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Der kurze Weg vom Feld auf den Tisch

Hof Duske Rauischholzhausen Der kurze Weg vom Feld auf den Tisch

In Rauischholzhausen gibt es mitten im Ort ein seltenes Kleinod: den Hof von Annemarie und Uwe Duske. Mit Kühen, Schweinen, Hühnern, Bäckerei und Bauernmarkt erinnert er an einen Bilderbuchbauernhof.

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Für die Kühe ist Uwe Duske der Fachmann. Im Sommer bekommen sie Gras und Klee von Rauischholzhäuser Wiesen.

Quelle: Nadine Weigel

Rauischholzhausen. Tatsächlich haben die Duskes dem landwirtschaftlichen Strukturwandel in den vergangenen 30 Jahren getrotzt und anders als die meisten anderen Höfe darauf verzichtet, im großen Stil zu wachsen und sich immer weiter zu spezialisieren. „Arm sind wir dabei nicht geworden, aber auch nicht reich“, sagt Annemarie Duske (61).

Dreh- und Angelpunkt des Betriebes ist die Direktvermarktung: Es gibt einen Hofladen mit Brot- und Käsetheke, der dienstags und freitags an den Nachmittagen geöffnet hat. Freitags gesellen sich auf dem Kopfsteinpflasterhof in der Potsdamer Straße der Bio-Gemüse stand von Familie Gaus-Staubitz aus Wittelsberg und „Tonis Wurstladen“ aus Bauerbach dazu. Zu diesem Einkaufsidyll  gehört auch der Milchautomat, an dem Duskes jährlich etwa 6 000 Liter direkt an Kunden absetzen ( Foto: Nadine Weigel).

Rohmilch und Eier rund um die Uhr

In einem kleinen Verkaufsräumchen können sich die Kunden an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr mit Rohmilch und frischen Eiern eindecken. „Man kann sich bei uns komplett versorgen und auch gleich noch einen Kaffee trinken und ein Stück Kuchen essen“, sagt Annemarie Duske. Der Hofladen mit Freisitz befindet sich in einem liebevoll umgebauten und restaurierten früheren Stall. Im Obergeschoss gibt es einen großen Raum, den Duskes für Feiern und Arbeitstreffen zur Miete anbieten. „So ist unser Hof auch ein Treffpunkt fürs Dorf.“

Das Angebot wird überwiegend von Einheimischen genutzt, aber nicht nur. „Stressfreier als hier kann man gar nicht einkaufen“, findet eine Mardorferin und deckt sich mit Tomaten, Kräutern und Salat ein.

Der Bioland-Hof mit strikter Ausrichtung auf die Direktvermarktung sichert den Duskes, die mit drei Familienmitgliedern in der Landwirtschaft tätig sind, das Einkommen. 12 Mitarbeiter, die teils in Vollzeit, teils in Teilzeit oder als Mini-Jobber angestellt sind, gehören zum Team. Neben der Uni Gießen, die in Rauischholzhausen ein landwirtschaftliches Versuchsgut unterhält, sei der Hof der zweitgrößte Arbeitgeber im Ort, hebt Annemarie Duske hervor: „Das zeigt, dass ökologischer Landbau auch Stellen schafft.“

Verkauf auch auf Marburger Märkten

Dass der Hof Duske so viel Personal hat, mag verwundern. Mit derzeit 16 Kühen, 350 Legehennen, 4 Schweinen und 48 Hektar Acker- sowie Grünland ist der Bioland-Betrieb auch für Marburg-Biedenkopf nicht gerade groß. Allerdings beschränkt sich Duskes Angebot nicht auf Rauischholzhausen.

Mit seinem Verkaufswagen ist der Bioland-Betrieb seit vielen Jahren fester Bestandteil des Marburger Wochenmarktes in der Frankfurter Straße. Neben Brot und Kuchen gibt‘s dort Milchprodukte, darunter eine recht große Käseauswahl. „Es gibt kaum etwas, was so sehr fordert und einem gleichzeitig so viel gibt wie der Verkauf auf dem Wochenmarkt“, sagt Annemarie Duske, die die Abwechslung zwischen Hofarbeit und Kundenkontakt genießt. Mittwochs ist der Bioland-Hof auch am Firmaneiplatz in Marburg vertreten.

Neben dem eigenen Hofladen ( Foto: Nadine Weigel) wird das Rauischholzhäuser Bauernbrot in vier weiteren Läden in Marburg und Dreihausen verkauft. So setzen Duskes allwöchentlich rund 500 Brote und dazu etwa 20 Kuchen aus der Hofbäckerei an ihre Kunden ab. „Für ein gutes Bauernbrot kann man viele Menschen begeistern, auch die, für die der Bio-Gedanke nicht so stark zählt“, sagt die 61-Jährige.

Wichtigster Backtag ist in Rauischholzhausen der Freitag, dann werden in der kleinen Backstube zwischen Wohnhaus und Kuhstall um die 300 Brote „ausgeschossen“. So heißt das, wenn das heiße, duftende Brot aus dem Ofen geholt wird. „Das mag ich ganz besonders an dieser Arbeit, diesen wundervollen Duft“, sagt Annegret Scholler-Hilgenberg, die die Käsekuchen fürs Backen vorbereitet. Währenddessen holt ihr Kollege Pierrot Knieriemen eine Ladung fertig gebackener Sauerteigbrote mit Körnern aus dem Holzofen und reiht sie im Regal auf ( Foto: Nadine Weigel).

