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Gerätehäuser sind „zehn Sorgenkinder“

Feuerwehr Weimar Gerätehäuser sind „zehn Sorgenkinder“

Das einsatzreichste Jahr seit 2007 mit dem Sturm Kyrill ist 2017 gewesen, bilanzierte Gemeindebrandinspektor Markus Herrmann, der zudem Solidarität und Respekt mit den ehrenamtlichen Einsatzkräften einforderte.

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„Ich habe es eingesehen und damit aufgehört“

Weimars Gemeindebrandinspektor forderte während der Jahreshauptversammlung aller Wehren der Gemeinde Konzepte.

Quelle: Boris Roessler / dpa

Roth. Eindringliche Worte fand Gemeindebrandinspektor Markus Herrmann zu Beginn seines Jahresberichts, den er während der Versammlung aller Wehren der Gemeinde Weimar referierte: „Es ist häufig nicht weit her mit der Solidarität und dem Respekt gegenüber den ehrenamtlichen Einsatzkräften. Vieles, wie Gaffen, Beschimpfungen und Tätlichkeiten, drückt diesen mangelnden Respekt aus, aber was vielleicht noch viel schlimmer ist, ist Gleichgültigkeit. Gleichgültigkeit, was mit anderen passiert.

Wofür brauche ich mich ehrenamtlich zu engagieren, die Allgemeinheit hilft mir doch. Dass diese Hilfe­ insbesondere in der Gefahrenabwehr und im allgemeinen sozialen Bereich nur durch ehrenamtliche Betätigung sichergestellt werden kann, ist nicht hinlänglich im Bewusstsein unserer Mitbürger verankert. Wäre­ dieses Bewusstsein vorhanden, müssten wir uns nicht über Mangel an Solidarität und Respekt und vor allem an ehrenamtlichem Engagement beschweren.“

Ein Einsatz alle sechs Tage

Herrmann verwies auf die Aktion Schutzschleife, mit der die Hessische Landesregierung nach einer Vielzahl an Übergriffen auf ehrenamtlichen Einsatzkräfte Solidarität mit diesen von der Bevölkerung einfordere.

„Wir alle hier im Saal gehören nicht zu denen, die ehrenamtliches Engagement anderen überlassen. 2017 haben wir mit Ausbildungs- und Übungsdienst, kulturellen und geselligen Veranstaltungen und insbesondere durch den Einsatzdienst unzählige Stunden für die Allgemeinheit erbracht. Dem gebührt Respekt“, rief Herrmann den 101 Kameradinnen und Kameraden der zehn Ortsteil-Wehren zu, die an der Jahreshauptversammlung der Weimarer Freiwilligen Feuerwehr im Bürgerhaus Roth teilnahmen.

Das einsatzreichste Jahr seit 2007 mit dem Sturm Kyrill sei 2017 gewesen, bilanzierte er. 60 Einsätze, davon 20 bei Bränden, 34 technische Hilfeleistungen, drei Fehlalarme und drei Brandsicherheitsdienste bewältigten die Feuerwehrleute.

Herrmann: Wehren in kleineren Orten unverzichtbar

Den ersten bereits am Neujahrstag, als das Jahr erst drei Stunden und drei Minuten alt war. Ein Strohlager mit 800 Ballen stand aufgrund von Brandstiftung in Flammen. Während der zwölf Stunden waren 42 Helfer im Einsatz.

Am Ostersamstag galt es, ­einen Wohnungsbrand in Niederwalgern zu bekämpfen. Ein Nachbar, selbst früher Wehrführer, sei von der Professionalität und dem Ablauf des Einsatzes begeistert gewesen, bei dem das Feuer zügig unter Kontrolle gebracht worden sei.

Die große Zahl an Brandeinsätzen kam durch zehn Tage ­andauernde Nachlöscharbeiten immer wieder aufflackernder Glutnester bei einem Scheunenbrand in Nesselbrunn im September zustande. „Der Brand hat gezeigt, dass Feuerwehren in den kleineren Ortsteilen unserer Gemeinde unverzichtbar sind, die Zusammenarbeit mit den Wehren der Nachbarkommunen reibungslos klappt und ein Erfolg auf Zusammenarbeit aller Kräfte beruht“, resümierte Herrmann.

37 Frauen und 186 Männer bilden die Einsatzabteilungen

Die ebenfalls hohe Zahl an technischen Hilfeleistungen sei durch neun durch Sturm und Unwetter bedingte Einsätze sowie, unter anderem, drei schwere Verkehrsunfälle und zwei Großtierrettungen zustande gekommen. Einmal zogen die Helfer ein Rind, das zu ertrinken drohte, „mit viel Man-Power“ aus dem Schlamm eines Baggersees, und mehr als zehn Feuerwehrleute befreiten eine zwischen Baumstämmen verkeilte Kuh.

Zurzeit gehören 37 Frauen und 186 Männer den Einsatzabteilungen an. Trotz des soliden Gesamtfundaments hätten einige­ Ortsteile zu wenige Mitglieder, es gelte weiter, neue zu gewinnen. Erfreulich sei, dass bei der Jugendfeuerwehr der Effekt des Aktionstages mit 25 neuen Mitgliedern nicht verpufft und deren Zahl stabil geblieben sei. Derzeit sind es 35 Mädchen und 52 Jungen, ergänzte die stellvertretende Jugendwartin Janine Stahl.

