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Südkreis Lahntalradweg soll gesperrt werden
Landkreis Südkreis Lahntalradweg soll gesperrt werden
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00:16 02.06.2018
Seit Montag ist die B 3-Abfahrt bei Gisselberg gesperrt und wird zurückgebaut. Quelle: Thorsten Richter
Niederweimar

Der B 3-Anschluss zwischen Gisselberg und Niederweimar ist gesperrt und wird abgebaut. Weg soll auch die Brücke, über die die Zufahrt von Gisselberg auf die Bundesstraße führt. Um die Brücke abreißen zu können, möchte Hessen Mobil auch den Lahntalradweg sperren – aus Gründen der Sicherheit. Für den Seepark ist der Radweg aber eine Hauptzufahrt.

Die Gemeinde Weimar hat die Familie Gerkau, Betreiber des Niederweimarer Seeparks, darüber in Kenntnis gesetzt, dass Hessen Mobil den Radweg im Bereich der Brücke von Juni bis August sperren will. Lucien Gerkau ist damit nicht einverstanden. „Der Radweg ist ein existenzieller Faktor für den Seepark“, sagt er.

Gerkau: Radweg erst später sperren

Die Pläne des Landes seien „stark umsatzgefährdend“. Schon im vergangenen Jahr sei der Umsatz wegen des schlechten Sommers nicht so gut gewesen. Auch vor dem Hintergrund, dass Anfang dieses Jahres Hochwasser im Seepark großen Schaden anrichtete, möchten die Betreiber ein weiteres umsatzschwaches Jahr vermeiden. „Da hat jemand beim Planen der Baustelle nicht an uns gedacht“, so ­Lucien Gerkau.

Den Radweg zu sperren, sei nicht nur für den Seepark, sondern für den gesamten Lahnradtourismus der Gegend eine­ Gefahr. Denn auch viele Hotels seien auf die Radfahrer angewiesen, sagt Gerkau. Deshalb hätten er und sein Vater schon Einspruch bei Hessen Mobil eingelegt.

Es sei ihnen durchaus bewusst, sagt Lucien Gerkau, dass der Zeitplan nicht einfach so umgestellt werden kann, weil zum Beispiel auch die Deutsche Bahn mitspielen muss. Dennoch wünschen sich die Betreiber, dass der Radweg erst nach der Badesaison gesperrt wird. „Oder zumindest nur nachts“, so Gerkau.

Hessen Mobil „kann noch keine Sperrzeiten nennen“

Auf OP-Nachfrage nimmt Hessen Mobil Stellung zu der Angelegenheit: Zurzeit würden sich die ausführenden Baufirmen noch in der Abstimmungsphase befinden. „Von daher können wir noch keine genaue Sperrzeit des Radwegs nennen“, heißt es in einer Mitteilung der Pressestelle. Bei der Abstimmung wolle die Straßenbaubehörde des Landes aber darauf hinwirken, die Sperrzeit auf ein Minimum zu beschränken. Eine Verschiebung der Maßnahme sei aber nicht möglich. Für den Abbruch habe man sich mit zweijährigem Vorlauf Genehmigungen der Deutschen Bahn einholen müssen.

Der Seepark werde für Radfahrer während der gesamten Bauzeit erreichbar bleiben – sowohl aus dem Süden als auch aus dem Norden – heißt es in der Pressemitteilung der Landesbehörde. Hessen Mobil hat „ein ortsnahes Umleitungskonzept für den Radweg erstellt“, das nur „wenige hundert Meter länger“ sei. Der Radverkehr soll über Gisselberg durch Niederweimar und über die Brücke der K 42 beim Bahnhof geführt werden. Diese Umleitung wird ausgeschildert.

„Das bringt uns nix“, sagt ­Lucien Gerkau zu der geplanten Umleitung. Radfahrer und Inline-Skater würden so am Seepark vorbei geführt. „Die kommen dann nicht mehr zu uns“, befürchtet er. „Kein Inline-Skater fährt über die Brücke beim Bahnhof“, sagt er.

Sollte der Radweg voll gesperrt werden, wollen sich die Gerkaus rechtlichen Beistand holen­ und eine einstweilige Verfügung ­gegen die Pläne der Straßenbaubehörde erwirken.

Bürgermeister Eidam will vermitteln

Weimars Bürgermeister Peter Eidam hofft indes, dass sich die Fronten zwischen Hessen Mobil und der Familie Gerkau nicht so weit verhärten. „Eine Vollsperrung ist schwerlich vertretbar“, sagt er. Er habe sich angeboten, in der Sache zwischen den beiden Parteien zu vermitteln. Und auch die Stadt Marburg will sich dafür einsetzen, dass die Durchlässigkeit für Radfahrer so gut es geht erhalten wird.

von Dominic Heitz