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Südkreis Hähnchenmast: Kein Kompromiss in Sicht
Landkreis Südkreis Hähnchenmast: Kein Kompromiss in Sicht
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22:16 15.07.2011
Fast baugleich wie den Stall von Thomas Lehr in Hungen-Utphe plant Günter Jung seine Hähnchenmastanlage in Bellnhausen. Bei einem Ortstermin in Utphe stellte er seine Pläne vor. Wie dort sollen jeweils etwa 37.000 Tiere aufgezogen werden. Quelle: Michael Agricola

Utphe. Eingeladen hatte am Mittwochabend der Bellnhäuser Landwirt Günter Jung, sein Berufskollege Thomas Lehr aus dem Hungener Ortsteil Utphe führte gut 40 Besucher durch seinen Stall mit etwa 37.000 Tieren – der laut Jung vergleichbar mit seinem Vorhaben sei.

Sonja Haese, Sprecherin der „Bürgerinitiative gegen Massentierhaltung in Bellnhausen“, hatte Jung und der Bellnhäuser Bevölkerung zuvor in einem Offenen Brief mitgeteilt, dass die Mitglieder der Bürgerinitiative der Einladung nicht folgen würden, „weil keine neuen Erkenntnisse gewonnen werden können“. Der Stall in Utphe sei nicht vergleichbar mit der von Jung geplanten Anlage.

Als Beispiele dafür nannte Haese, dass die Zufahrt zur Anlage dort nicht durch das Dorf führe, der Mist weit entfernt gelagert werde und keine Biogasanlage angeschlossen sei. Der Utpher Stall sei Mitgliedern der BI von vorherigen Besuchen „ausreichend bekannt“, diese hätten zudem eine „Vielzahl von anderen, vergleichbaren Anlagen besichtigt“. Zudem seien die Tiere bei der Besichtigung 12 bis 14 Tage alt, die BI würde zu einer Begehung lieber einen Termin „etwa zwei Tage vor der Abholung zum Schlachthof“ vorschlagen.

Somit stellten Jung und die Planer der Anlage, Sonja Lachmann und Michael Herdt, im Anschluss das Projekt ausschließlich neutralen bis positiv zur geplanten Anlage eingestellten Besuchern vor. Viele davon waren Berufskollegen Jungs, unter ihnen zum Beispiel Kreisbauernvorsitzender Erwin Koch.

Die Bürgerinitiative setze weiterhin auf die Information der Bevölkerung vor Ort über die Massentierhaltung, unter anderem mit den wöchentlichen offenen Treffen mittwochs im Schützenhaus, sagte hingegen Haese. Da eine öffentliche Beteiligung im Genehmigungsverfahren allerdings nicht vonnöten ist, betreibt sie verstärkt Überzeugungsarbeit durch die direkte Ansprache derjenigen, die über den Antrag zu entscheiden haben. „Wir haben die Vertreter der Träger öffentlicher Belange am 22. Juli zu einem Ortstermin eingeladen, um ihnen deutlich zu machen, über was hier entschieden werden soll“, sagt Sonja Haese. Zu entscheiden, wenn man nur Pläne vor sich habe, sei leicht, aber man müsse auch die Situation vor Ort berücksichtigen. Papier sei schließlich geduldig.

von Michael Agricola

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