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Arbeitskreis präsentiert Jahresprogramm

Jubiläum in der Rother Synagoge Arbeitskreis präsentiert Jahresprogramm

14 Veranstaltungen umfasst das Programm des Arbeitskreises Landsynagoge Roth, das im April beginnt. Im Mittelpunkt steht das Festwochenende, anlässlich der Einweihung der restaurierten Synagoge vor 20 Jahren. Mithilfe von altbewährten und neuen Kooperationspartnern werden den Besuchern die unterschiedlichsten Formate geboten.

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In der ehemaligen Landsynagoge Roth erinnerte im vergangenen Jahr der Arbeitskreis an die ­ermordeten Juden der Region.

Quelle: Ina Tannert

Roth. „2018 ist für uns ein besonderes Jahr“, sagt Dr. Annegret Wenz-Haubfleisch und erklärt: „Am 10. März 1998 – ganz bewusst in der Woche der Brüderlichkeit – wurde die restaurierte Synagoge als Gedenk-, Kultur- und Lernort eingeweiht.“

Die Vorsitzende des 40-köpfigen Arbeitskreises Landsynagoge Roth freut sich heute noch, wenn sie an die große Beteiligung der Bevölkerung und an die Gäste aus den USA denkt: jüdische Überlebende mit ihren Kindern und Enkelkindern.

„Wir hatten mit dem Landkreis – als Eigentümer der Synagoge – einen Nutzungsvertrag abgeschlossen. Gegründet haben wir uns zwar bereits zwei Jahre vorher, aber dann ging die Arbeit erst richtig los.“

Synagogengespräche gehen in die 56. Auflage

Im Zuge der Gestaltungen der Jahresprogramme habe der Arbeitskreis in den zurückliegenden beiden Jahrzehnten Formate und Kooperationen entwickelt, „die ganz spannend sind“, betont die Vorsitzende.

Sie nennt die seit 1999 installierten Rother Synagogengespräche, die in diesem Jahr in ihrer 56. Auflage stattfinden.
„Wir bieten Vorträge unterschiedlichster Art, die können historisch sein, oder sich auf aktuelle politische Themen beziehen, sagt sie und erklärt, dass im Anschluss immer mit dem ­Publikum diskutiert werde.

Ein enger Kontakt bestehe mit der „Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Marburg“. Angeboten werden etwa­ Autorenlesungen. Im August ist Angelika Schmidt Bernhard zu Gast. Sie stellt die Biographie ihrer Mutter vor, die eine sogenannte Vierteljüdin war.

Geschildert wird, was es für sie bedeutete, im Berlin der NS-Zeit aufzuwachsen. Alle zwei Jahre­ bietet der Arbeitskreis den „Trialog der Religion“ an. „Da diskutieren wir allgemeine Themen und wie die christliche, ­jüdische und muslimische Religion damit umgehen.“

Bei den Filmvorführungen arbeitet der Arbeitskreis mit der Gesellschaft für christlich-­jüdische Zusammenarbeit, mit der Geschichtswerkstatt und mit dem Marburger Kino Capitol zusammen. Es gehe um jüdische Themen im Film, auch um die Frage: Wie gehen die nächsten Generationen damit um?

Beispiel für bürgerliche Gleichstellung der Juden

Diesmal steht freilich ein Porträt im Mittelpunkt, um einen Film über den in Hanau geborenen jüdischen Maler „Moritz Daniel Oppenheim“. Er sei ein typisches Beispiel der bürgerlichen Gleichstellung der Juden im 19. Jahrhundert.

„Wir laden zu den Vorführungen immer die Regisseure ein“, berichtet die Vorsitzende. Das biete Gelegenheit, mit den Machern ins Gespräch zu kommen und dabei manche Dinge zu hinterfragen.

Fester Bestandteil des Programms sind Ausstellungen. Diesmal ist der Künstler Heinrich Groß mit einer Auswahl seiner Holzschnitte vertreten. Im Programm sind auch zwei Konzerte. Eines zähle zum interkonfessionellen Dialog: Faleh Khaless (Oud – Arabische Laute) und Johannes Treml (Gitarre) spielen Werke aus verschiedenen Kulturkreisen.

Beim zweiten Konzert ist ein weiterer Kooperationspartner des Arbeitskreises mit im Spiel: der Kultur- und Förderverein Alte Kirche Niederweimar. Veranstaltungsort ist die Alte Kirche in Niederweimar.

Arbeitskreis will neue Unterstützer werben 

Die Sängerin ­Inge ­
Manos und ihr Ensemble arrangieren und begleiten originale­ ost-jiddische Sänger, ­deren ­Lieder aufgenommen wurden von den sowjetischen Ethnomusikwissenschaftlern Moishe­ Beregowski und Sofia Magid auf Wachszylindern.

Die 2015 zu diesem Projekt erschienene­ 
CD war ein Jahr später nominiert für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Aus Niederwalgern stammt die Frankenberger Förderschullehrerin Elke Mitze.

Sie war im Zuge eines ökumenischen Begleitprogramms für Palästina und ­
Israel als Menschenrechtsbeobachterin im Westjordanland tätig. Sie unterstützte unter anderem palästinensische und ­israelische Organisationen, die sich gewaltfrei für einen gerechten Frieden einsetzen.

