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„Ein großartiger Tag für alle“

Ortsumgehung B 255 „Ein großartiger Tag für alle“

Die Sonne strahlte und mit ihnen Politiker aus Bund, Land und Kommunen, die gestern eine angenehme Aufgabe hatten. Sie übergaben viereinhalb Kilometer Straße, die vielen Autofahrern Zeit und Anwohnern Ruhe verschaffen.

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Vor gut 170 Gästen gab Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier gestern Vormittag die Ortsumgehungen von Niederweimar und Oberweimar auf der Bundesstraße 255 frei.

Quelle: Nadine Weigel

Wenkbach. Erst der Lückenschluss der B3 zwischen Gießen und Marburg, nun die Ortsumgehung der B255 in Richtung Gladenbach: die Bürger der Gemeinde Weimar ernteten in den vergangenen zwei Jahren die Früchte jahrzehntelanger Bemühungen um eine bessere Anbindung an das Fernstraßennetz und für mehr Lebensqualität in Ober- und Niederweimar.

Weimars Bürgermeister Peter Eidam (parteilos) erinnerte gestern an die Bürger, die mit den ersten Unterschriften schon 1968 den Wunsch nach den Ortsumgehungen formuliert hatten. Und freute sich, dass dieser Wunsch nun Wirklichkeit geworden ist. Die Straße bringe spürbar mehr Lebensqualität in den Ortsteilen und: Sie spare den Verkehrsteilnehmern Zeit. In Zeiten zunehmender Anforderungen an die Mobilität der Menschen sei ersparte Zeit zu einem „Wirtschaftsgut und zugleich zu einem Kulturgut geworden“.

Als „Nachbar“, der aus eigenenr Erfahrung gut beurteilen könne, wie die Verkehrssituation bisher war und wie sie jetzt sein wird, war der aus Gießen stammende hessische Ministerpräsident zur Freigabe der Straße angereist.

Es sei ein uneingeschränkter Tag der Freude, an dem es nur Gewinner gebe, sagte Volker Bouffier (CDU) und meinte neben den Anwohnern und Verkehrsteilnehmern als Nutznießer der neuen Straße auch die überregionale Bedeutung der Anbindung von der B3 zur Autobahn 45 bei Herborn, von der die hier ansässigen Wirtschaftsbetriebe profitierten. „Eine wirtschaftlich starke Region braucht gute Verbindungen, und es hat sich für diese Region in den vergangenen Jahren schon eine Menge entwickelt“, so Bouffier. Doch weil „Verkehrswege der Schlüssel für gelingende Zukunftsentwicklung“ seien, müsse das Straßennetz auch weiter ausgebaut werden.

Bouffier: „Wir wollen bauen“

Bouffier (CDU) machte Mut, dass dieses Neubau-Projekt nicht das letzte ist, was auf absehbare Zeit im Kreis realisiert werden kann. Und erwähnte die von der Gemeinde Ebsdorfergrund offensiv geforderte Heskemer Ortsumgehung in seiner Rede, noch bevor einige Heskemer Bürger mit Bürgermeister Andreas Schulz (SPD) ihre Transparente mit „Glückwunsch Weimar“ und „Jetzt ist die Ortsumgehung Heskem dran“ entrollt hatten.

Versprechen gab er jedoch keine ab. „Wir wollen bauen, weil wir meinen, dass es den Menschen nutzt“, sagte Bouffier. Der häufig angeführte Gegensatz zwischen Straßenbau und Umweltschutz sei für ihn in diesem Zusammenhang „weder zwingend noch logisch“ und: „Er löst kein einziges Problem.“ Dennoch müsse die Politik nicht nur im Land, sondern auf Bundesebene Antworten auf die Finanzierungsfragen finden. In einer Zeit, in der die Bundesrepublik so hohe Steuereinnahmen habe wie nie zuvor, reiche das Geld trotzdem nicht.

Für das Land sieht Bouffier die Möglichkeiten weitgehend ausgereizt. Hessen sei nicht nur solidarischer Hauptzahler im Länderfinanzausgleich und sein Straßennetz durch die Lage in der Mitte Deutschlands ohnehin besonders belastet. Das Land habe auch seine Straßenbaumittel in den vergangenen Jahren vervierfacht. Trotzdem müsse man oft sagen: „Wir haben kein Geld.“

Landesregierung erhöht Mittel

Bei der Klausurtagung von CDU und FDP zum Landeshaushalt 2013 habe sich die Regierungskoalition darauf geeinigt, so Bouffier, dass im kommenden Jahr die Landesmittel für Straßenneubau auf 100 Millionen Euro erhöht werden sollen und zusätzliche 30 Millionen Euro für Planungskosten reserviert werden. „Das ist uns nicht leicht gefallen“, sagte der Regierungschef mit Blick auf die Verschuldung des Landes.

Der für den erkrankten Staatssekretär Jan Mücke eingesprungene Baudirektor Gerhard Rühmkorf vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung nahm den von Bouffier und Verkehrsstaatssekretär Steffen Saebisch bei der Begrüßung vorgetragenen Wunsch nach mehr Geld aus Berlin freundlich zur Kenntnis. Er verwies aber auch darauf, dass schon jetzt sehr viel Geld in die hessischen Straßen investiert werde. Das Straßennetz in Hessen sei inzwischen leider auch „etwas in die Jahre gekommen“ und erfordere daher auch einen großen Erhaltungsaufwand, sodass weniger für den Neubau zur Verfügung stehe.

  • Auf der nun beidseitig befahrbaren Ortsumgehung wird der Verkehr in den kommenden Tagen nur noch am Ausbauende oberhalb von Oberweimar durch eine Baustellenampel gebremst, bis der Anschluss an die alte B-255-Trasse fertiggestellt ist. Kleinere Restarbeiten an der Strecke werden allerdings noch bis ins kommende Jahr erledigt.

von Michael Agricola

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