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Südkreis Ein Fluss darf wieder frei sein
Landkreis Südkreis Ein Fluss darf wieder frei sein
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18:15 12.06.2012
Üppig bewachsene Ufer, ein Bach, der sich durch die Auen schlängelt: Die Zwester Ohm ist von ihrem begradigten Bachbett befreit und darf sich ihren Weg suchen. Quelle: Nadine Weigel
Heskem

Das Flüsschen schlängelt sich durch die Auen. Bäumen säumen hier und da seinen Weg. Umgeben von saftig-grünen Wiesen und bahnt sich die Zwester Ohm auf ihrem Teilstück von Hachborn bis Heskem-Mölln den Weg. Sie kürzt nicht mehr schnurgerade ab, wie einst. Ihr Fluss ist auch nicht mehr durch ein eingefasstes Bachbett reguliert. Sie darf wieder ihre alten Kurven nehmen. Und wenn es regnet, dann darf sie über ihr Bachbett auf die Auen treten.

Die Gemeinde Ebsdorfergrund hat, begleitet von vielen Fachleuten und Unterstützern, in den Jahren seit 1987 einen langen Weg geschafft. In zwei Bauabschnitten führte sie die Zwester Ohm zurück in ihren natürlichen Verlauf: Zwischen Hachborn und Ebsdorf zunächst auf einer Fläche von etwa 38 Hektar - das passierte in den Jahren 1987 bis 1988. Später auf einer Fläche von 27 Hektar zwischen den Ortsteilen Ebsdorf und Heskem-Mölln - das war in den Jahren 2003 und 2004.

Acht Jahre nach dem Abschluss der Renaturierungsarbeiten, ist für die Gemeinde der Zeitpunkt gekommen, um Bilanz zu ziehen. Andreas Schulz, Bürgermeister von Ebsdorfergrund, tat dies während eines Pressetermins gemeinsam mit Menschen, die den Prozess begleitet haben und bis heute begleiten. Mit dabei war Gerhard Badouin, der „Vater der Renaturierung“. Als Diplom-Ingenieur für Wasserwirtschaft machte er sich unter anderem in der damaligen landesweiten Arbeitsgemeinschaft Naturnahe Gewässer für die Zwester Ohm stark.

Die Renaturierung war ein Pilotprojekt: In Hessen hatte man Derartiges noch nicht ausprobiert. Badouin setzte sich beim Land für das Vorhaben ein - das Ministerium erteilte rasch die Genehmigung. Die Flurbereinigung, die, das Land seit vielen Jahrzehnten zur Umstrukturierung von Flächen im ländlichen Raum nutzt, wurde zum Instrument der Renaturierung. Das war im Jahr 1983. Und Badouin erinnert sich noch gut an die Situation der Menschen vor Ort: „Sie litten unter den Überschwemmungen an der Zwester Ohm - sie wollten, dass der Bach noch breiter und tiefer wird, das wäre aber falsch gewesen. Der Fluss sollte wieder Leben in die Aue bringen.“ Vor allem die Landwirte waren damals skeptisch: 500000 Mark, so lautete der erste Kostenvoranschlag für ein Teilstück von 1,6 Kilometern Länge - ein Menge Geld.

Bei dieser Summe blieb es aber nicht. Es kostete 1,5 Millionen Euro, die Fehler der Vergangenheit wieder auszugleichen. Gezahlt haben das Land Hessen und die Gemeinde Ebsdorfergrund. Im zweiten Bauabschnitt fielen für die Kommune Kosten von 172000 Euro an. Eine Summe, die sich für den Ebsdorfer Grund bereits über das Ökokonto bei der Unteren Naturschutzbehörde refinanziert hat, wie Bürgermeister Schulz erklärte.

Bevor die Renaturierung begann, leistete Gerhard Badouin Recherchearbeit. Mithilfe von alten Unterlagen aus Archiven rekonstruierte er, wie die Zwester Ohm einst verlief. Und dann durfte sie nach und nach zurück in ihr altes Bachbett. An manchen Stellen musste es dafür angehoben oder ausgeweitet werden. Gehölze wurde an den Ufern neu gepflanzt. Mancherorts wurde das Flüsschen verlegt. Zwischen Ebsdorf und der Einmündung des Wittelsberger Bachs beispielsweise. Dort blieb das ehemalige Gewässerbett als alter Arm erhalten.

Die Beteiligten sind heute stolz auf das, was sie geschaffen haben. Allein 59 Vogelarten, Amphibien, Libellen - die Natur hat ihren Platz am Bach wieder eingenommen. „Die Zwester Ohm gilt landesweit bis heute als Vorbild für gelungene Renaturierung“, sagt Gerhard Badouin.

Die Auenlandschaft zwischen Hachborn und Heskem-Mölln ist inzwischen von Menschenhand weitgehend unangetastet. Gepflegt werden die Wiesen dennoch, und zwar von Rindern und Pferden, die das ganze Jahr über auf den Auen weiden. Es sind die Tiere von Klaus Erber aus Schröck, der dem Weideverein Taurus angehört, und des Landwirts Elmar Stein aus Beltershausen. Die Rinderzüchter sind die Vertragspartner der Gemeinde für das „naturnahe Beweidungskonzept“.

Und diese Art der Landschaftspflege gefällt: Die Menschen genießen die Landschaft und die Tiere auf ihren Spaziergängen, Kinder und Erwachsene verfolgen mit, wie Rinder auf den Weiden ihren Nachwuchs bekommen und wie die Tiere aufwachsen. Sie entdecken Blumen und Schmetterlinge. Und der Fluss fließt indes ungestört, wie er will.

von Carina Becker

Stichwort: Zwester Ohm

Die Zwester Ohm ist ein 20 Kilometer langer Nebenfluss, der links der Lahn verläuft. Sie entspringt in rund 360 Metern Höhe auf dem Lumda-Plateau im vorderen Vogelsberg – und damit im Gemeindegebiet von Ebsdorfergrund, nahe des Örtchens Wermertshausen. Die Zwester Ohm fließt zunächst in nordwestlicher Richtung bis zum Amöneburger Becken bei Heskem. Dort ändert der Fluss seine Richtung nach Südwesten. Auf dem Boden der Gemeinde Fronhausen, bei Sichertshausen, mündet die Zwester Ohm in die Lahn.

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