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Südkreis Schnabel allein auf weiter Flur
Landkreis Südkreis Schnabel allein auf weiter Flur
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00:16 08.01.2019
Für viele Radbegeisterte im Landkreis ist der autofreie Sonntag auf der L 3048 ein Höhepunkt des Jahres. Quelle: Sabine Jackl
Fronhausen

Die Zukunft des autofreien Sonntags auf der Landstraße 3048 ist nach wie vor noch nicht geklärt. Doch mittlerweile zeigt sich, dass Fronhausens Bürgermeisterin Claudia Schnabel am Ende­ allein dastehen könnte mit ­ihren Plänen. Schnabel möchte sich nach Alternativen zum aktuellen Konzept umschauen, vielleicht mit Weimar gemeinsam etwas auf die Beine stellen oder die aktuelle Strecke ändern. Dafür ist sie aber auf die Entscheidung der Gemeindevertreter angewiesen. Und die könnten in einer der kommenden Sitzungen gegen die Bürgermeisterin stimmen.

Claudia Schnabel begründet ihre Bedenken bezüglich des autofreien Sonntags mit den Kosten. Den Gemeindevertretern hatte sie aufgezeigt, dass Fronhausen rund 10.000 Euro für den autofreien Sonntag im September des vergangenen Jahres ausgegeben hat. Dieses Geld sowie der organisatorische Aufwand für die Gemeindemitarbeiter stehen in einem schlechten Verhältnis zu Ertrag und Nutzen, so die Quintessenz aus der Argumentation der Bürgermeisterin.

Für Schnabel Grund genug, die Veranstaltung insgesamt infrage zu stellen.Andere in der Gemeinde­ sehen das aber nicht so. So sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Günter Majewski, dass sich seine Fraktion für einen Erhalt des autofreien Sonntags in seiner jetzigen Form stark machen werde. Die Idee der Bürgermeisterin, nach neuen Konzepten zu suchen, halte er für falsch.

Majewski spricht von "aufgemotzten" Kosten

Und auch das Kosten-Argument will Majewski nicht so ganz nachvollziehen. Die 10.000 Euro seien von Schnabel „aufgemotzt“ geworden, vermutet er. Darin habe die Kämmerin sämtliche Arbeiten der Verwaltung mit veranschlagt, um ihrem Argument mehr Gewicht zu verleihen. Majewski hält vielmehr rund 5.000 Euro für realistisch – für das Jahr 2019 hatte Schnabel 5.500 Euro im Haushalt für die Veranstaltung eingearbeitet. Und dieses Geld sei „gut angelegt“, so Majewski.

Den Plänen, die Nachbargemeinde Weimar mit ins Boot zu holen, steht der Fraktionsvorsitzende skeptisch gegenüber. „Ich sehe nicht, dass sich in Weimar diesbezüglich etwas bewegt“, sagt der Sozialdemokrat. Auch die CDU spricht sich dafür aus, die Veranstaltung wie bisher weiterzuführen. „Sicher, wir müssen sparsam sein“, sagte Lothar Nau.

Trotzdem wolle seine Fraktion am autofreien Sonntag in Kooperation mit dem Ebsdorfergrund festhalten. Nau möchte das Konzept aber auch weiterentwickeln. Die Gemeinde müssen nach wie vor nach Möglichkeiten suchen, andere bei der Ausrichtung mit einzubeziehen, sowohl Nachbargemeinden wie Weimar als auch andere Institutionen. „Unsere Aufgabe wird es sein, Fronhausen für den autofreien Sonntag attraktiver zu machen“, so Nau.

Was er damit meint: Bislang enden die Veranstaltungen rund um den autofreien Sonntag kurz vor Fronhausen. Lediglich der Bahnhof wird noch genutzt, um die Radtour zu starten oder anschließend nach Hause zu fahren. Mit dem Umbau des Areals „Auf der Schwärz“ vor dem Bahnhof bekommt der Kernort der Gemeinde eine neue Attraktion, die sich unter Umständen in die Veranstaltung mit einbinden lässt.

