Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Südkreis Gottesdienst kehrt in die Kirche zurück
Landkreis Südkreis Gottesdienst kehrt in die Kirche zurück
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:03 04.05.2017
Architekt Richard Fischer (von links), Bauleiter Karl-Heinz Hämer und Pfarrer André Stolper freuen sich über den Abschluss der Innensanierung in der Selbstständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Dreihausen. Zwei Jahre dauerten die Bauarbeiten an, nun können die selbstständigen Lutheraner wieder in dem historischen Bauwerk Gottesdienst feiern. Quelle: Carina Becker-Werner
Dreihausen

Eine Außenwand wurde neu verschiefert, der Anbau des Chorraums bekommt gerade noch einen frischen Putz. Fenster und Eingangstüren sind erneuert, die Decke zum Dachboden ist frisch gedämmt. Der einst desolate Kirchenboden hat einen schicken Sandsteinbelag erhalten. Dieser ersetzt das einst bunte Sammelsurium aus sechs verschiedenen Bodenbelägen. Farben in dezenten Grautönen sowie leuchtendes Grün und Rot an der Empore lassen den Innenraum erstrahlen. Elektroinstallationen und eine komplett neue Heizungsanlage, die den Kirchenbesuchern künftig die Füße wärmt,  runden das Paket ab.

Die Gemeinde hat ordentlich investiert: insgesamt 290.000 Euro. Für etwas Entlastung sorgte das Landesamt für Denkmalpflege, es steuerte 13.000 Euro bei, da die Kirche unter Denkmalschutz steht.

Ohne den unentgeltlichen Einsatz vieler Gemeindemitglieder und Freunde wären noch weitere 190.000 Euro angefallen, erklärt Karl-Heinz Hämer, der sich ebenfalls ehrenamtlich als Bauleiter engagierte. „Wir haben wirklich tolle Handwerker unter uns, ohne deren Arbeit wir das nicht geschafft hätten.“ So sanierten die Dreihäuser beispielsweise die historischen Fenster der Kirche, die auf Betreiben des Landesamts für Denkmalpflege erneuert, statt ersetzt werden sollten, komplett in Eigenleistung. Unentgeldlich arbeitet auch Architekt Richard Fischer, „obwohl ich als Katholik hier nur Gastarbeiter bin“, sagt er augenzwinkernd. Wie viele andere auch engagierte er sich aus freundschaftlicher Verbundenheit für das Bauprojekt.  

Dass die Arbeiten zwei Jahre in Anspruch nehmen würden, war eigentlich nicht geplant. „Wir haben im Februar angefangen und wollten zum Weihnachtsgottesdienst wieder in der Kirche sein“, berichtet Hämer. „Das hat dann auch geklappt – aber erst zum Weihnachtsfest im Jahr darauf.“

Weihnachten auf der Baustelle – und Konfirmation auf der Baustelle. Das waren die Ausnahme-Gottesdienste, die die Gemeinde trotz laufender Arbeiten in ihrer Kirche feierte. Ansonsten war Ausweichen angesagt: aufs angrenzende Gemeindehaus, auf die Landeskirche oder auf die Nachbardörfer Roßberg und Heskem.

In dieser Woche laufen noch die letzten Arbeiten in und an der Kirche – die ehrenamtlichen Helfer wirbeln bis ganz zum Schluss, bringen den Putz an der Außenwand des Chorraums auf oder saugen den Baustaub von der Brüstung der Empore. Denn am Wochenende wollen die SELK-Mitglieder mit Freuden die Wiedereinweihung ihrer sanierten Kirche feiern: Am Samstag, 6. Mai, laden der Kirchenchor „Good News“ und der Posaunenchor ab 19 Uhr zu einem Konzert ein. Das Programm beinhaltet populäre und christliche Musik. Der Eintritt ist frei, Spenden für die Renovierung sind willkommen.

Am Sonntag, 7. Mai, wird die Wiedereinweihung mit einem Festgottesdienst gefeiert. Pfarrer Jörg Ackermann, ein ehemaliger Gemeindepfarrer, hält die Festpredigt. Im Anschluss kann man die „neue“ Kirche unter fachkundiger Begleitung in Augenschein nehmen – eine Bilderschau dokumentiert den Verlauf der Renovierung.

Die Kirchengemeinde will nach dem Kraftakt, der hinter ihr liegt, zunächst ein wenig verschnaufen. Doch noch in diesem Jahr und dann auch in den Folgejahren wollen die Dreihäuser an ihrer Kirche weiterarbeiten: erst am Außengelände, dann am Turm, der – möglichst wieder mit finanzieller Hilfe des Denkmalschutzes – neu verschiefert werden soll.

von Carina Becker-Werner

Anzeige