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Südkreis Arbeiten am Grillplatz schocken Wenkbacher
Landkreis Südkreis Arbeiten am Grillplatz schocken Wenkbacher
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00:17 16.02.2019
Diese Bürger haben ihre Meinung zu den aktuellen Vorgängen auf einem Transparent formuliert. Quelle: Götz Schaub
Wenkbach

„In seiner Jahresabschlussrede im Parlament hat Kurt Barth mehr Transparenz vonseiten der Gemeindeverantwortlichen versprochen“, sagt Florian Gediga. Und weiter: „Das, was wir jetzt erleben, ist deshalb eine Ohrfeige für die Bürgerschaft“. Was meint er? Er meint die Bauarbeiten zum ­geplanten Retentionsbecken in unmittelbarer Nachbarschaft des Wenkbacher Grillplatzes.

Dass das Regenrückhaltebecken dort bebaut wird, war allen klar, „Aber sicher nicht, dass durch die Bauarbeiten der Grillplatz so massiv in Mitleidenschaft gezogen wird, Bäume gefällt wurden und angepflanzte junge Obstbäume einfach unter Erdhügeln verschwinden“, sagt Sabrina Zimmermann vom Verein Sweet Home Wenkbach, der den Grillplatz gepachtet hat.

Eine Hütte, die auch als ­Materiallager dient, ist vom Grillplatz durch einen Graben abgetrennt worden. Im Graben fließt plötzlich der Wenkbach – einfach mal umgeleitet. Ob das so bleibt oder nicht, was noch zu erwarten ist, ob das geplante Osterfeuer der Wenkbacher Vereine dort stattfinden kann, keiner weiß es.

Ärger über fehlende Baustellenabsicherung

Dazu kommt der Ärger über den Baustellenverkehr, der durch die einspurige Bachstraße fließt, und über die fehlende Baustellenabsicherung. Am Samstag, als einige Bürger Wenkbachs und Mitglieder der „Bürgerinitiative für lebenswerte Dörfer“ den Grillplatz und die danebenliegende Baustelle besichtigten, war das gesamte Gelände inklusive Bagger für jeden frei zugänglich. Keine klar zu erkennenden Verbotsschilder, keine Umzäunung.

„Kinder sind doch neugierig. Bisher konnten wir sie bis zum Grillplatz laufen lassen, jetzt lauern hier ganz viele frei zugängliche Gefahren. Man weiß doch um die Neugier von Kindern“, sagt Gediga. „Man hat uns über diese Form der Bauarbeiten völlig im Unklaren gelassen“, sagt Sabrina Zimmermann. „Alle Dörfer rundherum haben einen tollen Grillplatz mit Strom- und Wasser-Anschluss und bei uns passiert das“, sagt sie und blickt auf den ausgehobenen Graben, der das Grillplatzgelände durchzieht.

Gediga sagt, dass der Plan zum Bau des Retentionsbeckens nirgendwo öffentlich einzusehen sei. Offensichtlich entstehe dort auch ein Betonbauwerk. Bei einer knappen Vorstellung sei jedenfalls gesagt worden, dass der Grillplatz nicht tangiert werde.

Begegnungsverkehr schwierig zu organisieren

Dass die Baustellenfahrzeuge über den geschotterten Weg in der Verlängerung des Bachwegs zur Baustelle fahren und diesen zur Schlamm-Piste machen, ist für ihn nicht hinnehmbar. „Die können doch von der B 255 die Baustelle erreichen, den Begegnungsverkehr müssen sie nur mit Funk regeln“, so Gediga,

Harald Kaletsch vom Bauamt der Gemeinde Weimar sagt auf OP-Anfrage, dass die Sache mit dem Begegnungsverkehr schwierig sei zu organisieren. Es sei mit der Baufirma abgesprochen, dass die Zufahrt mit Material von der B 255 aus erfolge, die Abfahrt, in der Regel unbeladen „im Schritttempo“ über den Bachweg. Zudem versichert er, dass zur Absicherung der Baustelle darauf geachtet werde, dass Bauzäune gestellt werden.

Und er verspricht, dass die Umlegung des Wenkbachs nur temporär ist und der Graben wieder zurückgebaut wird. Weimars Bürgermeister Peter Eidam stellt ebenfalls klar: „Der Grillplatz wird nicht verschwinden, es wird sich im ­Zuge der Flurbereinigung dort einiges tun.