Wenz: Strecke endet "auf dem Feld"

Genau hier setzt auch Martin Wenz an, Fraktionsvorsitzender­ der Initiative Fronhausen. Bislang ende die Strecke zwischen Fronhausen und Bellnhausen „auf dem Feld“, sagte er. Mit dem neuen Zentrum am Bahnhof biete sich bald die Möglichkeit, den Ort Fronhausen stärker in das Konzept mit einzubinden.

Auch seine Fraktion habe das Thema intensiv diskutiert, so Wenz. „Wir wollen die Veranstaltung weiter pflegen.“ Der autofreie Sonntag funktioniere und solle deshalb weiter stattfinden. Ledigliche die Frage, wie man die Veranstaltung für Fronhausen weiter verbessern kann, müsse noch beantwortet werden.

So bleiben noch einige Fragen offen und die Zeit drängt. Soll es im kommenden Herbst wieder einen autofreien Sonntag auf der Landstraße 3048 ­geben, brauchen alle Beteiligten ­irgendwann Planungssicherheit. Im Frühjahr will die Fronhäuser Gemeindevertretung darüber abstimmen, ob es in diesem Jahr und vielleicht auch in den kommenden so weitergeht, wie bislang.

Ebsdorfergrunds Bürgermeister Andreas Schulz hatte die Gemeinde Fronhausen darum gebeten, bis Mitte März eine Entscheidung in dieser Sache zu fällen. Schulz machte darüber hinaus in einer Pressemitteilung seinem Ärger Luft. In einem Bericht dieser Zeitung hatte Claudia Schnabel über mögliche ­Alternativen gesprochen. Vor allem die Auf- und Abfahrt der Bundesstraße 3 zu sperren, bedeute für die Gemeinde stets einen großen Aufwand. Um diese Sperrung zu umgehen, könnte die Streckenführung im Bereich der Straße auf Feldwege umgeleitet werden, so die Idee der Bürgermeisterin.

Gesperrte Landstraße: Demonstration für Klimaschutz

„Lächerlich“ sei das, konterte Andreas Schulz in einer eigenen Veröffentlichung. Der Vorschlag zeige, „wie wenig sich Kollegin Schnabel mit dem eigentlichen Sinn dieser Umwelt- und Breitensportveranstaltung inhaltlich bis heute auseinandergesetzt“ habe, so Schulz. Gerade die freie Fahrt auf der gesperrten Landstraße solle eine Demonstration für den Klimaschutz und die Nutzung des Fahrrades sein, heißt es in seiner Erklärung. Das mache den Reiz der Veranstaltung aus.

Schulz betonte zudem, dass Ebsdorfergrund die Sperrung mitfinanziere und auch der eigene Bauhof in Fronhausen mit ausgeholfen habe. „Es ist von Anfang an unsere gemeinsame Aufgabe, die Ebsdorfergrund mitbezahlt.“
Einmal in Fahrt, greift Schulz seine Kollegin hart an. Schnabel solle nicht über die Kosten jammern, sondern lieber die Beteiligten stärker unterstützen. Ebsdorfergrund lasse sich den autofreien Sonntag deutlich mehr als 10.000 Euro kosten, zum Beispiel für die Bühne am Kreisel in Heskem. Damit würden auch die Besucherströme geleitet, führt Schulz aus. „Das könnte Frau Schnabel doch auch ­machen.“

Darüber hinaus werde der ­Löwenanteil der notwendigen Arbeiten seit jeher von der Gemeinde Ebsdorfergrund geleistet. Auch dass die Menschen „zügeweise am Bahnhof“ in Fronhausen ankommen, wie Bürgermeisterin Claudia Schnabel gesagt hatte, könne er nicht feststellen, so Andreas Schulz. „Je mehr Frau Schnabel das Familienevent bei sich zerredet, desto mehr wird Ebsdorfergrund es ausbauen.“­ Egal ob mit oder ohne die Gemeinde Fronhausen – auch 2019 werde es auf jeden Fall wieder einen autofreien Sonntag geben.

von Dominic Heitz