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Südkreis Hühnchen zeigen sich noch wetterfest
Landkreis Südkreis Hühnchen zeigen sich noch wetterfest
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06:17 12.05.2012
Die Farbe hält wohl doch besser als angenommen, Die „Reste“ der Protestaktion sind noch gut sichtbar. Quelle: Götz Schaub
Bellnhausen

Die aufgemalten Hühnchen und Hähne, die sich jenseits der Gemeindestraße in Bellnhausen noch auf dem Gebiet der Kreisstraße befanden, sind Geschichte, sprich verschwunden. Die zuständige Straßenverkehrsbehörde des Kreises hatte die Bürgerinitiative (BI) „Gegen Massentierhaltung in Bellnhausen“ aufgefordert, die Straße wieder zu säubern. „Wir sind dieser Aufforderung sofort nachgekommen“, gibt die BI-Sprecherin Sonja Haese gegenüber der OP Auskunft.

Auch wenn einige Leute die Aktion als eine Nacht-und-Nebel-Aktion bezeichnen, wird Haese nicht müde zu betonen, dass die BI immer zu dieser Aktion gestanden habe und sich schließlich auch mit dem Aufmalen der BI-Internet-Adresse als Verursacher dargestellt habe. Im ersten OP-Artikel vom 17. April hatte sie überdies ausgeführt, dass die BI am Abend des 13. Aprils darauf geachtet habe umweltgerechte Farbe zu nehmen, die der Regen mit der Zeit einfach wieder wegspülen werde.

Seither sind nun einige Tage vergangenen und es hatte auch immer wieder geregnet, einmal sogar sehr stark, unter anderem mit Hagel. Doch die Hühnchen erwiesen sich als wetterfester als gedacht. Noch immer „schmücken“ sie gut sichtbar die innerörtliche Straße und den Feldweg, der zum Feld führt, auf dem Landwirt Günter Jung plant, eine Hähnchenmastanlage für 39900 Tiere zu bauen. „Ich würde sagen, die meisten Bellnhäuser haben die Aktion mit einem Schmunzeln zur Kenntnis genommen“, sagt Sonja Haese. Sicher habe die BI einen ernsten Sachverhalt darstellen wollen, nämlich die Rate der toten Tiere pro Mast. Doch habe man darauf geachtet, nichts gegen den Investor zu schreiben.

Einige Bürger aus Bellnhausen hatten nach einigen Tagen allerdings genug davon und fragten bei der Gemeinde Fronhausen nach, was sie denn zu tun gedenke. Am 18. April schrieb Jens Hemer aus Bellnhausen die Gemeinde Fronhausen an und erkundigte sich über deren Haltung zu den aufgemalten Hühnchen. Als Antwort erhielt er zwei Tage später die Auskunft dass die Aktion zwischenzeitlich von der Polizei, dem Landkreis und dem Ordnungsamt der Gemeinde geprüft worden sei. Ein Handlungsbedarf werde nicht gesehen.

Am 2. Mai fragte Hemer erneut an: „Gibt es mittlerweile einen neuen Sachstand bezüglich der Beschmutzung in der Frankfurter Straße in Bellnhausen?“ Keine Stunde später erhielt er eine Mail zurück mit dem Inhalt, dass seine Frage eingegangen sei und weitere Informationen in Kürze erfolgen würden. Seither wartet Hemer auf diese. Auch Linda Kreusel fragte am 17. April bei der Gemeinde per Mail nach und bekam die Antwort, dass sie bei Weitem nicht die einzige war und bereits einige Fotos vorliegen würden. Bürgermeister Reinhold Weber mahnt zur Gelassenheit. Auf OP-Anfrage sagt er: „Zunächst sollte man diese Aktion nicht überbewerten. Demokratie muss das aushalten können, wir sehen es als einmaligen Fall von zivilem Ungehorsam. Man sollte die Kirche im Dorf lassen, es ist keine Sachbeschädigung feststellbar und es besteht keine Unfallgefahr durch Hindernisse, auf denen man ausrutschen beziehungsweise über die man stolpern könnte.“

Dann schränkt er aber auch ein: „Mit Sicherheit wäre die Aktion so nicht durchgeführt worden, wenn die BI gewusst hätte, dass die Kreide so lange hält. Bedauerlicherweise ist dies nicht mehr rückgängig zu machen, es kommt aber mit Sicherheit nicht wieder vor. Natürlich darf nicht jeder seine Meinung auf die Straße schreiben, das war eine einmalige Aktion, die keine Nachahmer finden darf. Mit der Bürgerinitiative wurde dahingehend Kontakt aufgenommen, dass die Farbreste von der BI zu entfernen sein werden, wenn die Farbe nicht in absehbarer Zeit durch natürliche Abwaschungen/Abrieb beseitigt ist.“ Weber hält einen Zeitrahmen von sechs bis acht Wochen für vertretbar.

Bei dem einen oder anderen Bürger drängt sich der Verdacht auf, dass die Gemeinde doch zunehmend zugunsten der BI agiere. Weber hatte allerdings mehrfach öffentlich gesagt, dass er als Bürgermeister nicht an den Ängsten der Bürger vorbei agiere. Linda Kreusel hofft, dass nicht mit zweierlei Maß gemessen wird. Am 1. März wurde im Fronhäuser Mitteilungsblatt darauf aufmerksam gemacht, dass die Verschmutzung von landwirtschaftlichen Wegen überhand nehme. Ein Foto zeigte einen verschmutzten Feldweg im Ortsteil Bellnhausen, wo es bekanntermaßen nur noch einen Landwirt, nämlich Jung, gibt.

Weber dazu: „Es wurde in dem Artikel nicht explizit über einen verschmutzten Feldweg in Bellnhausen berichtet, sondern aufgrund sich häufender derartiger Beschwerden ein Hinweis an alle Landwirte auf die Pflichten aus der Feldwegesatzung veröffentlicht mit Ablichtung des aktuellsten Fotos einer solchen Verunreinigung.“

von Götz Schaub

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