Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Südkreis Mit dem „Defi“ kann jeder Leben retten
Landkreis Südkreis Mit dem „Defi“ kann jeder Leben retten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 27.07.2018
Fronhausens Bürgermeisterin Claudia Schnabel folgt den Anweisungen des Geräts an einer Übungspuppe. Quelle: Götz Schaub
Fronhausen

Von einem „Defi“, einem Defibrillator“, haben schon viele Menschen gehört. Sie wissen, dass man damit Leben retten kann – irgendwie. „Wer einmal einen Defibrillator ausprobiert hat, verliert automatisch die Scheu und wird im Ernstfall sicher nach dem Gerät greifen und helfen“, ist sich Fronhausens Bürgermeisterin Claudia Schnabel sicher. Sie hat es selbst ausprobiert und weiß, dass damit wirklich jeder helfen kann, denn alle Schritte werden angesagt. Und sollte man in einer ersten Aufregung etwas nicht verstanden haben, wird es wiederholt bis die geforderte Aktion ausgeführt wurde.

Vor gut einem Jahr begannen die Björn Steiger Stiftung und der Landkreis ihre Gespräche über eine Kooperation zur flächendeckenden Einführung von AED-Geräten im Landkreis. AED ist die Abkürzung für Automatisierter Externer Defibrillator. Dieser kommt zum Einsatz, um ein aus dem Takt geratenes Herz beziehungsweise ein stehengebliebenes Herz durch ­einen Stromimpuls wieder zum Schlagen zu bringen.

Jeder soll sich die Bedienung zutrauen

Michael Müller, Projektmanager „100.000 Leben zu retten“ von der Björn Steiger Stiftung sowie Landrätin Kirsten Fründt ist es dabei wichtig, die Menschen mitzunehmen, sie dazu aufzufordern, aktive Hilfe mit den Geräten zu geben, wenn es einmal um ein Menschenleben gehen sollte. Um möglichst viele Menschen direkt zu erreichen, sollen in allen Kommunen kostenlose Schulungen angeboten werden, an denen jeder interessierte Bürger teilnehmen kann. Zudem plant die Stiftung ihre Projekte für Schulen im Kreis anzubieten.

So soll sichergestellt werden, dass auch junge Menschen es sich zutrauen, mit dem Gerät Hilfe zu leisten. Auch für Kindergärten gibt es Programme zum Thema Erste Hilfe. Kreisbrandinspektor Lars Schäfer und Kirsten Fründt freuen sich, das ohnehin schon gute Ersthelfernetz im Landkreis durch diesen „Baustein“ sinnvoll ergänzen zu können.

Fründt lobt gut ausgebautes System der Rettungsdienste

Bereits jetzt seien die Chancen, einen Herzinfarkt oder ­einen Herzstillstand zu überleben, in Marburg-Biedenkopf größer als anderenorts. „Das hängt mit dem gut ausgebauten System der Rettungsdienste und einer hervorragenden klinischen Versorgung, zum Beispiel im Marburger Uni-Klinikum zusammen“, sagt Fründt. Jeder Mensch, der dazukommt und hilft, wo andere weg- oder nur zuschauen oder gar eher das Handy zücken um Aufnahmen zu machen, steigert die Chance eines Betreffenden, einem Herztod noch zu entgehen.

„Die wichtigste Rolle bei einem plötzlichen Herzstillstand spielen die Ersthelfer. Sie setzen den Notruf ab, leisten Erste Hilfe und stellen so die Weichen für alle anderen Schritte“, so die Landrätin. Schäfer ergänzt: „Dabei gilt nur eine Regel: Alles ist besser als nichts zu unternehmen. In der Regel werden die Anrufer auch weiter von den Mitarbeitern am Notfalltelefon angeleitet.“

Bürgermeisterin wünscht sich weiteres Gerät

Nun sei es aber auch wichtig, Geldgeber für die vielen Geräte zu gewinnen. Der Kreis und die Stiftung setzen dabei in erster Linie auf Gewerbetreibende, die dann ihr Logo auch am Standort des gesponserten Geräts anbringen dürfen. In Fronhausen – man ist schon fast dazu geneigt zu sagen, dass es zum guten Ton gehört – hat die Firma Schneider das Gerät für das Rathaus gesponsert. Für Firmenchef Gunter Schneider eine Selbstverständlichkeit. Denn Leben zu retten stehe doch über allem anderen.

So entstand auch die Zusammenarbeit mit der Gemeinde, zur Sicherstellung der Tagesbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehren auf Mitarbeiter der Firma zurückgreifen zu dürfen, die in ihren Heimatorten auch Mitglieder der Einsatzabteilung sind. Bis Ende des Jahres soll in ­jeder Kommune des Kreises schon mal ein Gerät vorhanden sein, dann sollen weitere folgen.

Claudia Schnabel freut sich über das Gerät im Rathaus Fronhausen und ein weiteres im Bürgerhaus. Sie findet es aber auch sinnvoll, eins im Gewerbezentrum zu haben, wo auch immer viele Menschen sind. Bereits feststehende Standorte neben den beiden in Fronhausen sind das Rathaus Cölbe, das Bürgerhaus Dautphe, das Bürgerzentrum Dreihausen, das Bürgerbüro Kirchhain die Lahnfelshalle in Goßfelden, das Rathaus Lohra, das Rathaus Stadtallendorf und das Rathaus Wohratal.


von Götz Schaub

Hintergrund

Der Namensgeber der Björn Steiger Stiftung ist ein 1969 tödlich verunglücktes achtjähriges Kind. Es wurde nach einem Schwimmbadbesuch von einem Auto erfasst und musste danach fast eine Stunde auf einen Krankenwagen warten. Es starb anschließend nicht an seinen Verletzungen, sondern am Schock. Die Eltern des Kindes gründeten dann diese Stiftung, um die Notfallhilfe in Deutschland zu verbessern.

Freuen sich über das AED-Projekt für den Kreis: Christian Betz, Vorsitzender Deutsches Rotes Kreuz (DRK) Kreisverband Marburg-Gießen (von links), Annette Born DRK Kreisverband Biedenkopf, Thomas Kriebel vom DRK Kreisverband Marburg-Gießen, Fronhausens Bürgermeisterin Claudia Schnabel, Kreisbrandinspektor Lars Schäfer, Landrätin Kirsten Fründt, Gunter Schneider von der Firma Schneider GmbH & Co. KG sowie Michael Müller und Angelo Sapia von der Björn Steiger Stiftung. Foto: Götz Schaub