Volltextsuche über das Angebot:

25 ° / 12 ° Gewitter

Navigation:
„Es waren sechs wunderbare Jahre“

Oberweimar „Es waren sechs wunderbare Jahre“

Die Menschen in Kehna, Weiershausen, Allna, Hermershausen, Haddamshausen und Oberweimar werden sich bald an einen neuen Pfarrer gewöhnen müssen. Der bisherige nimmt am Sonntag offiziell Abschied.

Voriger Artikel
Transporter gerät in Gegenverkehr
Nächster Artikel
Schülerband "Für immer" spielt vor "Silbermond"

Pfarrer Burkhard zur Nieden spielt in der Oberweimarer Kirche an jenem Cembalo, an dem schon echte Rocklegenden, unter anderem die Musiker von Deep Purple, im Musikstudio gesessen haben.

Quelle: Götz Schaub

Oberweimar. Pfarrer Burkhard zur Nieden wurde berufen, Dekan des Stadtkirchenkreises Marburg zu werden. Das bedingt seinen Abschied aus der sehr lieb gewonnen Kirchengemeinde Oberweimar. Zur Nieden bekennt: „Meiner Frau Anja und mir hat es hier sehr gut gefallen, es waren sechs wunderbare Jahre und wir wären auch gern länger geblieben.“ Nun kam aber dieser Ruf und zur Nieden folgt ihm. Und so findet am Sonntag, 17. Januar, ab 10 Uhr in der Kirche Oberweimar der Abschiedsgottesdienst statt. Das Predigtthema ist dabei genau das, mit dem zur Nieden in der Kirchengemeinde angefangen hat. „Das ist ein Zufall, der aber passt“, sagt zur Nieden.

Alle sechs Jahre schließt sich der Kreis der Predigtthemen und beginnt von vorne. Und so schließt sich auch für zur Nieden ein Kreis. „Abgesehen von meiner Kindheit habe ich nun in Oberweimar die längste durchgehende Zeit an einem Ort verbracht“, sagt der Pfarrer, der überdies über ein fundiertes Wissen als Kirchenhistoriker verfügt.

Die Jahre waren so schön, weil zur Nieden im Kirchspiel auf viele aufgeschlossene und freundliche Menschen getroffen ist, mit denen es Freude machte, das Gemeindeleben zu gestalten. Nach seiner Stelle in Baunatal-Mitte fand er in dem dörflich strukturierten Kirchspiel ganz andere Möglichkeiten vor, die er auch zu nutzen verstand. Unter anderem konnte er sich die wichtige Zeit für Hausbesuche nehmen, die auch gerne angenommen wurden. Besondere Freude machte zur Nieden die Arbeit mit den Konfirmanden und auch mit den Grundschülern in Cyriaxweimar, die er in Religion unterrichtete. Die Aussicht, dass so etwas nun nicht mehr zu seinen Aufgaben gehört, stimmt ihn schon wehmütig. Auf der anderen Seite ist er aber auch sehr darauf gespannt, was ihn in seiner neuen Position erwartet. Die Kirchengemeinde muss sich damit trösten, dass zur Nieden viele schöne Erinnerungen mitnehmen wird und wenn sie die Kirchen in Kehna und Oberweimar betreten, können sie immer sagen, die wurden saniert als zur Nieden unser Pfarrer war.

Der 46-Jährige Pfarrer möchte die Aufzählung seiner schönen Erinnerungen keineswegs als Prioritätenliste interpretiert wissen. Prioritätenlisten habe es für ihn nie gegeben, erst recht nicht, wenn er aus den einzelnen Ortsteilen berichtet, die ihm inklusive Kirchengebäude alle gleich lieb sind. Das Pfarrhaus hat zur Nieden mit seiner Frau gerne bewohnt und es keineswegs nur wegen der Zugluft als offen empfunden. Zur Nieden verstand sich als Pfarrer durch und durch. Das bedeutet, für die Gemeinde immer ansprechbar zu sein. Tagsüber wie auch nachts, wenn es sein muss. „Es gibt andere Privilegien, die man als Pfarrer hat, man muss sie nur finden und bewusst wahrnehmen“, sagt er. Damit meint er unter anderem die Zeit, die andere berufstätige Menschen morgens einfach nicht haben, um wenigstens in Ruhe zu frühstücken. Ausgestattet mit solchen Inseln für das eigene Leben, waren zur Nieden wie auch seine Frau, die an der Universität in Gießen arbeitet, auch immer bereit, ihre gemeinsame Zeit zu geben. Und die Menschen wussten schnell, was sie an ihm hatten.

Eine ganz besondere Story bleibt natürlich für ihn die Sache mit dem Cembalo, das nachweislich einmal ein Studio-Instrument in London gewesen ist und von diversen Rocklegenden bespielt wurde. Und mehr noch, das sogar auf einem Plattencover von Deep-Purple zu sehen ist. In der Jugend selbst ein Fan der Gruppe „um die Eltern ein bisschen zu schocken“, durfte er nun selbst dem Instrument schöne Töne entlocken. Zur Nieden durfte die Sanierungen der Kirchen von Kehna und Oberweimar begleiten wie auch bei der Ausgestaltung der 850-Jahr-Feier von Oberweimar im vergangenen Jahr helfen. Der Kirchgarten bildete schließlich auch die natürliche Kulisse für das Theaterstück anlässlich des Dorfjubiläums.

Zur Nieden ist sich sicher, dass seine Kirchengemeinde einen guten Nachfolger erhalten wird. „Die Stelle hat einen guten Ruf.“ Bis die Stelle besetzt wird, höchstwahrscheinlich im Frühsommer, werden die Geschäfte von Pfarrer Bartsch aus Niederweimar übernommen. Dessen Frau, die ebenfalls Pfarrerin ist, übernimmt die Konfirmanden.

von Götz Schaub

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Südkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr