Volltextsuche über das Angebot:

27 ° / 8 ° heiter

Navigation:
Echte Fummelarbeit für den Künstler

Lieblingsmotiv: Ebsdorfer Kirche Echte Fummelarbeit für den Künstler

Die Ebsdorfer Kirche fasziniert viele Künstler. Zahlreiche Zeichnungen von dem historischen Gebäude werden am 27. Januar im Archiv des Dorfes ausgestellt - darunter drei Bilder von Wilhelm Schmidt.

Voriger Artikel
Ein Dorferneuerungsmanager geht
Nächster Artikel
Umfassende Gemeinde-Chronik steht im Fokus

Hobbykünstler Wilhelm Schmidt aus Ebsdorf präsentiert seine aktuelle Zeichnung der Ebsdorfer Kirche. Sie ist demnächst in einer Ausstellung des Heimatvereins zu sehen.

Quelle: Patricia Kutsch

Ebsdorf. Mit Bleistift hat er den Wehrturm immer wieder gezeichnet. Mit feinen Strichen setzt Wilhelm Schmidt die letzten Akzente. Seit sechs Wochen zeichnet er an einem neuen Bild von der Kirche. Das Kopfsteinpflaster fehlt noch: „Das ist eine ganz schöne Fummelarbeit“, sagt Schmidt.

Als Vorlage dient dem Ebsdorfer ein historisches Foto von der Wehrkirche. Die kleine Fotografie zeichnet er vergrößert ab, weshalb er schon seit mehreren Wochen viele freie Stunden an der Staffelei verbringt. „Je größer eine Bleistiftzeichnung wird, desto schwerer ist es“, erklärt der Hobbykünstler. „Die Details müssen herauskommen. Bei einer kleinen Zeichnung reicht es, das Pflaster anzudeuten.“

Der Boden ist nicht die einzige kleinteilige Fläche auf dem Bild. Das Foto stammt aus einer Zeit, in der der Wehrturm der Kirche noch nicht verputzt war. Auch das Mauerwerk fordert also die ganze Konzentration und das Fingerspitzengefühl des Malers. Gerade deswegen reizt Schmidt diese Vorlage - und wegen des Brunnens vor der Kirche. „Es ist ein ganz seltenes Foto.“ Auf dem Foto ist der Brunnen mit einer Schwengelpumpe im Vordergrund zu sehen, heute gibt es ihn so nicht mehr. Ein eingefasster Brunnenschacht erinnert daran, dass es dort Wasser gab. „Den Brunnen füge ich zum Schluss in das Bild ein“, erklärt der 61-Jährige.

Schmidt hat seine Liebe zum Malen und Zeichnen schon in der Schule entdeckt. In den 70er-Jahren beschäftigte ihn die Politik. Es entstanden Karikaturen, etwa über die Watergate-Affäre. „Die habe ich gemalt als ich mit dem Zug unterwegs war“, erinnert er sich. Dann hatte der Ebsdorfer lange Jahre keine Zeit mehr für sein Hobby, der Finanzberater war beruflich voll eingespannt. „Die Zeit habe ich heute eigentlich auch nicht“, erzählt er. In der Kunst findet er aber Entspannung und Ausgleich. Deswegen hat er vor einigen Jahren wieder damit angefangen. Manchmal braucht es dann einige Monate, bis ein Bild fertig ist - wie bei der Kirchenzeichnung. „Ich muss nicht nur Zeit haben, sondern auch die Muse“, erklärt Schmidt. „Ich kann nicht einfach sagen: ‚So, ich gehe jetzt malen‘.“ Doch diesmal gilt‘s: Das Kirchenbild muss fertig werden. Am 27. Januar soll es in den Räumen des Ebsdorfer Heimat- und Verschönerungsvereins aufgehängt werden. Das Archiv-Team hat vor einigen Wochen eine Ausstellung zur Kirche eröffnet, mit Fotos, Geschichten und Modellen. Seit Jahrhunderten inspirierte diese Kirche Künstler zu Bildern, Kunstdrucken, Intarsienarbeiten und Modellbauten. Zwischen den Bildern soll nun auch die Kirche von Schmidt hängen und den Besuchern der Kirchenausstellung den alten Wehrturm zeigen. Zwischen 14 und 18 Uhr können Gäste die Bilder und die Geschichte der Kirche kennenlernen - und die Broschüre bestellen, die der Verein derzeit noch erarbeitet.

Durch die erste Ausstellung im November sind laut Wolfgang Richardt vom Archiv-Team viele weitere Fotos und Informationen zusammengekommen. Besucher erinnerten sich, erzählten den Hobbyhistorikern davon und liehen ihnen alte Fotos.

Gemeinsam mit Richardt sucht Schmidt schon einen Platz für sein Bild. Dabei entschließt er sich spontan, dass er den Brunnen doch nicht mehr einzeichnet. „Er gehört historisch dazu, aber stört vom Ausschnitt her das Bild“, überlegt er. Der Heimatforscher stimmt ihm zu: „So wirkt der Turm in seiner vollen Ausdrucksstärke.“

In der Ausstellung werden sich zwei weitere Bilder von Schmidt finden: Ansichten der Kirche aus anderen Perspektiven, eine mit Acryl in leuchtenden Farben gemalt. Auf Schmidts Bildern findet sich immer wieder die Ebsdorfer Kirche, weil er diesen Turm mag. Was er als nächstes malt, weiß der Ebsdorfer auch schon genau: wieder die Kirche. Diesmal aus einer ungewöhnlichen Perspektive vom Lindenplatz her, eingerahmt von zwei Fachwerkhäusern. Allerdings finden sich unter Schmidts Werken nicht nur Kirchen: Eine Vorliebe hat er auch für Landschaften. Besonders in seinem Ferienhaus an der Nordsee findet er inspirierende Landschaften, Strände oder Krabbenkutter.

von Patricia Kutsch

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Südkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr