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Behörden prüfen, Anwohner warten

Lärm an der B3 Behörden prüfen, Anwohner warten

Wegen des Lärms der B 3 in Fronhausen erhöht ein ehemaliger Straßenbauingenieur den Druck auf die Behörden. Er hat die Verkehrsgeräusche gemessen und die Ergeb­nisse an den hessischen Verkehrsminister Tarek ­Al-Wazir gesendet.

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Verkehrsministerium und Hessen Mobil prüfen noch, ob Fehler bei der B-3-Planung gemacht wurden.

Quelle: Archivbild

Bellnhausen . Tausende Autos fahren an jedem Tag über die Bundesstraße 3 bei Fronhausen. Nachdem die Fahrbahn dort erneuert wurde, klagen die Einwohner der umliegenden Dörfer darüber, dass der Straßenlärm angewachsen sei. Im Ortsbeirat in Bellnhausen brachte der ehemalige Straßenbauingenieur Wolfgang Schneider schon Ende Januar die Vermutung vor, dass bei der Planung der Straße Fehler gemacht wurden und die Strecke für Verkehr ohne Geschwindigkeitsbegrenzung ungeeignet sei. Sollte sich diese Vermutung bestätigen, könnte ein Tempolimit auf der Strecke dafür sorgen, dass der Verkehrslärm zurückgeht, so sein Kalkül.

Selbst gemessen

Seinen Worten ließ er Taten folgen. Der Bellnhäuser kaufte sich ein Messgerät, um herauszufinden, wie laut der Verkehr denn nun genau ist. Direkt an der Straße zeigte das Gerät tagsüber 92 Dezibel an, an den Ortseingängen von Hassenhausen, Sichertshausen und Bellnhausen immerhin noch 70 Dezibel. Ab 59 Dezibel in Wohngebieten dürfen sich Anwohner Hoffnung auf sogenannter Lärm­sanierungen machen. Das sind nachträgliche Maßnahmen zum Schutz vor bestehenden Lärmquellen. Solchen Schutz können beispielsweise Lärmschutzwände oder Schallschutzfenster bieten. Allerdings sind solche Lärmsanierungen für die öffentliche Hand freiwillig.

Die Straßenbehörde prüft derzeit die Lärmbelastung. Die wird nicht gemessen, sondern berechnet, wie Hessen-Mobil-Pressesprecherin Sonja Lecher erklärt. Messergebnisse seien nicht repräsentativ, weil sie nur punktuell und zufällig die Belastung darstellen würden, heißt es in einer Broschüre der Behörde.

Wolfgang Schneider hat nicht nur gemessen. Er hat auch in Fronhausen und Lollar die Akten zur B-3-Planung aus den ­90er Jahren gewälzt. Und fand darin nach eigener Aussage seine Vermutung bestätigt: Schneider sagt, dass damals eine Änderung bei der Streckenführung vorgenommen wurde. Die Grünen hätten Einfluss genommen und bewirkt, dass die Trasse der neuen B 3 näher an den Verlauf der alten Bundesstraße gelegt wurde. So wollte man die Natur schonen.
Die Brücke in Staufenberg stand schon und von dort aus musste die Straße also Richtung Marburg geführt werden, möglichst nah an der alten Strecke.

Also zogen die Planer neue Kurven durchs Land und legten der Streckenführung mit 100 statt 120 Stundenkilometern eine andere Entwurfsgeschwindigkeit zugrunde. So will es Wolfgang Schneider in den Akten gelesen haben. Die Entwurfsgeschwindigkeit ist ein Richtwert, mit dem Ingenieure die Wegführung planen. Schneiders Vorwurf: Die Kurven der Straße wurden so eng geplant, dass die zulässige Höchstgeschwindigkeit bei Fronhausen eigentlich begrenzt werden müsste.

Schneiders Schreiben an den Verkehrsminister liegt der OP vor. Darin spricht er von einem „erhöhten Unfallgeschehen“ und führt das auf die Streckenführung zurück. Zwischen dem 1. Januar 2008 und dem 31. Dezember 2017 kam es auf der B 3 zwischen Staufenberg und Weimar in beiden Fahrtrichtungen zu insgesamt 806 Unfällen. Fünf Menschen verloren dabei ihr Leben. Das teilte die Polizei auf OP-Anfrage mit. Dass es dort häufiger als auf vergleichbaren anderen Straßen kracht, konnte die Polizei nicht bestätigen. Der Streckenabschnitt gilt nicht als Unfallschwerpunkt.

„Zwingend erforderlich“

Der gemessene Lärm sowie die veränderte Planung ­führen Wolfgang Schneider zu dem Schluss, das eine Geschwindigkeitsbegrenzung und zusätz­liche Lärmschutzmaßnahmen „zwingend notwendig“ seien. Dies fordert er in seinem Brief an das Ministerium.

Eine inhaltliche Antwort aus Wiesbaden habe er noch nicht bekommen, sagt er. Aber man habe ihm versichert, dass dem Fall nachgegangen werde. Ähnlich äußert sich auch die zuständige ­Straßenbaubehörde. Anfang Februar hatte die OBERHESSISCHE PRESSE Hessen Mobil um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen Schneiders gebeten. Die aufgeworfenen Fragen um Trassierung, Fahrbahnbelag, Lärm und Geschwindigkeiten seien umfangreich und komplex, verlautbarte die Behörde. Deshalb würde die Sache gründlich geprüft. Diese Prüfung sei aber noch nicht abgeschlossen.

Die Behörden nehmen sich ­also Zeit. Zeit, in der sich die Anwohner in den betroffenen Fronhäuser Ortsteilen weiter über den Verkehrslärm ärgern. Tatenlos warten wollen sie allerdings nicht. Mit einer Unterschriftenaktion wollen sie auf ihre Situation aufmerksam machen. Über 200 Menschen hätten schon unterschrieben, sagt Wolfgang Schneider.

von Dominic Heitz

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