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Südkreis Hochwasser: Weimar will sich Rat holen
Landkreis Südkreis Hochwasser: Weimar will sich Rat holen
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00:18 20.09.2018
Noch hat sich die Weimarer Gemeindevertretung nicht entschieden, wie die Erneuerung der Deiche bei Roth und Argenstein gestaltet wird. Das Bild zeigt Roth im Januar 2018. Quelle: Thorsten Richter
Niederweimar

Randvoll war die Tagesordnung der jüngsten Parlamentssitzung im Ratssaal der Gemeindevertretung. Da ging es beispielsweise um die Frage, wie hoch die Deiche werden sollen, die bei Roth und Argenstein erneuert werden müssen. Gingen Gemeindevorstand und -vertreter bis vor kurzem noch davon aus, dass sie die Deiche für ein Hochwasser konzipieren müssen, das es nur einmal alle hundert Jahre gibt, könnte etwas weniger auch reichen. Das Gießener Regierungspräsidium hatte verlauten lassen, dass auch ein geringerer Schutzgrad genehmigt und gefördert werden könnte.

Das Parlament entschied nun einstimmig, noch einmal mit der Gießener Behörde in Klausur gehen zu wollen, um in Erfahrung zu bringen, „welche Variante verfolgenswert ist“, wie Dr. Thorsten Hoß (Freie Bürgerliste) es formulierte.

Platz für das Wasser fehlt

Der Vorsitzende der Gemeindevertretung Kurt Barth (SPD) gab zu bedenken, dass für den größten Hochwasserschutz auch eine entsprechend große Retentionsfläche geschaffen werden müsste – also ein Platz, zu dem das durch die Deiche abgehaltene Wasser hinfließen kann. „Woher sollen wir diese Fläche nehmen?“, fragte Barth.

Die Gemeindevertreter wissen um die Brisanz des Themas: Zum einen geht es um hohe Investitionskosten und die Differenzen zwischen den verschiedenen Deichvarianten sind enorm. Ein Entwurf zeigt, dass der maximale Schutz rund fünf Millionen Euro kosten würde. Reduziert man die Breite der Deichkrone nur um einen halben Meter, sinken die Kosten auf drei Millionen Euro. Letztere Variante würde immerhin noch Schutz vor einem Hochwasser bieten, wie es nur alle 75 Jahre vorkommt. Neben der Nutzen-Kosten-Erwägung muss die Gemeinde zum anderen natürlich dem Schutzbedürfnis der Menschen in den betroffenen Ortsteilen gerecht werden.

Wechsel im Gemeindevorstand

Thomas Nuhn ist aus persönlichen Gründen aus dem Gemeindevorstand der Gemeinde Weimar zurückgetreten. In der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung dankte Weimars Bürgermeister Peter Eidam Nuhn für sein Engagement. In den Gemeindevorstand aufgerückt ist nun Dr. Christian Dittrich (CDU, Bild, Mitte). Dittrich sprach am Donnerstagabend im Ratssaal den Eid und erhielt vom Vorsitzenden der Gemeindevertretung Kurt Barth die Ernennungsurkunde.Auch der mögliche Aldi-Neubau in Niederweimar war Thema. Die Parlamentarier fassten den Beschluss, das Gebiet „Holläcker“ neu zu planen. Hintergrund: Aldi möchte dort eine größere Filiale bauen. Der alte Standort nebenan – so eine Vorgabe der Oberen Landesplanungsbehörde – darf zukünftig nicht mehr von einem Lebensmittelhändler genutzt werden. Zwar soll das alte Aldi-Gebäude weiter genutzt werden – eine weitere Vorgabe der Planungsbehörde. Dort könnte aber nach der Umwidmung allenfalls ein Getränkehändler oder ein Drogeriemarkt einziehen.

Unter Zugzwang gesetzt sahen sich die Gemeindevertreter in Sachen interkommunaler Zusammenarbeit. Weil die Gemeinden Lohra und Fronhausen schon beschlossen hätten, für knapp 50 000 Euro eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben, könne Weimar ja nicht jetzt zögern, hieß es in dem Gremium. Die Studie soll die Chancen und Möglichkeiten einer Zusammenarbeit der drei Gemeinden konkretisieren. „Wenn wir jetzt nicht mitmachen, stehen wir später vielleicht vor verschlossenen Türen“, sagte Dr. Christian Dittrich (CDU). Die Gemeindevertreter entschieden sich mit zwölf Ja-Stimmen bei drei Gegenstimmen und einer Enthaltung für die Machbarkeitsstudie. Die Kosten dafür will sich die Gemeinde Weimar vom Land Hessen zurückholen, das solche Kooperations-Initiativen fördert.

von Dominic Heitz