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Im „Grund“ sind alle Wehren im Einsatz

Unwetter Im „Grund“ sind alle Wehren im Einsatz

In Ebsdorfergrund mussten viele Menschen in der Nacht zum Freitag unfreiwillig früh aufstehen. Der starke Regen ließ vielerorts Keller voll laufen.

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Rund um die Schule in Wittelsberg wurde in der Nacht ein Graben angelegt und eine Umleitung für das Wasser aus Sandsäcken gebaut.

Quelle: Thorsten Richter

Ebsdorfergrund. Die Zwester-Ohm ist auf Höhe des Dorfgemeinschaftshauses Roßberg mit einem Hochwasser-Frühwarnsystem ausgestattet. Um 0.30 Uhr stand der Pegel bei 43 Zentimeter. Normalstand. Dann kam der Platzregen.

Nur 15 Minuten später stieg der Pegel auf 1,05 Meter an. Und wieder nur 15 Minuten später erreichte er 1,40 Meter. Um 1.15 Uhr wurde der Rekordwert 1,47 Meter gemessen. Dieses rasante Steigen des Pegels erklärt, warum die Feuerwehr-Einsatzkräfte zunächst einmal von ihrem Feuerwehrgerätehaus abgeschnitten wurden.

„Das war hier alles nur noch ein See“, sagt Norbert Pleil am Freitagmittag gegenüber der OP. Er gehört als Anwohner der Straße „Am Dorfrain“ zu den vielen Hausbesitzers, die zu einem unfreiwilligen Nachteinsatz genötigt wurden, weil ihre Garagen oder Keller mit Wasser voll liefen. „Das habe ich hier noch nie erlebt“, sagt er weiter und verweist auf seinen Nachbarn, der ein solches Szenario in den vergangenen 60 Jahren nach eigenen Angaben noch nie erlebt habe.

Aber nicht nur „Am Dorfrain“ kam es zu einer außergewöhnlichen Situation. Die Anwohner der Ortsdurchgangsstraße wurden von Geröll- und Schlammmassen überrascht, die durch den recht steil abfallenden Winner Weg gespült wurden, an der Straße die Gullis zusetzen und somit für ansteigendes Wasser sorgten, das ebenfalls in zahlreiche Keller, Garagen und Untergeschosse floss. Angela Kornmann und Ingo Meinhard sind neu in Roßberg. Sie sind in ihr Haus noch gar nicht eingezogen, da müssen sie es schon grundlegend säubern. „Davon lassen wir uns aber nicht schrecken“, sagt Angela Kornmann. Die Freude über das Haus überwiegt da wohl.

Ihre zukünftigen Nachbarn hatten auch gut zu tun. „Ich war draußen, weil der Schirm im Garten umgefallen war, Ich wollte schon wieder rein gehen als ich plötzlich im Dunklen die Wassermassen auf der Straße schimmern sah. Da habe ich natürlich sofort nach dem Heizungskeller geschaut und festgestellt, dass es da schon hineinlief“, schildert Kersten Fey. „Der Schlamm und das Geröll aus dem Feld in Verbindung mit dem Regen haben die Straße unterspült und die Straßendecke auf 30 Zentimeter über Straßenniveau angehoben“, erläutert Gemeindebrandinspektor Wilfried Eucker. In Wittelsberg sorgten die Wassermassen für einen schulfreien Tag der Grundschüler.

Martin Claar von der Feuerwehr berichtet: „Bei Eintreffen der ersten Einsatzkräfte ergossen sich auf einer Breite von etwa vier Metern vom nahegelegenen Wald durch die Gärten der Nachbarn regelrechte Fluten auf das Schulgelände und drückten gegen die rückwärtigen Wände des Schulgebäudes. Die Wassermassen drangen durch die Wände in die Keller- und Toilettenräume der Grundschule. Dabei wurden die Fliesen regelrecht von der Wand gedrückt.“ Um den Fluten Einhalt zu gebieten, errichteten die Feuerwehrleute zusammen mit Kollegen aus Beltershausen, Heskem, Hachborn, Ebsdorf und Wermertshausen sowie weiteren Helfern eine Sandsackbarriere. Anschließend konnte mit dem Auspumpen der Kellerräume begonnen werden.

In Rauischholzhausen gab es gar Tote zu beklagen: Die Kinder des auf dem Turm der ehemaligen Molkerei lebenden Storchenpaars wurden samt Nest in die Tiefe gezogen und starben dabei. Das Elternpaar konnte gestern in der Nähe beobachtet werden, ein Storch flog auch immer wieder den Turm an, als ob er dort noch jemanden vermuten würde. Viele Menschen hatten in der Vergangenheit das Familienleben der Störche in gebührender Entfernung beobachtet und waren gestern sehr traurig über die Nachricht. So etwa Anwohner Hans-Heinrich Bodenbender, Ralf Schneider aus Roßdorf und Winfried Krähling aus Schröck. Sie alle hoffen, dass das Paar im nächsten Jahr einen neuen Anlauf in Rauischholzhausen unternimmt.

von Götz Schaub

Kirchhain: Feuerwehrleute sichern ein Dach in der Niederrheinischen Straße (5.15 Uhr).

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