." Deshalb hoffe Weber noch auf ein Einlenken Jungs. "Ich habe ihm in meinem Antwortschrieben mitgeteilt, dass er gerne auch mit Unterstützung seiner Interessensvertretung kommen kann."

Zudem gehe es darum, darzustellen, welchen Einfluss die gemeinde Fronhausen hat, und welchen nicht. Das dürfe der interessierte Bürger erwarten können. Weber abschließend: An diesem Abend soll es keinen Streit geben, es geht um das Prozedere und Meinungen."

Sonja Haese, Sprecherin der Bürgerinitiative gegen Massentierhaltung, würde das Fernbleiben Jungs sehr bedauern. "Wir wollen Transparenz und stehen auch dazu." Von der OP befragt, ob sie denn wisse, welche Experten geladen seien oder ob sie den Moderator kenne, antwortet sie: "Nein, ich weiß es nicht. Ich bin selbst sehr gespannt. Ich vertraue darauf, dass Experten zu Wort kommen, die in der Sache völlig objektiv sind."

von Götz Schaub

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