Im Herbst habe der Prüfdienst des Landes Hessen aufgezeigt, dass die Gerätehäuser das „Sorgenkind“ der Feuerwehren seien. Keines der zehn genüge heutigen Bauvorschriften und Anforderungen. Vor allem zu kleine Tordurchfahrten, nicht normgerechte Fahrzeugstellplätze wegen fehlender Schwarz-Weiß-Trennung (Einsatzkleidung ist Abgasen ausgesetzt), fehlende­ getrennte Umkleiden und Duschmöglichkeiten wurden bemängelt.

„Es muss über ein tragbares Konzept zur Umgestaltung und gegebenenfalls zum Neubau von Feuerwehrhäusern nachgedacht werden“, lautete das Fazit Herrmanns.

Öffentlichkeitsmitarbeiter fordert bessere Ausrüstung

Achim Fischer, Fachgebietsleiter Atemschutz, wies auf die besonderen Anforderungen an die Atemschutzgeräteträger hin, die im vergangenen Jahr mehrfach in Einsätze gehen mussten. 57 Feuerwehrleute haben den entsprechenden Lehrgang absolviert und stehen zur Verfügung, einige müssten aber noch die arbeitsmedizinische Voruntersuchung wiederholen, um einsatzbereit zu sein.

Markus Tarkowski, Fachgebietsleiter Ausbildung und Öffentlichkeitsarbeit, berichtete vom Brandschutzunterricht in den Kindergärten. Dazu gehörten Infoabende mit den Eltern, von denen viele glaubten, es gebe eine Berufsfeuerwehr in der Gemeinde. Zum Thema Ehrenamt merkte er an, dass die Feuerwehrfahrzeuge ihn manchmal an ein Oldtimertreffen erinnerten.

„Ich denke, für Menschen, die nachts um drei Uhr aus dem Bett springen, um ehrenamtlich zu helfen, sollte es nur das ­Beste an Ausrüstung geben“, forderte­ er.

Bürgermeister Peter Eidam dankte allen Einsatzkräften für das Geleistete. „Die Prüfungsergebnisse werden die Gemeinde finanziell in Anspruch nehmen. Vieles wird nachzubessern oder ganz neu zu schaffen sein. Wir müssen das in Angriff nehmen und planen“, erklärte er.

von Manfred Schubert

Auszeichnungen

Ehrungen
Brandschutzehrenzeichen in Gold für 40 Jahre in der Einsatzabteilung: Michael Grün, Niederwalgern und Peter Lotz, Wolfshausen; in Silber für 25 Jahre: Hubert Schlicker und Jörg Wege, Nesselbrunn, Jörg Hallenberger, Christian Zeman und Bernd Schammler, Weiershausen, Jens Hilberg, Oberweimar.

Anerkennungsprämien
Für 40 Jahre: Werner Löwer, ­Argenstein und Achim Schnabel, Roth. 30 Jahre: Jörg Brusius, Argenstein, Heiko Schäfer, Niederwalgern, Frank Willershausen, Weiershausen, Jörg Bingel, Rainer Disser und Frank Obronschka, Wolfshausen. 20 Jahre: Martin Eidam, Nesselbrunn, Kai Börger und ­Marco Weisbrod, Roth, Holger Arnold und Markus Ammenhäuser, Weiershausen. 10 Jahre: Michael Nagy und ­Tobias Ortmüller, Allna, Nicole Löwer, Argenstein, Daniel Dasbach, Niederweimar, Hagen Lauer und Markus Tarkowski, Roth.

Feuerwehrleistungsabzeichen
Gold: Andre Hoß (Stufe 5), Joachim Deichmann, Maria Bornmann, Roland Teuber und Christian Wege, Niederwalgern. Silber: Achim Fischer, Niederwalgern.
Bronze: Tobias Hach und Jan-Christoph Morawietz, Niederwalgern. Eisern: Isabell Völk, Argenstein.

Beförderungen
Zum Brandmeister: Markus Tarkowski, Roth; zu Oberlöschmeister oder -in: Corinna Wenz, Argenstein und Denis­ Becker, Niederwalgern; zu Hauptfeuerwehrmann oder -frau: Kai-Uwe Koch, Roth und Janine Peil, Wenkbach; zum Oberfeuerwehrmann: Denis Kock, Argenstein, Jochen Rink und Philipp Sunkel, Oberweimar und Niklas Happel, Wolfshausen; zum Feuerwehrmann: Jan Schnabel, Niederweimar, Jonas Koch, Merlin Tarkowski und Sascha Starke, Roth. Übernahme in die Alters- und Ehrenabteilung: Horst Pfingst, Wolfshausen.

Kommissarische Bestellungen (bis zur Absolvierung fehlender Lehrgänge): Zur Wehrführerin in Argenstein: Corinna Wenz, zum Stellvertreter Marc Lipinski.

Bürgermeister Peter Eidam (links) und Gemeindebrandinspektor Markus Herrmann (rechts kniend) mit den Beförderten und Geehrten. Foto: Manfred Schubert
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