Brot aus rein handwerklicher Herstellung

Duskes bieten 18 verschiedene Brotsorten an. Roggen-, Weizen- und Dinkelmehl entstehen aus dem Getreide, das auf Rauischholzhäuser Feldern gewachsen ist. Und bis auf den Einsatz der Rührmaschine, die beim Kneten des Teigs hilft, geschieht in der kleinen Backstube alles in rein handwerklicher Arbeit. „Unsere Kunden sagen, dass der Kuchen so richtig hausgemacht schmeckt, so wie früher bei Oma“, freut sich Annegret Scholler-Hilgenberg, die aus Marburg kommt und ihren Job als Kuchenbäckerin in Rauischholzhausen liebt. „Es ist schön, eine so sinnvolle Arbeit zu machen, wo man das Ergebnis sieht und dann auch noch miterlebt, wie es bei den Menschen ankommt“, erklärt die 47-Jährige, die das Kuchen­backen von ihrer älteren Schwester gelernt hat. Ihre Spezialität: Käsekuchen. „Der geht einfach immer.“

Das Brotbacken hat auf Hof Duske, der im Dorf als „Peils Hoob“ bekannt ist, eine lange Tradition. Das ist Annemaries Duskes Mutter Juliane Peil zu verdanken, einer geborenen Preiß, die schon als junge Frau in ihrem früheren Heimatdorf Beltershausen eine begeisterte Brotbäckerin war und nach ihrer Heirat daran festhielt ( Foto: Nadine Weigel). „Von meiner Mutter habe ich das Handwerk gelernt“, sagt Annemarie Duske und zeigt eine alte Teigwanne, die sie schon als Kind benutzt hat.

Den Hof der Eltern übernehmen – das kam für die heranwachsende Annemarie Duske nicht in Frage. „Als ich Abitur gemacht habe, habe ich gesagt: Nie wieder Landwirtschaft.“ Die 61-Jährige erinnert sich gut an ihre Kindheit: „Wir mussten den Hof fegen bis zum Exzess, bei der Heu- und Rübenernte helfen. Aber wenn eine Kuh anfing zu kalben, dann wurden wir weggeschickt, das war nichts für Kinder.“

Familie und Arbeit unter einem Hut

So entschied sich die junge Annemarie Duske für ein Studium der Sozialarbeit. Auch ihr Mann Uwe, der aus dem Ruhrgebiet stammt und seine spätere Frau während seiner Internatszeit in Marburg kennenlernte, dachte gar nicht daran, Landwirt zu werden. Bis zum Vordiplom studierte er Elektrotechnik. Dann überlegten die beiden es sich anders.

Uwe Duske war 24 Jahre alt, als er sein Studium schmiss und in Braunschweig eine Landwirtschaftslehre begann. Wie das kam? „Im Studium haben wir während der Semesterferien immer wieder Zeit auf dem Hof verbracht, bei der Ernte geholfen – und wir haben gemerkt, dass es auch Spaß machen kann“, sagt Annemarie Duske. „Wir hatten auch ein Interesse, die Arbeit zusammen zu machen“, sagt Uwe Duske. „Auch wenn es anstrengend ist und man fast nie frei hat, so ist dieser Beruf doch unübertroffen, wenn es darum geht, Familie und Arbeit zu vereinbaren.“ Außerdem genieße er es, für den eigenen Betrieb zu arbeiten, „draußen zu sein und nicht in irgendeinem Büro zu sitzen“, erklärt der 62-Jährige.

Bei Familie Duske mit ihren drei inzwischen erwachsenen Kindern Martin (33), Sonja (31) und Felix (29) lief es dann anders. „Wir haben sie nie zu etwas gezwungen und sie durften bei allem dabei sein und Verantwortung übernehmen“, sagt Annemarie Duske. „Es gab Zeiten, da wollten alle drei den Hof übernehmen.“

Hofnachfolger hält sich alle Optionen offen

Martin wurde schließlich IT-Fachmann, Sonja Tierärztin. Und Felix, der Jüngste, tritt in die Fußstapfen seiner Eltern. „Das liegt mir im Blut, ich bin Landwirt mit Leib und Seele“, sagt der 29-Jährige.
Für Annemarie und Uwe Duske ist diese Entwicklung ein großes Glück, wenn man bedenkt, wie viele Höfe ohne Nachfolger dastehen. Die beiden wollen ihren Hof noch vier Jahre lang selbst führen, aber nach und nach schon Verantwortung an den Sohn abgeben.

Wie es weitergeht für den Bioland-Betrieb mit seinen vielen verschiedenen Standbeinen? Felix Duske hält sich alle Optionen offen. Aktuell hat er eine volle Stelle in einem anderen landwirtschaftlichen Betrieb und arbeitet daheim mit, so oft es möglich ist. „Mal schauen, wie sich die Dinge entwickeln“, sagt der Hofnachfolger und schaufelt Mist aus dem kleinen Freilauf der Husumer Schweine, während der wachsame Hofhund Balu auf alles ein Auge hat ( Foto: Nadine Weigel).

von Carina Becker-Werner

Alles bio, oder was?

Für alles auf Hof Duske gelten die Regeln der Bioland-Erzeugung: Dazu gehört ein möglichst geschlossener Wirtschaftskreislauf – heißt: Das  Futter für die Tiere kommt von eigenen Wiesen und Feldern, die den Mist der Tiere später auch wieder als Dünger aufnehmen. Weitere Prinzipien sind die artgerechte Haltung mit offenen Ställen für alle Tiere und der Verzicht auf synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel.

Für die Legehennen, von denen Annemarie Duske hier eine auf dem Arm hält ( Foto: Nadine Weigel), bedeutet die Bioland-Haltung nicht nur jede Menge Freilauf, sondern auch ein längeres Leben. Die Hühner werden zwei Jahre statt wie üblich nur eineinhalb Jahre auf dem Hof ­gehalten, bevor sie geschlachtet und regional als Suppenhühner weiterverkauft werden. Duskes wirtschaften seit 1988 nach Bioland-Prinzipien.

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