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Historischer Charakter bleibt erhalten

Lahnbrücke Historischer Charakter bleibt erhalten

Es wird optische Veränderungen geben an der Lahnbrücke Sichertshausen. Betreffen werden sie in der Hauptsache die Fahrbahn und die Brüstung des 93 Jahre alten Bauwerks.

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Die alte Lahnbrücke, das Wahrzeichen von Sichertshausen: Bis zum Herbst soll es vollständig saniert werden und trotzdem seinen alten Charme behalten.

Quelle: Nadine Weigel

Sichertshausen. Dass an ihr der Zahn der Zeit genagt hat, ist unschwer zu erkennen. Gebaut wurde die Rundbogenbrücke 1919 in der damals noch relativ neuen Eisenbetonbauweise. Über die Jahrzehnte hat sie durch unterschiedliche Einflüsse, in der Hauptsache den Krieg und spätere Manöver, Schäden davongetragen. Es gab Risse, Wasser konnte eindringen, der Beton „carbonatisierte“, das Eisen rostete, womit die vorhandenen Mängel in Kürze umrissen sind.

Was nun genau passieren muss, um das denkmalgeschützte Bauwerk wieder für seine Nutzer – Landwirtschaft, Radfahrer und Wanderer – tauglich zu machen, erklärte Dr. Ulrich Huster von „HAZ – Beratende Ingenieure für das Bauwesen GmbH“ in der Ortsbeiratssitzung. Huster arbeitet im Auftrag des Amtes für Bodenmanagement Marburg, das die Sanierung im Zuge der Flurbereinigung umsetzt. Finanziert wird das 800.000 Euro teure Projekt zu achtzig Prozent aus Europamitteln, sprich Zuckermarktmitteln.

Alfred Heldmann, Projektleiter der Flurbereinigung, betonte, dass sich damit für die Gemeinde die einmalige Chance ergebe, die Brücke mit geringem Eigenanteil zu sanieren. Nur 20 Prozent der Summe müssen beigesteuert werden. Allerdings stellt das Amt für Bodenmanagement an diese Investition bestimmt Anforderungen. Sie macht nur Sinn, wenn die Brücke auch für die Landwirtschaft sowie Begegnungsverkehr genutzt werden kann und eine Dauerhaftigkeit gegeben ist.

Aus „erster“ Hand konnte der Ortsbeirat nun erfahren, was mit ihrem „Wahrzeichen“ im Detail passieren soll. Ausgesprochen hatte man sich dafür, dass das Erscheinungsbild der 62 Meter langen und 4,5 Meter breiten Brücke nicht verändert werden solle. Dies ist auch der Wunsch des Denkmalschutzes. Um die Planungen auf ein sicheres Fundament stellen zu können, musste die Brücke zunächst genau untersucht werden. „Verwertbares Material zu der Brücke hat es so gut wie keins gegeben“, informierte Ingenieur Kurt Moog vom Amt für Bodenmanagement.  Viel Aufschluss über den aktuellen Zustand hat eine von der Uni Kassel in Auftrag gegebene Diplomarbeit geliefert. „Hierauf konnten wir gut aufbauen“, sagte Moog. 

Letzte Reparaturarbeiten wurden in den 50er-Jahren an dem Bauwerk vorgenommen. Dass nach sechzig Jahren mal wieder etwas passieren müsse, sei völlig normal, so der Sachverständige. Über Bohrungen und das Öffnen der Fahrbahn wurden weitere Erkenntnisse gewonnen. Beispielsweise, dass unter dem jetzigen Asphalt Bruchsteinpflaster liegt. Die Rundbögen, die bis ins Fundament reichen, können eine  Last von 30 Tonnen tragen. Das heißt für die Sanierung, dass an den Bögen keine Veränderungen vorgenommen werden müssen. Es reicht aus, wenn mit Instandsetzungsmörtel die optischen Schäden behoben, sprich eine „Reprofilierung“ vorgenommen wird. „Diese Restauration wird man nicht sehen“, sagte Huster.

Ein bisschen anders sieht es mit der Fahrbahn und der Brüstung aus. Entsprechend der favorisierten Variante sollen diese Teile komplett erneuert werden. Damit kann die gewünschte Fahrbahnverbreiterung auf fünf Meter erreicht und zudem den stützenden Brückenteilen ein sicherer Schutz von oben gegeben werden. Weil an der Brüstung der Zahn der Zeit zu stark genagt hat, soll diese aus Beton nachgebaut werden. Die Brüstungshöhe wird dann entsprechend den heutigen Vorgaben um 25 Zentimeter auf 1,20 Meter angehoben. Von der alten Brüstung erhalten bleiben die Brückenköpfe.

Diese sollen herausgeschnitten und später mit Stahlankern auf die neue Position gesetzt werden. Den Vorschriften entsprechend wird die Brücke dann auch an beiden Seiten ein Schrammbord erhalten. „Dieser Plan ist zwar ein Kompromiss, der Brückencharakter bleibt aber erhalten“, betonte Huster.

Anhörungstermin mit allen 23 Trägern der öffentlichen Belange ist am 28. Februar. Gerechnet wird mit der Genehmigung bis Mitte März. Dann soll sofort die Ausschreibung erfolgen. Schließlich stehen die Fördermittel nur in diesem Jahr zur Verfügung.

Als Bauzeitende ist derzeit der 30. September anvisiert. Währen der Bauzeit wird die Brücke gesperrt sein. Die Umleitung der Radfahrer erfolgt dann über die Sandsteinbrücke in Bellnhausen. Der Boot- und Kanuverkehr soll hingegen nicht beeinträchtigt werden.
Für den Ortsbeirat sowie die anwesenden Bürger war es vorstellbar die aufgezeigten Planungen für ihr „Wahrzeichen“ mitzutragen.

von Martina Becker

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