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Hähnchenmast-Pläne sind eingestellt

Entscheidung gefallen Hähnchenmast-Pläne sind eingestellt

Seit Februar 2011 beschäftigte sich das Regierungspräsidium Gießen als Genehmigungsbehörde mit der geplanten Hähnchenmastanlage in Bellnhausen. Entscheiden muss die Behörde nun nicht mehr.

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Bellnhausen. Landwirt Günter Jung hat seine Pläne, eine Hähnchenmastanlage im Außenbereich von Bellnhausen aufzubauen, ausgesetzt. Der Widerstand war ihm wohl zu groß. „Sicher hätte ich die Baugenehmigung früher oder später bekommen, aber wer weiß, was dann noch alles gekommen wäre. Ich sehe keinen Sinn darin, dann vielleicht noch jahrelang das Thema vor Gerichten auszufechten.“ Die „Salami“-Taktik der Gemeinde Fronhausen, die immer wieder fehlende Unterlagen des Investors beim Regierungspräsidium bemängelt habe, sei ihm sehr wohl aufgefallen. Und er ist sich sicher, dass es auch bei einer Genehmigung der Anlage keine Ruhe gegeben hätte. „Das ist es nicht wert“, sagt er. Nun sucht er nach Alternativen, wie er sein Einkommen und Auskommen als Landwirt sichern kann.

Sonja Haese, Vorsitzende der Bürgerinitiative gegen Massentierhaltung in Bellnhausen, sieht das Ziel der BI erreicht. Damit könne sie auch das Angebot an Jung erneuern, ihm bei Alternativen, die auf eine gewisse Nachhaltigkeit ausgerichtet sind, durchaus zu unterstützen. „Wir möchten ja auch, dass er als Landwirt weiter arbeiten kann.“ Die BI trifft sich am 17. Oktober, ab 19.30 Uhr im Schützenhaus. „An diesem Abend können wir darüber diskutieren, wie wir uns künftig ausrichten wollen. Denn die Energie und Motivation, die die Bürger in die Initiative eingebracht haben, gilt es weiter für den Ort zu nutzen“, so Haese auf OP-Anfrage. Sie glaubt, dass die Themen Umwelt, Naturschutz und Tierschutz weiter Themen der BI bleiben. „Wie wir uns dann nennen beziehungsweise organisieren werden, werden wir noch abschließend besprechen.“

Fronhausens Bürgermeister Reinhold Weber wurde von der Rücknahme des Bauantrags vom Regierungspräsidium in Kenntnis gesetzt. Er stellt klar: „Natürlich ist Landwirtschaft wichtig und muss auch von der Gemeinde unterstützt werden. Als Bürgermeister muss ich aber auch die Belange aller Bürger im Blickfeld haben.“ Die Angst und Verunsicherung der Bellnhäuser Bürger habe die Gemeinde ernst genommen und sich deshalb auch extern beraten lassen. „Es ist dann einfach zu wenig, hochsensible Themen wie die mögliche Keimbelastung nur als Prognose darzustellen“, meint Weber. Die Gemeinde habe zum Schutze der Bürger weitere Unterlagen und Nachweise gefordert, aber nicht in „Salami“-Taktik.

Die Entscheidung Jungs wird auch politisch begleitet. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag, Sandra Laaz, äußerte sich erleichtert: „Wir begrüßen es, dass der Antrag zurückgezogen wurde. Damit wird auch der Konflikt vor Ort entschärft.“ Und weiter: „ Wir setzen uns weiterhin mit allen Mitteln und auf allen politischen Ebenen sowohl gegen solche Mastanlagen als auch für einen schnellen Ausstieg aus der Käfighaltung von Legehennen ein.“ Laatz sieht noch einen weiten Weg zu gehen, denn obwohl beim Geflügelfleisch die deutliche Mehrheit der Verbraucher Mastfabriken ablehne, spiegele sich das leider nicht im Konsumverhalten wider.

von Götz Schaub

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