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Ein Hengst und zwei Wallache brauchen gute Pflege

Pferdepaten ganz dringend gesucht Ein Hengst und zwei Wallache brauchen gute Pflege

Vor rund sieben Wochen wurden drei Pferde im Lahn-Dill-Kreis ihrem jahrelangen Elend durch das Veterinäramt entrissen. Bei Marita Markus in Allna kamen sie unter. Die Pferdewirtin braucht nun Hilfe bei der Pflege.

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Der Fuchswallach war abgemagert bis auf die Knochen, als er Ende August zu Marita Markus kam. Das Pflegepferd hat inzwischen etwas zugelegt.

Quelle: Nadine Weigel

Allna. Der Fuchswallach läuft auf seinem Weg aus dem Stall in den Paddock immer schnurstracks auf den Futtereimer zu. „Hier geht‘s den ganzen Tag ums Fressen“, sagt Marita Markus, stellt einen Eimer mit eingeweichtem Spezialfutter bereit und streicht dem großen Tier liebevoll über den Hals.

Der geschätzt 28 Jahre alte Wallach ist seit Ende August bei der Pferdewirtin zu Hause - eigentlich nur vorübergehend, doch noch niemand weiß so richtig, was aus diesem Pferd und zwei weiteren, die mit ihm dort unterkamen, werden soll. Der für ein Warmblutpferd schon ungewöhnlich alte Fuchswallach hat bereits viele Zähne verloren. Mit dem Heu kommt er nicht mehr so gut zurecht, er braucht weiche, kleingehäckselte Nahrung, die nicht so sehr gekaut werden muss. Und er braucht viel Kraftfutter, um wieder zuzunehmen. Noch immer zeichnen sich die Rippen und der Rücken scharf unter dem rötlichen Fell ab - und das, obwohl der Wallach seit Wochen frisst und frisst und frisst. „Als er hier ankam, war er noch viel dünner“, erinnert sich Marita Markus.

Der zweite im Bunde ist ein deutlich kleinerer brauner Warmblutwallach, der auch schon über 20 Jahre alt sein soll. Er war ebenfalls stark unterernährt, als er in Allna ankam. Zudem hatte er schwere Verletzungen, die ihm das dritte Pflegepferd, ein schmucker dunkelbrauner Hengst mit weißer Blesse, beigebracht haben soll.

Der neun Jahre alte Hengst war der einzige von dreien, der nicht völlig abgemagert in Allna ankam. Im Gegenteil: Wo sie zuvor gehalten wurden, hinderte das große, kräftige Tier die beiden anderen in Hengstmanier an der Nahrungsaufnahme und fraß selbst für drei. Wohl auch deshalb bekam der große Braune Hufrehe, eine Stoffwechselerkrankung, die schlimme Entzündungen im Huf verursacht.

Eigentümerin klagt gegen das Veterinäramt

Ohnehin waren die Hufe aller drei Pferde stark verfault, weil die Tiere auf einem nassen Waldgrundstück im Lahn-Dill-Kreis standen und nicht gepflegt wurden. Eine zusätzliche Herausforderung für Marita Markus, die sich, unterstützt von einer Freundin, mehrfach täglich die Hufe der drei Pferde auskratzt, um sie sauber und trocken zu halten.

Ganz so kompliziert hatte sich Marita Markus die Pflege ihrer Gastpferde nicht vorgestellt. „Ich habe mich beim Veterinäramt gemeldet und Bescheid gesagt, dass ich Pferde aufnehmen könnte - dabei habe ich vor allem an meine großen Weiden gedacht und daran, dass die Tiere dann hier stehen und sie abgrasen könnten.“ Doch so einfach geht das nicht mit ihren drei Patienten. Sie brauchen spezielle Zuwendung. Geritten werden kann im Moment keines der Tiere, aber sie müssen regelmäßig an der Longierleine bewegt werden. „Mal schauen, wie fit wir den Hengst wieder bekommen“, sagt Marita Markus und hofft, dass das Tier sich von der Hufrehe erholt und dann möglicherweise doch noch als Reitpferd genutzt werden kann.

Bei den beiden alten Wallachen sieht‘s wohl schlechter aus: „Man könnte ihn noch als Beistellpferd halten und ihm einen schönen Lebensabend ermöglichen“, schlägt Marita Markus für den Fuchs vor. Den kleinen braunen Wallach würde sie gern ebenfalls als Beistellpferd oder als Reitpferd für Kinder vermitteln. „Schritt und Trab könnte er noch gehen“, schätzt sie.

So lange die Tieren noch nicht vermittelt sind, wünscht sich Marita Markus die Unterstützung von Menschen, die sich als Paten der Pferde verstehen. „Hier dürfen jederzeit Leute hinkommen, sich mit den Pferden beschäftigen und mir bei der Pflege helfen“, sagt sie. Was Futter-, Tierarzt- und Hufschmiedkosten angeht, so springt die Veterinärbehörde ein - sie zahlt Marita Markus auch eine Aufwandsentschädigung. Das Geld wird bei der vorherigen Halterin, die die Pferde hat verwahrlosen lassen, eingefordert. „Obwohl die Aufnahme von Tieren, die aus Tierschutzgründen ihren Haltern fortgenommen wurden, ohnehin schon ein großes Maß an Idealismus erfordert, wäre es kaum zu verlangen, dies unentgeltlich zu tun. So erhalten diejenigen, die sich um fortgenommene Tiere kümmern, eine Entschädigung, die am jeweiligen Aufwand ausgerichtet ist“, antwortet das Veterinäramt des Lahn-Dill-Kreises auf eine OP-Anfrage und ergänzt: „Dennoch wird für den Betreuer bei allem Bemühen um einen gerechten Ausgleich eher ein Minus als ein Plus zu verzeichnen sein.“ So geht‘s auch Marita Markus, die dankbar Futterspenden entgegennimmt.

Über die drei Pferde berichtet die Veterinärbehörde, dass sie aus einer Haltung stammen, die mehr als zwei Jahre lang immer wieder tierschutzrechtlich beanstandet wurde. „Veterinärbehördlichen Auflagen kam die Halterin entweder nicht oder nur unbefriedigend und zeitlich verzögert nach. „So wurde die Fortnahme und die anderweitige pflegliche Unterbringung nach dem Tierschutzgesetz unumgänglich. Darüber hinaus wurde der Frau ein Haltungsverbot für Pferde ausgesprochen“, erklärt das Veterinäramt. Die Halterin klagt nun gegen die Behörde, das Verfahren läuft noch. Was aus den drei Pferden wird, hängt wohl auch davon ab, wie der Rechtsstreit um die Tiere endet.

Eingeschläfert werden müssen sie nicht, das hat der Amtstierarzt nach Beurteilung der Pferde entschieden.

Potenzielle Pferdepaten aufgepasst: Marita Markus nimmt unter der Handynummer 0171/5287215 Hilfsangebote entgegen. Auch wer sich für die Übernahme eines der Pferde interessiert, kann sich unter dieser Nummer melden.

von Carina Becker

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