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Südkreis Höhere Kosten für Hinterbliebene
Landkreis Südkreis Höhere Kosten für Hinterbliebene
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00:21 24.11.2018
Urne statt Sarg: Auch vor der Gemeinde Ebsdorfergrund hat der allgemeine Trend zur Feuerbestattung nicht haltgemacht. Der Friedhof in Ebsdorf (Foto) ist von der Gebührenerhöhung übrigens nicht betroffen, da er nicht von der Gemeinde verwaltet wird. Quelle: Thorsten Richter / Archiv
Dreihausen

Immer mehr Menschen in Deutschland wählen für verstorbene Angehörige eine Feuer- statt einer Erdbestattung. Die Deutsche Friedhofsgesellschaft machte schon im vergangenen Jahr auf diesen Trend aufmerksam – und auf die Konsequenzen, die dadurch in den Kommunen entstehen können.

Im Kern ist das Problem folgendes: Weil ein Grab für einen Sarg mehr Platz braucht und auch mehr Arbeit macht, waren diese Gräber in der Vergangenheit stets teurer als solche für Urnen. Die Kommunen sind vom Gesetzgeber angehalten, die Kosten, die ihre Friedhöfe verursachen, über Gebühren gegenzufinanzieren. Rund 80 Prozent sollten es sein.

Wenn nun aber immer mehr Menschen die günstigeren Feuerbestattungen für ihre Verstorbenen wählen, gerät die Gegenfinanzierung in Schieflage. Der Gemeindevorstand Ebsdorfergrund hatte daher die Allevo Kommunalberatung mit der Analyse und Neukalkulation der Friedhofskosten und -gebühren beauftragt. Auf Grundlage dieser Arbeit hat die Gemeindevertretung eine Anpassung der Gebühren ab dem 1. Januar 2019 beschlossen.

Drastische 
Preiserhöhungen

Unterm Strich wird alles teurer. In der Beschlussvorlage warb der Gemeindevorstand daher unter den Parlamentariern für Verständnis. Niedrigere Einnahmen stünden höheren Ausgaben im Friedhofswesen gegenüber. „Darauf muss reagiert werden“, hieß es in der Begründung. Auch, damit die „nachwachsende Generation nicht immer weiter belastet“ wird. Denn die fehlenden Einnahmen wirkten sich auch noch in 30 Jahren aus.

Neben der Verschiebung von Erd- zu Feuerbestattungen schlägt in Ebsdorfergrund noch ein weiterer Punkt kalkulatorisch zu Buche. Das Dach der Friedhofskapelle in Dreihausen muss erneuert werden. Kostenpunkt: knapp 100.000 Euro. Dadurch steigen die von dem Beratungshaus berechneten jährlichen Friedhofskosten auf über 210.000 Euro an. In den vergangenen Jahren lagen sie im Schnitt bei knapp 160.000 Euro. Auch um dieses Projekt zu finanzieren, sollen die Gebühren nun angepasst werden.

Doppelgrab: von 2000 auf 2750 Euro

Vor allem bei den Feuerbestattungen langt die Gemeinde ab dem kommenden Jahre deutlich stärker hin: 750 Euro kostet ein Urnengrab aktuell für 35 Jahre. Ab Januar überlässt die Gemeinde eine solche Grabstätte dann für knapp das Doppelte; 1490 Euro werden für 35 Jahre fällig. Nicht ganz so drastisch fällt der Aufschlag bei Urnen-Doppelgräbern aus. Statt wie bisher 2000 Euro kosten sie zukünftig 2240 Euro.

Bei den Sargbestattungen sieht es wie folgt aus: Ein Reiheneinzelgrab überlässt die Gemeinde ab 2019 für 1630 Euro, ein Doppelgrab für 2750 Euro. Auch letzteres ist damit etwas teurer geworden, konnten die Hinterbliebenen doch bislang ein Doppelgrab für 35 Jahre und 2600 Euro nutzen. Auch die Gebühren für die Vorbereitung der Bestattung – also etwa das Ausheben eines Grabes – steigen, für Särge um 50 auf 600 Euro, für Urnen von 230 auf 278 Euro.

Kritik aus
 Reihen der CDU

Vor der Abstimmung über die Gebührenordnung hatte es im Parlament noch kritische Stimmen aus der CDU zu dem Thema gegeben. Peter Alof monierte, dass es mit dem Beschlussvorschlag „sehr schnell“ gegangen sei und er sich gewünscht hätte, dass die Gemeinde auch Alternativen prüft.

Bürgermeister Andreas Schulz erwiderte, dass die Analyse der Kommunalberatung erschöpfend im Haupt- und Finanzausschuss erörtert worden sei. Dort hatte das Beratungshaus die Kalkulation vorgestellt. Ein Termin, zu dem auch alle Gemeindevertreter eingeladen waren, wie Schulz sagte.

Der Bürgermeister wies die Gemeindevertreter darauf hin, dass Hinterbliebene nach der Kostenanpassung für eine Feuerbestattung noch immer weniger als für eine Erdbestattung zahlen müssten. Und der Grad der Kostendeckung, den die Gemeinde durch die Gebühren zukünftig zu erzielen hofft, liege mit rund 73 Prozent noch immer unter der empfohlenen Quote – und unter dem aktuellen Deckungsgrad.

Mit der folgenden Abstimmung verabschiedete das Gemeindeparlament die neue Gebührensatzung mit 21 Jastimmen und einer Neinstimme aus der ÜBE/FWG-Fraktion. Ein Mitglied der ÜBE/FWG-Frak­tion sowie fünf aus der CDU hatten sich enthalten.

von Dominic Heitz