Auf Einladung des Arbeitskreises wird Elke Mitze über ihre Erfahrungen berichten und den Gästen eine Einschätzung über die aktuell angespannte Lage geben. „Infolge der Vielfalt unserer Programmangebote sehen wir auch immer wieder neue Gesichter bei unseren Veranstaltungen“, freut sich die Vorsitzende und ergänzt: „Würden wir immer das Gleiche machen kämen immer dieselben Leute.

Wir wollen aber mit neuen Formaten auch neue Besucher ansprechen. Denn wir brauchen viele Unterstützer für unsere ­Arbeit.“
Es gibt aber auch unverrückbar wiederkehrende Veranstaltungen wie die Gedenktage, etwa die Zusammenkunft zur ­Pogromnacht.

Bereits am Tag vor der landesweiten Pogromnacht, in der Zeit vom 9. und 10. November 1938, fiel die Synagoge in Roth dem nationalsozialistischen Gedankengut und der Zerstörung durch SA-Angehörige zum Opfer. Deshalb findet die Gedenkfeier in Roth bereits am 8. Oktober statt.

von Hartmut Berge

Das Jahresprogramm

Samstag, 14. April: Filmvorführung im Marburger Capitol Kino: "Moritz Daniel Oppenheim –
the first Jewish painter" (2017)

Samstag, 5. Mai: „Meditative und schwungvolle Tänze aus Israel“, Leitung: Barbara Küpfer, vierstündiger Einsteigerkurs, Gebühr: 30 Euro, Anmeldung und Info bei Schultheis: 0 64 26 / 14 68, f.schultheis@landsynagoge-roth.de, Beginn: 14 Uhr

Sonntag, 6. Mai: „Moritz Daniel Oppenheim – the first Jewish painter“(2017), Filmvorführung und anschließende Diskussion mit Regisseurin Isabel Gasthof, Ort: Capitol Kino in Marburg, Kooperationspartner: Geschichtswerkstatt Marburg, Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Marburg

Freitag, 25. Mai: Ausstellungseröffnung „Thora und Schofar. Berührungen mit jüdischer Kultur“,Holzschnitte von Heinrich Groß, Niederwalgern, Einführung von Professor Dr. Siegfried Becker, Wolfgang Gerhardt Klarinette), Beginn: 19 Uhr, Finissage am 9. September, 16 Uhr

Festwochenende vom 15. bis 17. Juni anlässlich der Eröffnung der Synagoge als Gedenk-, Kultur- und Lernort vor 20 Jahren

Freitag, 15. Juni: Kabbalat Schabbat und Kiddusch mit der Jüdischen Gemeinde Marburg und Gästen, Beginn: 19 Uhr

Samstag, 16. Juni: Festakt in Kooperation mit dem Landkreis Marburg-Biedenkopf und anschließendem Empfang, Beginn: 14 Uhr

Donnerstag 28. Juni: In Concert: Duo Essenz mit ihrem Programm „Meeting Points“ – Faleh Khaless (Oud – Arabische Laute) und Johannes Treml (Gitarre)

Samstag, 4. August: „Meditative und schwungvolle Tänze aus Israel“, Leitung: Barbara Küpfer – Fortgeschrittenenkurs –, Gebühr: 30 Euro, Anmeldung und Info bei Schultheis: 0 64 26 /14 68, f.schultheis@landsynagoge-roth.de, Beginn: 14 Uhr

Donnerstag, 16. August: Begegnungen – Veranstaltungsreihe zur Erinnerung an Herbert L. Roth, Elke Mitze (Frankenberg): „Für einen gerechten Frieden in Israel und Palästina“, Bildervortrag von einem Einsatz als Menschenrechtsbeobachterin mit EAPPI, Beginn: 20 Uhr

Sonntag, 26. August: Autorenlesung mit A. Schmidt-Bernhardt (Marburg): „Spätsommerhimmel in Sanssouci – Lebensabschnitte einer Vierteljüdin“ (2012), Kooperationspartner: Lesekreis der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Marburg, Beginn: 18 Uhr

Samstag, 1. September: „Wir entdecken die Rother Synagoge“, Ein Angebot für Kinder von neun bis elf Jahren, Leitung: J. Oehler und Dr. F. Schwarzenberger-Kesper, Beginn: 10 Uhr

Sonntag, 9. September: Tag des offenen Denkmals, Finissage der Ausstellung „Thora und Schofar“, Beginn: 10 Uhr

Donnerstag, 13. September: 56. Rother Synagogengespräch:
Ernst Klein, Vorsitzender des AK Rückblende, Volkmarsen: „Ein einzigartiger Fund – die wiederentdeckte, etwa 500 Jahre alte Schachtmikwe in Volkmarsen“, Beginn: 20 Uhr

Sonntag, 21. Oktober: WAKS – Yiddish Voices – Inge Mandos (Gesang), K. Kaatz (Piano, Akkordeon, Indisches Harmonium), H.-C. Jaenicke (Violine), Kooperationspartner: Kultur- und Förderverein Alte Kirche Niederweimar, Veranstaltungsort: Alte Kirche Niederweimar, Beginn: 11 Uhr

Mittwoch, 8. November: Gedenkfeier zur Pogromnacht
unter Mitwirkung des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Marburg Amnon Orbach
und Landrätin Kirsten Fründt

 

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