Bürgermeister: Pappeln mussten gefällt werden

Er bejaht den Wunsch des Vereins nach fließend Wasser und Strom und spricht auch vom Bau einer neuen Schutzhütte.­ Sicher werde auch das Areal wieder gestaltet. Dass die Pappeln dort gefällt wurden, sei mit der Unteren Naturschutzbehörde abgesprochen gewesen, weil es dort sowieso schon einen Sturmschaden gegeben habe und Pappeln nach einem Gerichtsurteil nach 30 Jahren aus Sicherheitsgründen zu fällen seien.

Die Bauarbeiten werden über einen städtebaulichen Vertrag mit der im Gewerbegebiet Wenkbach investierenden Firma Depro abgewickelt, sagt Eidam. Doch sei die Gemeinde Ansprechpartner, wenn etwas aus der Bürgerschaft kommt. „Das Rückhaltebecken ist zwingende Voraussetzung für jegliche weitere Entwicklung im ­Gewerbegebiet Wenkbach. Deshalb stammt der Antrag auf die wasserrechtliche Plangenehmigung für den Retentionsausgleich aus dem Jahr 2008, erläutert Eidam.

Die Firma Pauly hatte sich ja einst auch mit einer Erweiterung ihrer Produktionsstätte beschäftigt, doch das Vorhaben wurde dann nicht umgesetzt. Jedenfalls seit 20. Juni­ 2017 liegt diese Genehmigung vor. Eidam ist überzeugt davon, dass dieses Retentionsbecken den Hochwasserschutz für Wenkbach „wesentlich verbessert“.

Bornmann: Forderung nach offener Grundsatzdiskussion

Die Bürger, die am Samstag die Baustelle in Augenschein nahmen, befürchten eine weitere Einschränkung des Dorfes in seiner Entwicklungsmöglichkeit. Wenn jetzt über den neuen Regionalplan auch noch ein Gewerbegebiet zwischen Wenkbach und Niederweimar möglich werden soll und ein weiteres zwischen Niederwalgern und Fronhausen, sei es endgültig vorbei mit der Wohnqualität.

Walter Bornmann fordert jetzt eine offene Grundsatzdiskussion mit der Gemeinde zur Entwicklung des Dorfes: „Wir brauchen einen Plan wie es weitergehen soll. So wie es sich derzeit verhält, kann man niemanden raten, zum Wohnen nach Wenkbach zu kommen.“ Gediga sieht das genauso: „Wer will denn so an der Straße im Ortskern wohnen? Von einer positiven Ortskernentwicklung wie in anderen Dörfern kann ich hier leider nichts entdecken.“

Letztendlich sei Wenkbach schon durch den Bau der B-255-Ortsumgehung für Oberweimar eingeschränkt worden. Das habe man aber zugunsten des Nachbarorts hingenommen. Allerdings wurde so aber auch der fußläufige Kontakt zwischen den Orten gekappt.

Interne Aufbruchstimmung in Wenkbach

Es gibt hier weit und breit keine Querungsmöglichkeit über die Straße. ­Dazu befragt, antwortet Eidam, dass sich Bürger gerne mit diesem Anliegen an die Gemeinde wenden können. Er werde den Vorschlag einer möglichen Unterführung in den Prozess der Flurbereinigung mit einbringen, beziehungsweise dem Amt für Wasser- und Bodenmanagement unterbreiten.

„Wenn das machbar und förderfähig ist, wäre das ein Gewinn“, so ­Eidam. Mit der Regelung des Baustellenverkehrs sind die Bürger ­sicher nicht glücklich, sie würden ihn gerne aus Wenkbach raushalten. Alles andere werde nun genau beobachtet, wie auch die Absicherung der Baustelle. Auch in Sachen Grillplatz wollen sie den Bürgermeister beim Wort nehmen.

Bei allem Ungemach, gibt es auch eine interne Aufbruchstimmung in Wenkbach, die das Miteinander stärken soll. Gediga sagt: „Wir stehen hier in Wenkbach gerade wieder davor, den Verein Dance & Fun sowie auch Sweet Home Wenkbach in den KZV Bürger- und Kulturverein zurückzuholen.“

von Götz Schaub