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Warten auf das Braune Langohr

Kontrollgang im alten Wasserwerk Warten auf das Braune Langohr

Im letzten halben Jahr haben sich in der neuen Fledermaus-Unterkunft noch keine Nachtschwärmer angesiedelt. Die Hoffnung liegt auf den Jungtieren, die neue Quartiere erkunden.

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Mit Gummistiefeln und Taschenlampen ausgerüstet machten sich Biologin Janna Smit-Viergutz und Peter Kornmann aus Ebsdorf im alten Wasserwerk auf die Suche nach Fledermäusen. 

Quelle: Ina Tannert

Ebsdorf. Keine Fledermäuse in Sicht, hieß es von Seiten der Experten aus dem alten Wasserwerk am Ortsrand von Ebsdorf. Bei einer ersten Kontrolle fanden sich noch keine Hinweise­ auf Untermieter. Die Verantwortlichen sind dennoch zuversichtlich, dass dort künftig Fledermäuse einziehen werden.

„Die Fledermäuse werden kommen, da bin ich ganz optimistisch“, sagte Janna Smit-Viergutz vom Büro Simon und Widdig, das die Initiatoren des Fledermausprojekts beraten hatte. Die Biologin hatte mit Unterstützung der Vereine in den alten Wassertanks nach Spuren der kleinen Räuber gesucht. Bisher ohne Erfolg.

Molche in Wassertanks

Dass es Fledermäuse in der Umgebung gibt, steht dabei ­außer Frage. In der Region sollen unter anderem das Braune Langohr, das Graue Mausohr, Wasser-, Fransen- oder Bartfledermäuse beheimatet sein. Die tummeln sich in der warmen Jahreszeit unter anderem rund um die Straßenlaternen, wo sie vom Licht angezogene Insekten jagen.

Nun ist es aber so, dass die nützlichen Tiere genau prüfen, wohin sie sich zur Winterruhe zurückziehen, so die Expertin. Da sind Fledermäuse ganz konservativ. Nur weil ein potenzielles neues Heim zur Verfügung steht, löst das nicht gleich eine Völkerwanderung aus. Auch bringen die Tiere ­ihren gerade flugfähigen Nachwuchs mit ins Winterquartier – da ist eine genaue Prüfung der Kinderstube nötig.

Dabei sind die Nachtschwärmer durchaus Wanderfreunde,­ sie wechseln regelmäßig das Quartier. Durch die moderne­ Bausubstanz wird es zunehmend schwieriger für die Tiere, geeignete Wohnstuben zu finden. Das 100 Jahre alte Wasserwerk bietet da eigentlich „ideale Bedingungen“ für Fledermäuse, so die Biologin. Durch einen steten Wasserpegel in den beiden alten Speichern ist es immer feucht, zudem frostsicher, dunkel und ruhig.

Aus diesem Grund hatten sich im letzten Sommer der Heimat- und Verschönerungsverein Ebsdorf und der Naturschutzbund Fronhausen zusammengetan und den alten Hochbehälter fledermausgerecht ausgebaut. Der Landkreis förderte die Arbeiten durch einen finanziellen Zuschuss.

Tiere müssen sich gegenseitig anlocken

Dämmplatten an der Wand und rechteckige Hohlblocksteine aus Bims und Zement bieten seitdem geeigneten Wohnraum für die Tiere, in denen sie kopfüber den Winter verbringen könnten.
Das müssen die Fledermäuse­ aber erst mitkriegen und Vertrauen zum neuen Quartier fassen.

Dass dies noch passieren wird, davon ist die Biologin überzeugt: „Die Tiere müssen das erst kennenlernen und sich dann gegenseitig anlocken“, so Smit-Viergutz. Die Hoffnung ruht, wie so oft, auf der Jugend. Denn gerade junge Fledermäuse seien neugierig, erkunden neue Gebiete und teilen das den Artgenossen mit.

Ihre sogenannten Quartierkenntnisse verbreiten die Tiere durch bestimmte Rufe und Schwarm-Verhalten. So werden quasi über den Buschfunk neu entdeckte Orte weitergetratscht.

Vielleicht klappt das in diesem Jahr. Da sind auch die Vereine guter Dinge. „Das ist kein Problem, das ist eben Natur. Irgendwann kommen sie schon“, sagte auch Wolfgang Richardt, Vorsitzender des Heimat- und Verschönerungsvereins Ebsdorf. Fledermäuse fanden sich zwar nicht beim ersten Kontrollgang – dafür hatten sich mehrere Molche in die Wassertanks verirrt und wurden von den Kontrolleuren eingesammelt. Sie erhielten in einem nahen Teich ein neues Zuhause.

von Ina Tannert

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